Coriolis – der Dritte Horizont

| 3. April 2020 | 0 Comments

Coriolis – der Dritte Horizont ist ein Science Fiction Rollenspielsystem des schwedischen Autors Tomas Härenstam, von dem auch Mutant: Jahr Null stammt. Es erscheint in deutscher Übersetzung beim Uhrwerk Verlag. Das Rollenspiel spielt in einer weit entfernten Sternenkonstellation, die man den Dritten Horizont nennt. Es ist eine Region des Weltraums, die sowohl von Kriegen und Intrigen zerrissen ist, als auch eine Heimat stolzer Zivilisationen.

Coriolis: Das sterbende Schiff, Rechte bei Uhrwerk Verlag

Coriolis – der Dritte Horizont hat ein angenehm schlankes Regelwerk und bietet ein konservatives Setting. Es spielt in einer weit entfernten Region, in der es Konflikte zwischen zwei Gruppen gibt. Der arabische Touch dabei ist ein interessanten Aspekt. Gut gelöst ist auch der Raumkampf, was nicht bei allen Science Fiction Rollenspielen der Fall ist. Vor allem werden dabei alle Spieler eingebunden. Das Rollenspielsystem bietet einem alles, was man sich von einem Science Fiction Rollenspiel erwartet, wenngleich bei den ersten Abenteuern noch einige Regelfragen offen blieben. Schön ist auch, dass man mit dem Grundregelwerk und dem enthaltenen Mini Szenario Die Statuette von Zhar, sowie zwei Szenarioschauplätzen mit Ideen auch sofort loslegen kann.

Das grundlegende Regelkonzept ist einfach und basiert im Kern auf Mutant: Jahr Null. Die Summe aus Fertigkeit und Attribut ergibt die Anzahl von sechseitigen Würfeln, die man wirft. Jeder 6er ist ein Erfolg, wobei in der Regel ein 6er genügt, um die Probe zu schaffen. Bei drei 6ern hat man einen kritischen Erfolg erreicht. Sollte man keinen einzigen 6er erwürfelt haben, ist man gescheitert, doch man kann noch zu den Ikonen beten, um seinen Wurf zu wiederholen. Die Modifikatoren durch Ausrüstung, Schwierigkeit der Aktion selbst, Unterstützung durch andere Spieler oder vorbereitete Gebete werden auf die Anzahl der Würfel gerechnet, dadurch hat man mehr oder weniger Würfel zur Verfügung. Sollte man keine Würfel mehr übrig haben, darf man mit zwei Würfel werfen, aber beide müssen einen 6er zeigen, um die Probe zu schaffen.

Doch das Wiederholen hat auch einen Nachteil, denn dadurch, aber auch durch Portalsprünge, den Einsatz mystischer Kräfte, oder Reisen in der Finsternis erhält der Spielleiter einen Finsternispunkt, den er einsetzen kann, um den Spieler das Leben schwer zu machen. Das ist grundsätzlich eine nette Idee, aber kein neues Konzept. Ich bin diesbezüglich etwas zwiegespalten, denn grundsätzlich sollte man Abenteuer ja auch an die Fähigkeiten der Spieler anpassen, doch durch Finsternispunkte werden die Spieler extra bestraft. Berechnet man das vorher mit ein, stellt sich die Frage, was man als Spielleiter macht, wenn man zu wenige Finsternispunkte erhält. Verzichtet man dann auf Herausforderungen? Der Einsatz solcher Punkte ist also immer ein kleiner Balanceakt.

Coriolis – der Dritte Horizont, Rechte bei Uhrwerk Verlag

Es gibt recht wenige Fertigkeiten, wobei die Hälfte davon allgemeine Fertigkeiten sind, die jeder lernen kann und die andere Hälfte spezielle Fertigkeiten, die nur bestimmte Klassen gut lernen können. Dafür gibt es einiges an Talenten, darunter auch mystische Talente, die PSI-Kräften nachempfunden sind. Was wir recht schlecht empfunden haben ist, dass man nur mit der speziellen Fertigkeit Medikurgie Erste Hilfe leisten kann, abgesehen von mystischen Kräften. Es gibt auch fast keine medizinische Ausrüstung, die Schaden reduzieren kann, sondern nur welche, die einen Bonus auf den Fertigkeitswurf gibt.

Ein bisschen nervig sind die unterschiedlichen Begrifflichkeiten, bei denen das selbe gemeint ist. Da hätte ein abschließendes Lektorat geholfen. So heißt der Jägerpilot auch manchmal Kampfpilot, oder der Servohandschuh ist auch mal ein Hydraulikhandschuh. Außerdem gibt es Kästchen, die etwas beim Lesen untergehen, aber oft wertvolle Informationen beinhalten. Des Weiteren ist die Explosionregel nicht sonderlich gut gelöst und man muss sich generell die Boni der Ausrüstung bzw. welche Ausrüstung Fluff und welche Boni bietet, etwas zusammensuchen. Das klingt zwar jetzt nach vielen negativen Eindrücken, doch insgesamt ist das Regelwerk gut zu lesen

Coriolis – der Dritte Horizont, Rechte bei Uhrwerk Verlag

Die Kämpfe sind recht flott. Gegner schaltet man vor allem durch kritische Treffer aus, wodurch das Rollenspiel recht tödlich wird. Außerdem gibt es keine Schicksalspunkte oder ähnliches, um den Tod auch als Spieler noch abzuwenden. Erschwerend kommt hinzu, dass man ohne die Fertigkeit Medikurgie auch Sterbende nicht vor dem Tod retten kann und dass nur geheilt werden kann, wenn ein Charakter gebrochen ist, also keine Trefferpunkte mehr besitzt. Ein bisschen verwirrt hast uns zunächst auch die Unterteilung in primitive, gewöhnliche und fortschrittliche Waffen und Rüstungen. Wir dachten, dass diese untereinander womöglich Boni oder Mali geben, doch die Unterteilung ist anscheinend der Übersichtlichkeit wegen gemacht worden, bzw. auch um besser entscheiden zu können was in welcher Region zu finden ist.

Interessanterweise hat bei uns die Charaktererschaffung immer etwas gedauert. Vor allem da es verschiedene Gruppenkonzepte, wie Söldner, Pilger oder Entdecker gibt, auf die sich die Gruppe zuerst einigen muss, bevor es mit der persönlichen Charaktererschaffung los geht, wird viel Zeit verbraucht. Für die jeweiligen Gruppenkonzepte sind dann bestimmte Charakterkonzepte mit Unterkonzept empfohlen, wobei das keine explizite Einschränkung ist, sondern eben eine Empfehlung. Das finde ich schlecht gelöst. Es wäre besser gewesen, Boni zu verleihen, sofern man ein passendes Charakterkonzept wählt. Bei uns haben wir fast endlos diskutiert welchem Gruppenkonzept wir folgen wollen, um später weiterzumachen mit den dazu passenden Charakterkonzepten und was die Spieler gerne spielen würden.

Coriolis – der Dritte Horizont, Rechte bei Uhrwerk Verlag

Die Spielwelt weit entfernt der alten Erde hat einen arabischen Touch, der grundsätzlich nicht näher erklärt wird, aber mal etwas Neues war. Die Menschheit selbst wird in zwei unterschiedliche Fraktionen unterteilt, die recht gut erklärt werden. Es gibt die Erstsiedler, welche zwar später die Erde verlassen haben, aber dank besserer Technik als erste angekommen sind und die Zenither, welche nach dem zuerst aufgebrochenen Generationenraumschiff Zenith benannt sind und auf dem Höhepunkt ihrer Technik eingetroffen sind. Auch die Technik und die Kultur der unterschiedlichen Bewohner wird recht gut beschrieben.

Mit den Dschinnen, welche die Finsternis zwischen den Sternen darstellen, bekommt das Rollenspiel eine Atmosphäre aus Tausendundeine Nacht. Doch trotz umfassender Kapitel blieben für mich als Spielleiter einige Fragen offen, vor allem inwiefern sich die Denkweise der Bewohner des Dritten Horizont von anderen unterscheidet. Man fragt sich wie man diese Atmosphäre durch die NSCs darstellen kann, abgesehen von der Mode und der Religion der Ikonen. Dazu kommen noch die noch nicht aufgelösten Rätsel über die ursprünglichen Bewohner dieser Sterne. Hier kann man aber auf die erste Kampagne hoffen, in der die Ankunft der fünf Abgesandten aus den Tiefen des Gasriesen Xene das Thema ist.

Auch bei den Ikonen fand ich umfassende Beschreibungen in ihrer Darstellung weniger wichtiger als das Glaubensmodell, oder die Gebote. Was erwarten sich die Ikonen von ihren Gläubigen, gerade da der Stellenwert der Religion auch regeltechnisch ein bedeutender Bestandteil ist? Hierzu wären genauere Informationen nett gewesen. Zum Teil sind sie in Ansätzen vorhanden, leider aber etwas verstreut, Unsere Spieler konnten sich mit den Informationen, die wir vorgefunden haben, zu wenig vorstellen und daher wurde der Glaube für viele Spieler eher zu einer Art Lippenbekenntnis.

Bei unseren Abenteuern hatten wir recht gut gemischte Gruppen zu jeweils 5 Spielern und einen Spielleiter. Es hat uns Spaß gemacht diese unbekannten Welten bzw. Raumschiffe zu erkunden und sowohl zu Land, also auch im Weltall unterwegs zu sein. Als Spieler findet man sich recht schnell zurecht und hat die grundlegenden Mechaniken schnell intus, selbst wenn man vorher noch kaum Erfahrung mit Rollenspielen gemacht hat.

Uhrwerk Verlag hat uns ein Rezensionsexemplar für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.

Der Coriolis – der Dritte Horizont erschien im Juni 2017 beim Uhrwerk Verlag in deutscher Übersetzung und wird auch als pdf erhältlich sein.
85 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
der Raumkampf wurde sehr gut für alle Spieler gelöst
die Tausendundeine Nacht Atmosphäre ist durchaus interessant
das Regelkonzept ist sehr leicht verständlich beschrieben
mit dem Grundregelwerk kann man auch sofort loslegen
ein sehr solides und gutes Science Fiction Rollenspiel
Negatives
ein paar schlechte Regeldesign-Entscheidungen
es fehlte ein abschließendes Lektorat
die Ikonen werden zu oberflächlich beschrieben

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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