Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten

| 19. April 2020 | 0 Comments

Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten von Lisz Hirn will dem Leser zeigen, warum Selbstoptimierung und Komfortdenken die falschen Muster sind und unser Denkgewohnheiten auf den Kopf stellen. Dazu bemüht sie Vergleiche mit Superhelden wie Superman, Batman, Spider-Man und anderen, wobei sie dabei nicht immer ganz sattelfest ist.

Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten von Lisz Hirn, Rechte bei Molden Verlag

Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten ist ein kluges Buch mit vielen guten Ansätzen, aber beim Vergleich mit den Superhelden lässt die Autorin außer Acht, dass diese einer langen Geschichte der Wandlung unterliegen. So unterstellt sie, dass Supermans Stereotyp der eines gut aussehenden Muskelmanns ist, der über den anderen Menschen steht, allerdings waren die Autoren zwei jüdische Jungs vom Land, die in einen für sie fremden Moloch von Stadt kamen, wo sie sich fremd und verloren fühlten und die sich einen Ritter als Beschützer wünschten.

Auch Supermans Alter Ego Clark Kent hinterfragt als Journalist ständig kritisch das System, ist also nicht nur ein braver Staatsbürger, der nur das System aufrecht erhält. Des Weiteren zählt Wonder Woman, neben Batman und Superman, zu den drei großen Superhelden, welche unterunterbrochen ihre eigene Comicserie hatten und auch heute gibt es, wenngleich noch immer die Superheldencomicserien männlich dominiert sind, zahlreiche weibliche Superheldinnen, wie Catwoman, Batman, Green Lantern, Thor, uvm., die nicht nur ein Feigenblatt sind, sondern auch ihre eigenen Comicserien haben.

Es scheint die Autorin missachtet, dass viele der von ihnen genannten Superhelden Wandlungen unterworfen sind, Veränderungen durchlebt haben und dass sie ein wenig ihre Zeit wiederspiegeln. So steht die Comiclandschaft der Superhelden heute für eine große Diversität und auch Sexualität, Freundschaften und Familie spielen eine wichtige Rolle. Das soll nicht die Kernaussagen des Buches schmälern, aber womöglich wäre es besser gewesen, sich zuvor tiefer mit den verschiedenen Helden zu beschäftigen, als nur ein, zwei Comics durchzublättern. Im Wesentlich geht es im Buch jedoch darum, dass die Menschen, stärker als noch vor Jahrzehnten, sich nach dem starken Mann in sich selbst, aber auch innerhalb einer politischen Führung sehnen und welche Alternativen es diesbezüglich gibt.

Das Buch ist verständlich geschrieben und die Autorin stützt ihre Thesen und Überlegungen mit vielen aktuellen Zahlen und Quellen. Am Schluss weiß man womöglich nicht was man braucht um die Welt zu retten, aber man hat viele Denkanstöße erhalten, um sich und seine Umwelt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und womöglich auch sein eigenes Verhalten zu ändern, oder zumindest in Frage zu stellen.

Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten zieht einen Bogen von Herakles bis Batman, von Boris Johnson bis Donald Trump. Superhelden stehen hoch im Kurs und die Erzählung über sie ist fester Bestandteil aller Kulturen. Laut Autorin scheinen sie für unsere verweichlichte Gesellschaft, die weder Unsicherheit noch Schmerzen aushält, gleichzeitig aber dem Selbstoptimierungswahn verfallen ist, besonders wichtig zu sein. Sie stellt das Männlichkeitsideal in Frage und wie sich Männer selbst gerne sehen wollen.

Sie kritisiert, zurecht, dass Menschen sich nach Männern sehnen, die ähnlich wie Superhelden, uns aus dem Schlamassel retten sollen, in das wir uns durch unser Komfortdenken und übertriebenes Sicherheitsbedürfnis hineingeritten haben. Ist der Superheld also überhaupt noch ein taugliches Rolemodel? Sogenannte „starke Männer“ zeigen heute, wie es sicher nicht gehen wird. Aber Lisz Hirn weiß, dass in Zeiten, in denen Ängste Hochkonjunktur haben, Philosophie konkret helfen kann. Um unsere Welt auch noch für unsere Kinder lebenswert zu machen, sollten wir uns zum Beispiel lieber auf jene geheime Superkraft verlassen, die wir alle besitzen: die Vernunft.

Die österreichische Autorin Lisz Hirn, geboren 1984, studierte Philosophie und Gesang in Graz, Paris, Wien und Kathmandu. Sie arbeitet als Publizistin und Philosophin in der Jugend- und Erwachsenenbildung, u.a. am Universitätslehrgang »Philosophische Praxis« der Universität Wien unter der Leitung von Konrad Paul Liessmann.

Der Molden Verlag wurde 1964 von dem österreichischen Widerstandskämpfer und „Presse“-Verleger Fritz Molden (1924-2014) gegründet. Der Molden Verlag kartographiert und kuratiert österreichische Politik, Gesellschaft, Kultur und Geschichte. Der Verlag gehört seit 2007 zur Styria Media Group AG, kurz Styria, welche nach dem Österreichischen Rundfunk und knapp hinter der Mediaprint-Gruppe das drittgrößte Medienunternehmen Österreichs ist.

Fotos: © Harald Eisenberger/ Molden Verlag

Der Molden Verlag hat uns ein Rezensionsexemplar für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.

Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten von Lisz Hirn ist seit Februar 2020 beim Molden Verlag als Hardcover und E-Book erhältlich.
68 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
interessant und gut verständlich geschrieben
sie schreibt ohne moralischen Zeigefinger
ihre Thesen werden mit aktuellen Zahlen untermauert
man gewinnt durchaus neue Perspektiven
Negatives
die Vergleiche mit Superhelden sind oftmals oberflächlich
der Titel ist doch etwas reißerisch

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Category: Bücher

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About the Author ()

Seit meinem ersten Mickey Mouse Heftchen bin ich den Comics verfallen. Zu meinen Lieblingscomics zählen Graphic Novels wie Sin City, Watchman, Sandman, etc., aber auch franko-belgische Comics wie Percy Pickwick, Die blauen Boys oder Inspektor Canardo, sowie DC Comic Serien wie Batman, Flash, Green Arrow, Justice League, .... Ich lese und schreibe über Comics, von den Abenteuern aus dem DC Universum bis hin zu Graphic Novels.

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