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Mondgesicht

Mondgesicht, Gesamtausgabe 1 von Alejandro Jodorowsky, mit den Zeichnungen von François Boucq ist die Geschichte eines stummen und quasi gesichtslosen jungen Mannes, Mondgesicht, kurz: Moon genannt. Ihm zur Seite steht die unerschrockene Isha. Sie begegnen verschiedenen Bewohnern der apokalyptischen Insel Damanuestra, die immer wieder von einem gewaltigen, alles verschlingenden Tsunami heimgesucht wird. Niemand weiß ein Mittel dagegen, doch wenn Moon anfängt zu tanzen, tanzen die entfesselten Naturgewalten mit ihm.

Mondgesicht - Cover, Rechte bei Schreiber&Leser

Mondgesicht – Gesamtausgabe 1 ist eine durchaus ungewöhnliche Geschichte, in der es um die Abgründe der menschlichen Psyche geht, hier auch sehr viel durch unterschiedlichste Gruppierungen und Glaubensrichtungen dargestellt. Sie erwarten einen Messias, doch weil dieser nicht auftaucht, erschaffen sie sich seltsame Konstrukte und Feindbilder. Es geht um Macht, um Ausgrenzung und das Leben. Die Geschichte ist mystisch und esoterisch, aber auch schmutzig und verkommen. Es wird sehr viel über Bilder erzählt und die Hauptperson, Borrado, Mondgesicht, Moon, spricht überhaupt nicht.

Borrado ist eine ziemlich ungewöhnliche Hauptfigur. Er ist kein richtiger Held, wirkt schwach, ist aber gleichzeitig scheinbar unverletzbar. Er hat kein richtiges Gesicht, weshalb er auch Mondgesicht, oder kurz Moon genannt wird und folgt einer starken, entschlossenen Frau, Isha, die ihn vor den Männern des Konduktors beschützen möchte. Gemeinsam fliehen sie vor den Männern mit ihren Gewehren und Hunden und gelangen so zu unterschiedlichen Gruppierungen auf Damanuestra, einer Insel, die regelmäßig von Tsunamis heimgesucht wird. Keine dieser Gruppierungen wirkt sympathisch, im Gegenteil, sie zeigen eher unterschiedliche Abgründe der Menschen und ihr Streben nach Macht.

Eine Fortsetzungsgeschichte

Teilweise merkt man der Sammlung an, dass es sich bei der Geschichte um eine Art Fortsetzungsgeschichte handelt, die Stück für Stück entstand. Manche Episoden sind stärker, andere weniger und der rote Faden ist ein sehr feiner. Im Prinzip erfährt man sehr wenig über Moon, wo er herkommt, wer er ist, was er auf der Insel macht. Man lernt eher die unterschiedlichen Gruppierungen der Insel kennen, wobei Moon zu keiner von ihnen passt und ein fremdes Wesen in dieser verkommenen Welt ist. Andererseits stellt sich mir am Ende von Band 1 die Frage, ob durch ihn nicht nur eine weitere, seltsame Glaubensgemeinschaft entsteht, aber man erfährt womöglich mehr im nächsten Band.

Im Album befindet sich auch ein Dossier, bzw. ein Vorwort über die Entstehung der Geschichte und die Zusammenarbeit der beiden Künstler. Dieses ist sehr interessant zu lesen und gibt einen Einblick in die Interessen und Arbeitsweisen der beiden Männer.

Der Inhalt

Mondgesicht – Gesamtausgabe 1 (Intégrale Face de lune 1) handelt von einer verkommenen Gesellschaft einer Insel, auf der auf wundersame Weise ein scheinbar unverwundbarer Held auftaucht, der den Tsunami, der die Insel immer wieder heimsucht, kontrollieren kann. Nun wird er selbst zum gejagten. Auf seiner Flucht begegnet er verschiedenen seltsamen Gruppierungen, in die er definitiv nicht passt, bis er am Schluss in den Ruinen einer Kathedrale landet, die den Grundstein für sein Leben auf der Insel bilden könnte. Das Comic wurde von Alejandro Jodorowsky geschrieben, die Zeichnungen stammen von François Boucq .

Die Comickünstler

Alejandro Jodorowsky ist ein chilenischer Regisseur, Schauspieler, Produzent, Komponist, Dramatiker, Schriftsteller und Comicautor, der 1929 geboren wurde. Als Comicautor wurde er vor allem für seine Comicreihe über den Privatdetektiv John Difool bekannt. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen Endless Poetry und Montana Sacra – Der heilige Berg. Jodorowsky ist vor allem dafür bekannt esoterische, surreale und schockierende Themen zu behandeln. 2016 wurde ihm der Ehrenleopard des Internationalen Filmfestivals von Locarno verliehen.

Mondgesicht – Gesamtausgabe 1 wird zeichnerisch durch François Boucq geprägt. Sein Zeichenstil wird stark von verschiedenen Schraffuren geprägt. Ein wenig irritierend ist die Hässlichkeit seiner Figuren, auch die Hauptfiguren sind keine Schönheiten, wenngleich die Figuren gut gezeichnet sind. Auch wenn die Landschaften nur selten eine Rolle spielen, zeichnet er sie durchaus detailliert und zeigt die raue Schönheit des Wassers und der Natur.

Der französische Comiczeichner François Boucq, geboren in Lille, wo er immer noch lebt, begann seine Karriere mit politische Karikaturen, einige Jahre später begann er für Comicmagazine zu zeichnen und ab den 1980ern hat er viele Serien gezeichnet. Mit Alejandro Jodorowsky hat er mehrfach zusammengearbeitet, unter anderem an der Serie Bouncer, die ebenfalls zu seinen bekannten Arbeiten zählt.

Schreiber&Leser hat uns ein Rezensionsexemplar für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.

Mondgesicht – Gesamtausgabe 1 ist ein Sammelband mit den deutschsprachigen Ausgaben der gleichnamigen Comicserie von Éditions Du Lombard (Dargaud-Lombard s.a.). Der Sammelband wurde am 4. Juni 2019 in deutscher Übersetzung von Schreiber&Leser herausgebracht.

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Mondgesicht – Gesamtausgabe 1 ist eine durchaus ungewöhnliche Geschichte, in der es um die Abgründe der menschlichen Psyche geht, hier auch sehr viel durch unterschiedlichste Gruppierungen und Glaubensrichtungen dargestellt. Sie erwarten einen Messias, doch weil dieser nicht auftaucht, erschaffen sie sich seltsame Konstrukte und Feindbilder. Es geht um Macht, um Ausgrenzung und das Leben. Die Geschichte ist mystisch und esoterisch, aber auch schmutzig und verkommen.
Pros
  • Moon ist eine etwas andere Hauptfigur
  • die Zeichnungen sind recht prägnant
  • der Band zeigt einige Abgründe der Menschheit
  • mit viel Mut zur Hässlichkeit
  • man ist durchaus gespannt wie es weitergeht
Cons
  • Moon bleibt wenig angreifbar als Figur
  • es fehlt ein wenig an Handlung
  • teilweise merkt man, dass es nicht von Anfang an ein fertiges Konzept gab
  • eigentlich kaum Sympathieträger

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