Forschungsdrang und Rollenspiel

| 11. Oktober 2019 | 3 Comments

Forschungsdrang und Rollenspiel von Ulisses Spiele ist kein übliches Quellenbuch. Es definiert sich selbst als eine Sammlung motivgeschichtlicher Betrachtungen zum Fantasy-Rollenspiel Das Schwarze Auge. Das Buch beinhaltet ein Vorwort von Hadmar von Wieser, selbst ein DSA Urgestein, welcher heute an der Fachhochschule Salzburg Studierende von MultiMediaArt und MultiMediaTechnology im Entwurf von Rollenspielen, insbesondere LARPs unterrichtet.

Forschungsdrang und Rollenspiel, Rechte bei Ulisses Spiele

Forschungsdrang und Rollenspiel ist ein höchst interessantes Buch, welches einer grundlegend tollen Idee folgt. Es geht um die Analyse Aventuriens und den Parallelen in ihren irdischen Entsprechungen, was zu einem größeren Verständnis zu Aventurien führt. Leider ist die Umsetzung dieser Idee nicht so gelungen wie gehofft. Dazu fehlt eine Richtung. Außerdem sind einige Artikel zu sehr an ein Fachpublikum gerichtet und damit ist nicht der Rollenspieler per se gemeint.

Die Themenvielfalt erschlägt einen ein wenig und das fehlende Lektorat ist leider bis zum Schluss spürbar. So sind die einzelnen Beiträge in ihrer Qualität sehr unterschiedlich und folgen auch keinem Konzept. Es ist mehr eine Sammlung von zum Teil wissenschaftlichen Aufsätzen. Aber ob man sich damit an ein Fachpublikum wenden wollte, oder sich an den durchschnittlichen DSA Spieler ist nicht ersichtlich. Dabei meine ich nicht die umfangreichen Kenntnisse über Aventurien selbst, die bei vielen Artikeln vorausgesetzt werden. Man darf davon ausgehen, dass jeder, der sich eingehend mit dem Buch beschäftigt, Aventurien gut kennt, oder gegebenfalls weiß wo man nachschlagen muss. Aber nicht jeder Kenner von Aventurien hat Geschichte oder Philosophie studiert. Nur eine kleinere Gruppe von Autoren versucht ihre Gedanken verständlich, auch für Laien darzulegen.

Die Themen generell reichen von der aventurischen Gesellschaft wie dem Rittertum und der Kriegsführung über Philosophie und Ethik wie die Betrachtung des Chimärologen aus ethischer Sicht bishin zum Vergleich zwischen den irdischen Mongolen und den derischen Orks.

Forschungsdrang und Rollenspiel ist kein Buch, das man fürs Rollenspiel selbst braucht, aber es vergrößert durchaus das Verständnis für die Welt von Aventurien und sogar von Rollenspielwelten im Allgemeinen. Gerade als Meister finde ich die Artikel ziemlich interessant und sie helfen mir auch andere Themen zu adaptieren. Es hilft mir z.B. durchaus, durch die Analogie zu unserer Welt, unserer historischen Entwicklung, gewisse Dinge besser abzuwägen, um bessere oder schönere Antworten geben zu können.

Ein klein wenig vermisse ich eine Vorstellung der Autoren. Klar, das ist nichts großes, nichts wichtiges, aber gerade bei wissenschaftlichen Themen wäre es interessant zu erfahren, welchen Background, welche universitäre Ausbildung hat der Verfasser dieses Essays durchlaufen. Aber das ist jetzt nur ein kleines I-Tüpfelchen gewesen, um den Band noch besser zu machen. Und womöglich wären die Artikel als Teil des Aventurischen Boten besser gewesen, da dort dieser fehlende rote Faden, diese fehlende Einheitlichkeit, nicht so störend gewesen wäre.

Forschungsdrang und Rollenspiel ist ein Buch über das Rollenspielsystem Das schwarze Auge von Ulisses Spiele und ist seit August 2019 als pdf und Hardcover erhältlich.
70 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
eine sehr spannende und interessante Idee
meist wissenschaftliche Essays zu verschiedenen Themen
es wird eine große Bandbreite an Themen abgedeckt
Negatives
es gibt keinerlei Informationen über die Autoren
das Buch vermisst ein gutes Lektorat
die meisten Essays richten sich an eine Fachleserschaft
es ist kein roter Faden erkennbar, es gibt keine Einheitlichkeit
die Texte hätte man besser für Rollenspieler aufbereiten müssen

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

Comments (3)

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  1. Danke für die Rezension! 🙂 Als einer der Herausgebenden möchte ich ganz kurz auf die Kritikpunkte eingehen:

    * »es gibt keinerlei Informationen über die Autoren«
    Ja, stimmt – das ist bei wissenschaftlichen Sammelbänden (und darum handelt es sich trotz der Veröffentlichung bei Ulisses schlussendlich) allerdings auch nicht zwingend üblich. Hätte man natürlich trotzdem machen können, wir haben nur schlicht nicht daran gedacht, dass das gewünscht sein könnte – ist notiert. 😉

    * »das Buch vermisst ein gutes Lektorat«
    Das kann ich leider nicht ganz nachvollziehen – sowohl wir im Herausgebenden-Team als auch Ulisses hat die Texte lektoriert, was konkret ist da negativ aufgefallen?

    * »die meisten Essays richten sich an eine Fachleserschaft« und »die Texte hätte man besser für Rollenspieler aufbereiten müssen«
    Ja, das stimmt sicherlich – wie gesagt, es ist schlussendlich ein wissenschaftlicher Sammelband, die Hauptleser*innenschaft ist also die wissenschaftliche Community. Wir hoffen, dass trotz der gelegentlich etwas höheren Komplexität und des fallweise nicht unbedingt leser*innenfreundlichen akademischen Schreibstils auch DSA-Freund*innen abseits der Wissenschaft mit vielen Texten ihre Freude haben. 😉

    * »es ist kein roter Faden erkennbar, es gibt keine Einheitlichkeit«
    Auch das ist im Endeffekt der Publikationsart »wissenschaftlicher Sammelband« geschuldet bzw. auch der Tatsache, dass wir sowas zum ersten Mal in dieser Form machen. Durch die thematische Gruppierung in Abschnitte und die Reihenfolge der Texte hatten wir gehofft, dass doch eine gewisse Struktur in den Inhalten der Beiträge herauskommt, aber ja, einen großen roten Faden durch den gesamten Sammelband gibt es sicherlich nicht. (Wir haben allerdings bewusst einige etwas exotischere Materien mit hineingenommen, um gezielt eine gewisse thematische Breite zu erreichen – einen ausschließlich geschichtswissenschaftlichen Band wollten wir dezidiert nicht machen, wobei ich nicht mehr auswendig in Erinnerung habe, ob das – oder ein ähnlich thematisch konzentrierter Band – von den eingereichten Abstracts her überhaupt machbar gewesen wäre.)

    • avatar kvm sagt:

      Bei der Anmerkung zum Lektorat geht es über eine reine Prüfung der korrekten Schreibeweise, dem Korrektorat hinaus. Die Artikel sind sowohl stilistisch als auch thematisch chaotisch angeordnet. Man spürt einfach kein Konzept hinter diesem Buch. Das überschneidet sich durchaus mit dem Kritikpunkt eines fehlenden Roten Fadens.

      Mit der Fachleserschaft ist keineswegs ein rein studentisches Publikum gemeint, sondern dass man spezifisch auch die Fachrichtung des Textes studiert haben sollte, um ein tieferes Verständnis für die Feinheiten des Essys zu erhalten. Das trifft keinesfalls auf jeden der Texte zu, aber ein paar sind doch sehr komplex und/oder kompliziert geschrieben.

      Grundsätzlich finde ich es gut, dass Ulisses Spiele und die DSA Redaktion so etwas gewagt haben. Ich finde den Band auch durchwegs interessant.

  2. Das kann ich beides nachvollziehen, ist aber beides – meinem Dafürhalten nach – kein spezifisches Manko unseres Bandes, sondern zu einem Gutteil der Publikationsart »wissenschaftlicher Sammelband« an sich (wobei das erfahrenere Herausgebende als wir sicherlich besser hinbekommen können, keine Frage).

    Danke jedenfalls für das Feedback, werden wir jedenfalls im Kopf behalten, falls wir uns irgendwann einmal an einem zweiten Sammelband versuchen. 🙂

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