Verdammt in alle Ewigkeit

| 23. Oktober 2013 | 0 Comments

Der 1953 mit voller Absicht noch in schwarz-weiß gedrehte, mit 8 Oscars ausgezeichnete Film von Fred Zinneman war ein heißes Eisen zur Zeit des Korea-Kriegs. Eine der wichtigsten Institutionen der USA, die US Army, wurde kritisch hinterfragt. Besonders bekannt ist die Kussszene im Wasser von Burt Lancaster und Deborah Kerr.

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Verdammt in alle Ewigkeit. Rechte bei Sony Home Entertainment.

Der Filmklassiker basiert auf dem als, damals wegen der bestehenden Filmzensur in den USA, unverfilmbar geltenden Buch von James Jones. Der umstrittene, als „anti-patriotisch“ bezeichnete Bestseller sprach Tabu Themen an und erhitzte die Gemüter.

Die Riege der Hauptdarsteller sucht ihresgleichen: Burt Lancaster, Montgomery Clift, Deborah Kerr, Donna Reed, Frank Sinatra. Letzterer erhielt für diese Rolle, für die er hart kämpfte, er bot sogar an sie ohne Gage zu spielen, einen der acht Oscars, ebenso Donna Reed.  Montgomery Clift spielt den tragischen Helden, den Außenseiter, der trotz seines Einzelgängerverhaltens und seiner Prinzipientreue Halt und Zugehörigkeit in der Army, der einzigen Familie, die er noch hat, sucht.

Robert E. Lee Prewitt, ausgezeichnet dargestellt eben von Montgomery Clift, der für die Rolle sogar Trompete lernte und sie kaum mehr aus der Hand gab, wird kurz vor Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg in die Nähe von Pearl Harbor versetzt. Sein neuer Vorgesetzter, Captain Dana Holmes, drängt ihn darauf, doch für ihn zu boxen. Doch Prewitt erzählt von der traurigen Episode, als er bei einem unglücklichen Schlag einen Kameraden zum Erblinden brachte, er wolle nun nie wieder boxen. Captain Holmes verspricht, ihn nicht zu zwingen, dennoch wird Prewitt ab dann systematisch schikaniert und terrorisiert, um ihn zum Einlenken zu bewegen.( “In the army it’s not the individual that counts”) Nur Angelo Maggio, gespielt von Frank Sinatra ist wirklich mit ihm befreundet. Der Außenseiter findet auch beim gemeinsamen marschieren nicht den richtigen Takt. Sergeant Warden, der auch versucht, dem „Sturkopf“ Prewitt zu helfen, erledigt eigentlich die ganze Arbeit in der Kaserne, während der Captain sich eher fürs Boxen oder Termine außer Haus in der Stadt (Dates mit Angehörigen des schönen Geschlechts?) begeistert. Sergeant Warden empfiehlt Prewitt auch, doch einzulenken, weil er es sich so nur unnötig schwer mache. Der Sergeant beginnt eine Affaire mit Karen, der Frau des Captains, die angeblich einen gewissen Ruf genießt, aber gar nicht so der Typ dafür zu sein scheint. Maggio wirbt Prewitt als Mitglied eines Social Clubs, in dem es Soft Drinks und hübsche Mädchen zum Plaudern gibt, Prewitt lernt die dort arbeitende Lorene kennen und lieben. Aber die Lage spitzt sich zu, die Schikanen werden immer schlimmer und Prewitt beginnt sich zu wehren…

Fred Zinneman musste während der ganzen Produktion seine Vision gegen einige Akteure verteidigen, gegen den Studiochef von Columbia, der lieber Farbe und die Schauspieler seiner Wahl dabei haben wollte, gegen die Zensur um noch die wichtigsten Szenen im Film zu behalten und gegen die US Army, der „best army in the world“, die ihr Image nicht angekratzt haben wollte. Auch wenn aus dem Bordell im Roman ein Club geworden ist, in dem es Soft Drinks und nette Plaudereien mit den anwesenden Damen gibt, weiß man doch als Zuseher, was eigentlich gemeint ist. Und auch wenn es keine wirklichen Sexszenen per se gibt, sprühen dennoch die Funken. Die Liebesszene von Burt Lancaster und Deborah Kerr, bei der sie im Kuss verbunden von den Wellen umspült werden, kennen viele, die den Film noch nicht gesehen haben. Untypisch für die 50er Jahre gibt es zwei starke Frauenfiguren. So wird weibliche Promiskuitivität nicht negativ dargestellt, auch Lorene als Gesellschaftsdame bzw Prostituierte wird positiv gezeichnet, und bleibt ihren Plänen fürs Leben treu, obwohl Prewitt in ihr Leben tritt.

Die Bildkomposition von Zinnemann ist elegant und personenzentriert, auch deswegen hat sich der Regisseur für schwarz-weiß entschieden, es wird nicht gezoomt. Im späteren Verlauf des Films wird auch das amerikanische Trauma, der Überfall der Japaner auf Pearl Harbor behandelt. Das Chaos und die Überraschung der amerikanischen Streitkräfte werden sehr gut eingefangen.

Der Film wurde in nur 41 Tagen an Originalschauplätzen gedreht und war einer der erfolgreichsten Filme der 50er Jahre. Auch nach genau 60 Jahren, in der Neuauflage, hat er nichts an Strahlkraft verloren und wurde 2010 digital restauriert. Nun erscheint er erstmals auf BluRay, auf DVD ist er bereits erhältlich.

In den Extras erfährt man sehr viele über den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte, es gibt hochinteressante Dokus und Audiokommentar. Vorbildlich sind auch die vielen Sprachfassungen, von denen es noch mehr auf der BluRay Version gibt. Leider ist nur die englische Tonspur in der besten Qualität vorhanden. Das Bild ist ausgezeichnet. Die musikalische Untermalung überzeugt, unter anderem das umstrittene Lied „Reenlistment Blues“. Lediglich die Kürzungen und Änderungen im Vergleich zur Buchvorlage sind zu bedauern, obwohl dennoch ein armee- und gesellschaftskritischer Film daraus geworden ist.

Verdammt in alle Ewigkeit erscheint am 18. Oktober 2013 auf BluRay bei Sony Pictures Home Entertainment.

 

Bewertung

PositivesNegatives

  • kritische Auseinandersetzung mit US Army
  • Cast
  • starke Frauenfiguren
  • Bildkomposition/Schnitt
  • umfassende Extras, viele Sprachfassungen

  • im Vergleich zur Buchvorlage viel zensuriert bzw geändert

Rating
88%

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Category: Filme, TopPost

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Kulturell interessiert an Film, Theaterbesuchen und ähnlichem.
Sollte ein Stummfilm mit Musikbegleitung aufgeführt werden, bin ich wahrscheinlich dort!
Ansonsten halte ich mich mit Lesen, Brettspielen und Pen&Paper Rollenspielen bei Laune. Freu mich schon in einigen Rubriken hier etwas beizusteuern und auf die Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser!

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