Gotham City – Das Erste Jahr Deluxe Edition ist ein Comicsammelband mit der sechsteiligen Miniserie, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Phil Hester. Die Geschichte ist eine ungewöhnlich harte, neo-noir geprägte Herkunftsgeschichte von Gotham selbst — Jahrzehnte vor Batman und ohne Superheld*innen. Sie erzählt von einem Kriminalfall rund um die Kidnapping-Tragödie der Wayne-Familie, die das Fundament für die spätere Verderbtheit der Stadt bildet. Das Werk verbindet klassische Detektivliteratur, gesellschaftliche Allegorie und eine düstere Familientragödie.
Gotham City – Das Erste Jahr ist ein radikal ehrlicher, düsterer Noir-Thriller, der das Fundament des Batman-Mythos in ethische Grauzonen legt. Tom King konstruiert eine Geschichte über Schuld, Macht und das zerstörerische Potenzial einer privilegierten Elite. Slam Bradley ist eine der besten Hardboiled-Figuren des modernen Comics. Phil Hesters kantige, reduzierte Zeichnungen perfektionieren das unbehagliche Gotham der 1960er Jahre. Das Finale ist herzzerreißend und schockierend, aber erzählerisch brillant. Es ist ein außergewöhnlich mutiges Werk, das Gotham und die Waynes nie wieder gleich aussehen lässt.
Inhaltlich folgt die Miniserie dem Privatdetektiv Slam Bradley, der im Jahr 1961 in einen großangelegten Entführungsfall verwickelt wird. Helen Wayne, das Baby von Richard und Constance Wayne, wird entführt. King erzählt die Handlung rückblickend aus der Perspektive des gealterten Slam Bradley, wodurch jede Szene doppelt aufgeladen wird, mit unmittelbarer Spannung und traumatischer Erinnerung.
In Heft #1 findet Bradley, zum Beispiel, den ersten mysteriösen Brief mit dem Wayne-Wappen und der Lösegeldforderung, während die Panels Hesters in engen, bedrückenden Bildausschnitten zeigen.
Slam Bradley, eine Figur aus den frühen Detective-Comics-Jahren (1937), wird hier modernisiert und gleichzeitig klassisch belassen. Er ist zynisch, aber nicht abgestumpft, brutal, aber nicht unmenschlich. Er ist idealistisch, gleichzeitig aber ohne Hoffnung. Der dramatische Höhepunkt ist erreicht, als Bradley erkennt, dass die Entführung nicht von externen Gangster*innen, sondern innerhalb der Familie selbst orchestriert wurde, aus Hass, Manipulation und Macht.
Phil Hesters Kunststil ist kantig, reduziert und kühl — perfekt für Noir. Seine blockartigen Schatten und klar geschnittenen Linien lassen Gesichter wie aus Stein gemeißelt wirken. So leuchtet er das Gesicht der fragwürdigen und sehr zwiespältigen Constance Wayne nur halb aus. Die andere Hälfte ist ein einziger, massiver schwarzer Schatten. Diese grafische Härte spiegelt die moralische Dunkelheit der Geschichte wider. Die Panel-Komposition arbeitet stark mit Bildrhythmen: wiederholte Close-ups auf Hände, Aschenbecher, Türen, die kurzerhand auf- oder zugeschlagen werden. Jedes Objekt trägt Symbolik.
Gothams Untergang
Das Comic stellt Fragen nach Erbschuld, Klassenstrukturen, systemischer Gewalt und der moralischen Grundkorruption einer Stadt. Tom King erzählt, dass Gotham nicht durch Superschurk*innen verdorben wurde, sondern durch die Taten und Untaten der „Respektablen“ Bewohner*innen der Stadt. Dabei handelt es sich um die Reichen, die Politiker*innen, die Polizei. Sein zentrales Motiv ist: „Gotham ist das, was Menschen ihm antun.“ In der zweiten Hälfte des Comicsbands bringt es der ältere Bradley, welcher seine Sicht der Ereignisse am Totenbett Batman oder vielmehr Bruce Wayne erzählt, auf den Punkt. „Wir wollten nicht glauben, dass die Waynes Teil des Problems waren. Wir wollten an Engel glauben, wo Dämon*innen standen.“
Der Ansatz von Tom King und Phil Hester, indem sie zeigen, wie die Stadt bereits Jahrzehnte vor Batman moralisch, politisch und sozial auseinanderbricht – und wie dieser Prozess unausweichlich wirkt, ist gelungen. Es wird eine Stadt gezeigt, in der die soziale Kluft bereits unüberbrückbar ist. Besonders im Schwarzen Viertel kommt es zu Polizeigewalt und gezielten Einschüchterungen. Die Entführung und das Schicksal des Wayne-Babys sind der moralische Todesstoß. Die Stadt kann sich davon nicht erholen. Zu viel Schuld, zu viel Gewalt, zu viel Schweigen hat es gegeben. Es ist ein Moment, der zeigt, dass Gotham nicht verflucht ist.
Der Inhalt
Gotham City – Das Erste Jahr Deluxe Edition (Gotham City: Year One #1–#6) erzählt vom abgebrühten Gothamer Privatdetektiv Slam Bradley, welcher in die Entführung von Helen Wayne verstrickt wird. Helen ist die kleine Tochter von Gothams reichster Familie. Je näher Slam den Geheimnissen von Bruce Waynes Großeltern kommt, desto mehr Prügel muss er einstecken und desto mehr Leichen tauchen auf.
Slam Bradley ist ein klassischer Hardboiled-Detektiv im Stil von Dashiell Hammett oder Raymond Chandler. Er ist ein schlagkräftiger, selbstbewusster Privatdetektiv, der sich durch die kriminellen Straßen der frühen DC-Welt prügelt. Seinen ersten Auftritt hat er in Detective Comics #1 (März 1937) zwei Jahre vor Batman und er wurde von Jerry Siegel und Joe Shuster erschaffen. In modernen Interpretationen – wie Gotham City: Year One – wird er deutlich ernster, realistischer und emotionaler gezeichnet.
Doch das kann einen Schnüffler wie Bradley natürlich nicht abhalten. Er will um jeden Preis wissen, wer die Fäden im Hintergrund zieht. Dieser Band erzählt die Geschichte, wie Gotham City endgültig zu der seelenlosen Stadt wird, die Jahrzehnte später von ihrem Dunklen Ritter gerettet werden muss. Der Comicband wurde von Tom King geschrieben. Die Zeichnungen stammen von Phil Hester.
Die Comickünstler*innen
In Gotham City: Year One setzt Phil Hester seinen typischen kantigen, reduzierten Noir-Stil ein, der den gesamten Comic prägt. Seine Figuren bestehen oft aus klaren, scharf geschnittenen Silhouetten, die durch starke Schwarzflächen und minimalistische Details verstärkt werden. Der Stil wirkt gleichzeitig retro und modern. Er erinnert an alte Hardboiled-Illustrationen, nutzt aber heutige grafische Präzision. Hester arbeitet viel mit negativem Raum. Große Schattenblöcke verschlucken Hintergründe und ziehen die Blickführung auf kleine, bedeutungsvolle Details wie Hände, Aschenbecher oder Waffen. Diese visuelle Sprache macht Gotham zu einer kalten, unbarmherzigen Stadt.
Der US-amerikanische Comiczeichner und -autor Phil Hester zählt seit den 1990er-Jahren zu den markantesten visuellen Stimmen der US-Comiclandschaft. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit an Green Arrow (zusammen mit Kevin Smith), Swamp Thing, The Flash, Ant-Man und zahlreichen Indie-Projekten. Hester studierte Kunst an der University of Iowa und entwickelte früh seinen unverwechselbaren, geometrischen Zeichenstil. Neben seiner Tätigkeit als Zeichner schreibt er auch eigene Comics und ist regelmäßig als Inker und Coverkünstler aktiv.
Der US-amerikanische Autor Tom King ist Ex-CIA Agent und daher auch eine gute Wahl für die Comicserie. Neben Greyson ist The Omega Men eine weitere bekannte Serie von ihm und auch für seine Arbeiten an Batman von DC Comics und The Vision von Marvel Comics wurde er ausgezeichnet. Er war der Stammautor der Batman Rebirth Serie von DC Comics und konnte mit dem umstrittenen Batman Event Heroes in Crisis reüssieren. Bekannt wurde er auch für verschiedene Mini-Serien wie Rorschach oder Batman/Catwoman.
Panini Comics hat uns ein Rezensionsexemplar für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.
Gotham City – Das Erste Jahr Deluxe Edition ist ein Comicsammelband mit den deutschsprachigen Ausgaben der gleichnamigen Miniserie von DC Comics. Der Comicband wurde am 19. August 2025 in deutscher Übersetzung als Hardcover herausgebracht.