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Wege der Vereinigungen

Wege der Vereinigungen von Ulisses Spiele ist ein Quellenbuch und Regelerweiterungsband für die aktuelle 5. Edition des Fantasy Rollenspielsystems Das Schwarze Auge. Es beinhaltet verschiedene Regelmechaniken, um erotische Abenteuer mit passenden Held*innen zu spielen. Von sexuellen Vor- und Nachteilen, bis hin zu Regeln für Flirts, Verführung, und Orgien samt verschiedener Sexpraktiken vom Coitus bis hin zu Wasserspielen ist alles enthalten.

Wege der Vereinigungen

Es geht dabei nicht darum, ob man so ein Regelwerk/Quellenbuch braucht oder nicht, wir wollten wissen, ob es funktioniert. Wie viel Sex und Erotik dürfen in einem Rollenspiel vorkommen? Das muss jede Gruppe, jede und jeder Spielleiter*in für sich überlegen, aber es gibt ja auch keine Vorschrift zu wie viel Gewalt es kommen muss, oder wie klischeehaft die Abenteuer sein müssen. Wir haben geschaut, ob erotische Fantasy Abenteuer funktionieren können, ob es lächerlich wird, oder ob es neue Perspektiven bringt. Außerdem haben wir getestet wie es uns dabei geht, erotische Abenteuer zu spielen und wie wir uns bei solchen Abenteuer fühlen und ob sie uns Spaß machen.

Wenn man es ernsthaft angeht, dann funktioniert es. Klar, es kommt zu lustigen, witzigen und manchmal blöden Situationen, aber das passiert auch beim klassischen Rollenspiel und ist kein Problem. Wichtig ist natürlich, dass man sich ernsthaft damit beschäftigt. Wenn man das Thema von Anfang ins Lächerliche zieht, funktioniert kein Rollenspiel. Ich habe daher gezielt nach Mitspieler*innen gesucht, die auch bereit sind sich auf das Experiment erotisches Rollenspiel einzulassen. Und diese Spieler*innen waren durchaus positiv überrascht und hatten ihren Spaß, so sehr, dass sich daraus eine eigene Gruppe gebildet hat, um noch viele weitere Abenteuer zu spielen.

Unsere erotischen Abenteuer

Wir haben rund ein halbes Dutzend Abenteuer mit Wege der Vereinigungen gespielt, mit abwechselnder Zusammensetzung, wobei schlussendlich nur ein einziger männlicher Spieler bereit war dabei mitzuspielen. Die restlichen Spieler*innen waren weiblich, wobei es eine bunte Mischung war, aus langjähriger Rollenspielerin, bis hin zu Anfängerin, bzw. Gelegenheitsspielerin, DSA Fan Girl und Spielerin, die DSA selbst eher kritisch gegenüber steht. Auch die viel kritisierten Würfeltabellen der Geschlechtsmerkmale fanden die meisten völlig in Ordnung. Für einige ist die Würfeltabelle der Haarfarbe schlimmer als die über die Größe ihrer Brüste.

Wege der Vereinigungen

Was weniger funktioniert sind die Regeln für die Orgien. Wir haben für unsere erste Orgie über 3 Stunden gebraucht und es ist definitiv nicht möglich, dass alle Spieler*innen, innerhalb einer Orgie, die verzückende Belohnungen erreichen können. Auch gibt es kleinere Widersprüche innerhalb des Regelteils. Man muss viel notieren, um zu wissen, welchen Bonus ziehe ich aus welchem meiner Vorteile und/oder Liebesspielzeug. Dabei habe ich gelernt, dass die Spieler*innen auf viel Abwechslung stehen und durchaus Spaß hatten, aber über 3 Stunden war ihnen einfach zu lang. Wir haben danach meist die Orgiendauer auf max. 6 Runden halbiert und alle Teilnehmer*innen haben einen Bonuserfolg am Ende erhalten.

Auch ist Betören (Liebesspiel) für ein Erotikabenteuer zu mächtig. Zu vieles hängt an dieser einzelnen Fertigkeit und man könnte sich sehr leicht einen wahren Meister der Erotik, oder eine unwiderstehliche Femme fatal erschaffen.

Der Fokus lag innerhalb der Spieler aber zum Glück nicht darauf. Und auch wenn sie die Möglichkeiten für sexuelle Vor- und Nachteile sehr stark genutzt haben, waren die Held*innen auch durchwegs in einem regulären Abenteuer sehr nützlich und nicht nur auf Sex fixiert, oder nur bei erotischen Szenen nützlich. Man sollte aber die Regeln für Sex recht gut beherrschen. Weil, wie eine Spielerin so schön sagte, wenn sie sich auf das erotische Spiel einlässt, will sie nicht rechnen müssen.

Unsere Held*innen

Die erschaffenen Held*innen sind sehr unterschiedlich gewesen. Wir hatten eine Säbeltänzerin, eine Sexualmagierin, eine erotische Handwerkerin, ein weibliches Aktmodell, einen Autor von erotischen Schriften, sowie eine Rahjageweihte. Natürlich muss man sich überlegen wie stark man die erotischen Regeln verwendet, um zu sehen wie nützlich die sexuellen Vorteile und Sonderfähigkeiten, oder Zauber sind. Bei unseren Abenteuern stand das natürlich im Vordergrund. Insgesamt fügen sich die Regeln in allen Bereichen sehr gut in das allgemeine Regelwerk von DSA5 ein. Man merkt, dass die Autoren das Thema sehr ernst genommen haben.

Wege der Vereinigungen

Wir haben, wie es auch empfohlen ist, ein Ampelsysstem vereinbart. Gelb für Situationen, in denen sich ein oder eine Spieler*in unwohl fühlt, und Rot, falls es wirklich einmal zu weit geht. Auch wenn ich als Meister ein, zweimal versucht habe, die Grenze diesbezüglich auszuloten, kam es nie zu einem Stopp. Ebenfalls beim Gespräch im Nachhinein hat sich keine der Spieler*innen unwohl gefühlt. Allerdings geht das Regelwerk stark auf diese Metaebene ein. Was wollen die Spieler*innen, wie weit wollen die Spieler*innen gehen, welche Möglichkeiten gibt es dafür zu sorgen, dass sich alle wohlfühlen.

Auch ohne Absprache versuchten die Spieler*innen die Hindernisse, welche in einem Abenteuer auftauchen, mit Erotik und erotischen Handlungen zu lösen, statt mit Gewalt. Natürlich geht das nicht bei jedem Hindernis, aber es wurden z.B. Zeugen verführt, damit sie beim Sex Informationen ausplaudern. Es gab Szenen mit zärtlichen Liebesspielen, Sex um etwas zu erhalten, Sex einfach der Lust wegen, oder auch BDSM mit quälender Lust, erotischen Züchtigungen, erregender Demütigung und lustvollem Schmerz.

Auch wurden Wächter*innen bestochen, aber nicht mit Gold, sondern mit dem Körper der Held*innen. Wobei es dabei nicht immer zum Coitus oder anderen sexuellen Handlungen kam. Auch Nebeneffekte wie Geschlechtskrankheiten kamen bei uns ins Spiel. Ähnlich wie bei der Gefahr von Krankheiten habe ich den Spielern aber die Möglichkeit geboten Gefahrenquellen als solche zu erkennen. Ich überließ es den Spieler*inenn dabei ein Risiko einzugehen. Es gibt auch Regeln für Schwangerschaften, die ich aber nicht angewendet habe, weil es mir als zu großer Eingriff in die Spielbarkeit der Heldin vorkam und es hätte auch nicht zur erotischen Stimmung der Abenteuer gepasst.

Aller Anfang ist schwer

Wege der Vereinigungen

Was der Hälfte der Spieler*innen zu Beginn von Wege der Vereinigungen etwas schwergefallen ist, waren die erotischen Beschreibungen. Wobei auch das mit der Zeit immer leichter ging und auch alle immer kreativer in der Wahl der Beschreibung wurden.

Man merkt, dass wir viel kreativer sind, wenn es darum geht jemanden zu töten, als wenn es darum geht jemanden zu lieben. Und natürlich ist es in beiden Fällen ein Rollenspiel, das von lebendigen Beschreibungen und Bildern lebt.

Das erste Drittel des Regelwerks befasst sich mit Sex und Erotik aus aventurischer Sicht. Welche Bräuche gibt es unter welchen Völkern, wie stehen die einzelnen Götter, aber auch verschiedene Kulte wie Levthan, zur Liebe. Dabei haben wir festgestellt, dass sich Aventurien auch in sexuellen Dingen als sehr tolerant erweist.

Jeder Aspekt wird dabei beleuchtet. Sei es gleichgeschlechtliche Liebe, sei es die Liebe unter den Elfen, oder die in weiten Teilen Aventuriens verachtete und verbotene Selemie. Auch die käufliche Liebe, wohl eines der ältesten Gewerbe, das schon früh in Aventurien seinen Platz fand, da bereits in der ersten Regionalbeschreibung eine Gilde der Prostituierten beschrieben wurde, ist vertreten.

Wege der Vereinigungen

Das Artwork und die Aufmachung entspricht selbstverständlich dem üblichen Design von DSA5. Die Bebilderung ist abwechslungsreich, es werden viele verschiedenen Themen in unterschiedlichen Zusammensetzungen gezeigt. Beim Durchblättern fand man einige Bilder sehr schön, einige weniger gelungen, aber insgesamt durchaus ansprechend und dem Thema gerecht. In den Begleitworten geht die Redaktion noch ein, welche Themen man ausgelassen hat und aus welchen Gründen. Dazu gehören Vergewaltigungen oder Schwangerschaften. Vor allem ersteres ist ein sehr düsteres Thema, wofür es wirklich keine ausführlichen Regeln braucht. Und man schließt mit dem Leitspruch von Jacqueline Careys Kushiel-Triologie: Liebe, wie es dir gefällt.

Ulisses Spiele hat uns ein elektronisches Rezensionsexemplar für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.

Wege der Vereinigungen ist ein Quellenbuch für das Rollenspielsystem Das schwarze Auge von Ulisses Spiele und die 2. Auflage ist seit März 2019 als E-Book und Hardcover erhältlich.

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Wie viel Sex und Erotik dürfen in einem Rollenspiel vorkommen? Wenn man es ernsthaft angeht, dann funktioniert es. Klar, es kommt zu lustigen, witzigen und manchmal blöden Situationen, aber das passiert auch beim klassischen Rollenspiel und ist kein Problem. Wichtig ist natürlich, dass man sich ernsthaft damit beschäftigt. Wenn man das Thema von Anfang ins Lächerliche zieht, funktioniert kein Rollenspiel.
Pros
  • die Regeln fügen sich nahtlos in die DSA5 Regeln ein
  • die aventurische Sicht auf Sex & Erotik ist allumfassend
  • die Helden sind durchaus auch Alltags-Abenteuer-tauglich
  • das Thema wurde sehr ernsthaft präsentiert
  • erotische Abenteuer in DSA funktionieren
Cons
  • die Fertigkeit Betören ist zu übermächtig
  • die Orgien sind einfach zu umständlich und kompliziert
  • manche Beschreibungen könnten etwas besser sein

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