Lucifer #1

| 15. August 2019 | 0 Comments

Lucifer #1 von Dan Watters ist eine der vier Serien, welche das neue Sandman Universe bestimmen. Einen ersten Eindruck über die neue Ära in Neil Gaimans Schöpfung haben wir in Sandman Universe Special bekommen. Jetzt wird uns die tragisch-schaurige Geschichte über Lucifer, der seinen Glanz und seine Glorie verloren hat, präsentiert. Es ist eine Geschichte über Schuld und Vergeltung und über einen einsamen, traurigen und verlorenen Mann.

Lucifer #1, Rechte bei Panini Comics

Lucifer #1 ist ein interessanter, aufwühlender, aber auch etwas langatmiger Beginn. Die Geschichte steckt voller Allegorien und man stolpert immer wieder über Shakespear in Worten, Bildern oder Gleichnissen. Es ist eine Geschichte, die voller kleiner Geschichten steckt und während John Decker fast blind herumstolpert, stellt sich für den Leser die immer gleiche Frage: Wer konnte Lucifer so bestrafen? Wer von seinen zahlreichen Feinden ist Schuld an seinem Leid? Ich habe Mitleid mit diesem alten, armen Mann, der so viel von seiner Würde verloren hat.

Dem Autor gelingt es, ähnlich wie Neil Gaiman, in seiner Geschichte zahlreiche Nebenhandlungen, kleine Geschichten unterzubringen. Manchmal übertreibt er es ein wenig, denn manchmal wirkt das Comic ein wenig überfrachtet, aber es ist eine spannende und, durch die gelungenen Zeichnungen von Max und Sebastian Fiumara, sehr sehenswerte Geschichte. Es geht um die Suche nach Verlust und auch die Suche nach Hoffnung. Dann kommt das wohl ersehnte, vielleicht nicht ganz so überraschende, aber dennoch sehr lesenswerte Finale, welches für den Anfang steht.

Lucifer #1 (Lucifer #1-#6) beginnt mit Veränderungen. Die Wurzel dazu findet sich, als der höllische Antiheld Lucifer seinem rachsüchtigen Sohn Caliban begegnet. Außerdem landet der Teufel als machtloser Gefangener an einem geheimnisvollen Ort des Wahnsinns, der ausgerechnet für Lucifer Verdammnis verspricht. John Decker, ein Cop aus Los Angeles, geht seinerseits durch die Hölle, als seine Welt durch die Geschehnisse im verdächtigen Gately House auf den Kopf gestellt werden. Der Comicsammelband wurde von Dan Watters geschrieben und von Max Fiumara, sowie Sebastian Fiumara gezeichnet.

Dan Watters stellt zwei sehr unterschiedliche Figuren in den Mittelpunkt seiner Geschichte; John Decker, Detectiv des LAPD und Lucifer, Fürst der Hölle. Beide sind zerbrochene, verlorene Gestalten, auf der Suche nach etwas, das vergangen ist. John Decker hat bei einem Unfall seine kranke Frau verloren und kann mit diesem Verlust nicht umgehen. Er sucht einen Sinn dafür, oder jemanden, dem er die Schuld geben kann. Lucifer hingegen ist ein kranker, alter Mann, der in einer, für ihn surrealen Welt gefangen zu sein scheint und für den seine eigenen Handlungen keinen Sinn mehr ergeben.

Lucifer Samael Morningstar gehört wohl zu einem der ältesten Gegner vieler Superhelden, aber der Lucifer, so wie er in dieser Comicreihe dargestellt wird, hatte seinen ersten Auftritt in The Sandman #4 vom April 1989 und wurde von Neil Gaiman, Sam Kieth und Mike Dringenberg erschaffen. Selten zuvor wurde dem Höllenfürst so viel Raum geboten, so viel charakterliche Tiefe und er wurde selten zuvor zu so einer facettenreichen Figur. Doch vom alten Glanz, der Souveränität des Lichtbringers, trotz aller widrigen Umstände, ist in diesem Comic nichts mehr übrig.

Lucifer #1 hat auch einen sehr zerbrochenen Zeichenstil. Die Panelanordnung ist oft nicht vollständig, immer wieder wird eines ausgelassen und durch Zeichnungen ersetzt, die über die ganze Seite fortlaufen. Die Zeichnungen sind oft vage, es wird viel mit Licht- und Schatteneffekten gearbeitet. Dadurch erinnern sie oft an alte Zeichnungen aus Büchern, an Kohlezeichnungen. Deutlicher werden die Zeichnungen im Bezug auf Detective John Decker. Da tritt ein klarer, feiner Bleistiftstil zutragen. Die Realität erscheint uns klar vor Augen, aber die Traumwelt bleibt immer etwas vage und unbestimmt.

Der britische Comicautor Dan Watters wurde vor allem für seine Arbeiten an Comicserien, die auf Videogames basieren, bekannt, wie z.B. Wolfenstein, Assassin’s Creed, Dark Souls oder Little Nightmares. Seinen größten Erfolg feierte er aber mit den Mini-Serien Limbo und The Shadow: Leviathan. Jetzt ist er der Stammautor der Serie Lucifer geworden.

Der argentinische Zeichner Max Fiumara hat bereits an rund 200 Comicheften gearbeitet und wurde vor allem durch seine Arbeiten fürs Mignolaverse, insbesondere für seine Zeichnungen für die Abe Sapien Geschichten, bekannt. Zuletzt hat er für die Aquaman Serie den Zeichenstift geschwungen. Bei der Serie Lucifer aus dem Sandman Universe arbeitet er, wie bereits öfters in der Vergangenheit, mit seinem Zwillingsbruder Sebastian Fiumara zusammen.

Lucifer #1 ist die deutschsprachige Ausgabe der gleichnamigen US-Comicserie von Vertigo, einem Imprint von DC Comics und zählt zum neuen Sandman Universe. Das Comic erschien am 23. Juli 2019 und wird von Panini Comics in deutscher Übersetzung durch Gerlinde Althoff herausgegeben. .

86 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
eine durchaus anspruchsvolle Erzählung
die Zeichnungen sind äußerst atmosphärisch
die Handlung wird auf vielen Ebenen transportiert
man kann das erhoffte Ende kaum abwarten
Negatives
die Comics sind etwas überfrachtet
manchmal ist es etwas langatmig

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Category: Comics

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About the Author ()

Seit meinem ersten Mickey Mouse Heftchen bin ich den Comics verfallen. Zu meinen Lieblingscomics zählen Graphic Novels wie Sin City, Watchman, Sandman, etc., aber auch franko-belgische Comics wie Percy Pickwick, Die blauen Boys oder Inspektor Canardo, sowie DC Comic Serien wie Batman, Flash, Green Arrow, Justice League, .... Ich lese und schreibe über Comics, von den Abenteuern aus dem DC Universum bis hin zu Graphic Novels.

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