Mein teuflischer Verführer

| 3. Februar 2013 | 1 Comment

Celeste Bradley ist Autorin zahlreicher historischer Liebesromane. In ihrem neuesten auf Deutsch erschienenen Werk schreibt sie über eine neu entfachte Romanze, die vor Jahren schmerzhaft zu Ende gegangen ist. Kann Aidan, Earl Blankenship, Madeleine vor ihrer Vergangenheit retten?

Mein teuflischer Verführer von Celeste Bradley, Rechte beim Verlag

Mein teuflischer Verführer von Celeste Bradley, Rechte beim Verlag

Celeste Bradley: Mein teuflischer Verführer
Erschienen bei: blanvalet Verlag, Deutsche Erstausgabe, Mai 2012
Originaltitel: Devil in my Bed
Übersetzung: Cora Munroe

Aidan de Quincy, Earl von Blankenship hatte vor einigen Jahren sein Herz so gründlich verloren, dass er der betreffenden Dame einen feurigen Heiratsantrag machte – doch Madeleine lehnte ihn ab und daraufhin zerbrach die Beziehung. Nun sitzt vor seinem Herrenclub verlassen ein dreijähriges Mädchen und behauptet, sie wäre die Tochter eines der Mitglieder. Da die meisten Mitglieder des Clubs ältere Herren sind, deren letzte Affäre wohl stattgefunden hatte, als Perücken für Herren noch à la mode waren, beschließen Aidan und sein Freund Colin, die Kleine müsste wohl ein natürliches Kind ihres abwesenden Freundes Jack sein. Also schmuggeln sie die Kleine in Aidans Räume im Club, den seit dessen Bestehen noch nie eine Frau betreten durfte, um auf Jack zu warten, der gerade auf Jamaica weilt.

Kurz darauf rechnet Aidan ein wenig nach und überlegt, ob die kleine Melody nicht doch sein Kind von Madeleine sein könnte. Also kommt es zum Wiedersehen mit seiner großen Liebe, genau rechtzeitig dass Aidan Madeleine vor einem zudringlichen Widerling aus ihrer Vergangenheit retten kann.

Madeleine hatte immer bereut, ihre einzige Liebe so weggeschickt zu haben, doch gab es Gründe, warum sie nicht Ja sagen konnte – und nun kommen diese Gründe wieder zurück um sie zu verfolgen. Deshalb ist sie ganz froh als Aidan wieder in ihrem Leben auftaucht und sie ebenfalls in seinen Club hineinschmuggelt, um sie mit einem Kind „wiederzuvereinen“, das gar nicht ihres ist.

Und so nimmt die verfolgte Heldin Zuflucht beim Helden, in einem Haus in dem Frauen verboten sind.

Mein teuflischer Verführer ist ein eher durchschnittlicher Vertreter des Genres. Die Handlung ist solide, wenn auch nicht herausragend. Die Bösewichte sind böse und die Guten sind gut. Es gibt das Große Missverständnis, pünktlich ab dem letzten Drittel des Buches, und die Bösewichte geben sich alle Mühe, wirklich widerlich zu sein und geben Leserinnen guten Grund sich für Aidan, Melody und vor allem Madeleine zu fürchten.

Prolog und Epilog sind jeweils aus der Sicht der erwachsenen Melody am Tag ihrer Hochzeit geschrieben. Sie sind dazu da um das Buch mit den nachfolgenden Bänden der Serie zu verknüpfen, man kann sie aber getrost überspringen weil sie – salopp gesagt – nervig sind.

Das Buch besticht vor allem durch die gute Darstellung der Charaktere. Madeleine ist keine Idiotin und hält sich gut trotz aller Widrigkeiten, ohne zu einem Wischmopp für den Helden zu verkommen. Aidan ist zeitweise stur aber süß und hilfsbereit, außerdem mag er Kinder, was ihm bei einigen Leserinnen Pluspunkte einbringen könnte. Das kleine Mädchen ist voller Energie, dennoch scheint die Darstellung eines Kleinkindes authentisch.

Ein wirklich großer Pluspunkt des Romans sind allerdings auch die Nebencharaktere wie Aidans Freund Colin, der ihm dabei hilft, Melody im Club zu verbergen, die Diener des Clubs, allen voran der strenge Majordomus Wilberforce, der die „keine Frauen“-Regel des Clubs verteidigt, und die geriatrischen Altherren, die Melody ins Herz schließen und dabei helfen, ihre Anwesenheit geheim zu halten.

Dem historischen Setting wurde wenig Beachtung geschenkt. Der einzige Hinweis auf die Epoche ist die Tatsache dass es Kutschen gibt. Die Sprache des Buchs ist eher modern als dem Setting angepasst. Ob das am Original liegt oder an der Übersetzung ist schwer einzuschätzen. Die Übersetzung an sich ist mittelmäßig, klingt teilweise holprig und hilft dabei, die ohnehin schwache historische Darstellung zu zerstören. Gutes Beispiel:

„Sorry.“ Wilberforce unterbrach sie. „Wenn Sie die Unterbrechung bitte entschuldigen wollen, Milady.“ (C. Bradley, Mein teuflischer Verführer, dt. Übersetzung Cora Munroe, bei blanvalet 2012, S. 389)

Was hat ein englisches Wort in einer deutschen Übersetzung eines historischen Romans verloren? „Sorry“ klingt recht modern und würde vielleicht nicht zum Vokabular eines Butlers gehören, der sich mit einer adeligen Dame unterhält. Noch ein Wort zum Titel: wenn sich der Titel Mein teuflischer Verführer auf Aidan beziehen sollte – er ist eigentlich nicht wirklich teuflisch, was aber nicht stört, es sei denn man hätte sich einen düsteren Heathcliff erwartet.

Dennoch ist das Buch eine kurzweilige Lektüre und wenn man sich von sprachlichen Holprigkeiten (die vielleicht an der Übersetzung liegen?) und dem mittelmäßigen Plot nicht stören lässt, wird man an den witzigen Dialogen und den Charakteren seine Freude haben. Wer von Melody und ihren Abenteuern nicht genug kriegt, kann sich freuen: in dieser Serie erscheinen bei blanvalet noch zwei weitere Bände.

Die vorliegende Taschenbuchausgabe ist im Mai 2012 bei blanvalet erschienen.

Bewertung

PositivesNegatives

  • Nette Hauptcharaktere, gute Nebencharaktere
  • Witzige Dialoge
  • Herzige Story

  • Schwache Übersetzung
  • Das historische Setting kommt nicht rüber

Rating
78%

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Category: Bücher, TopPost

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Lektorin & Sprachwissenschafterin. Außerdem: Büchervertilgerin & passionierte Kinogängerin. Nintendo-Nerd. Pen-&-Paper-Prinzessin.

Comments (1)

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  1. avatar Barbara W. sagt:

    Ich finde das kleine Mädchen macht die Geschichte besonders liebenswert.

    Da die beiden Herren, die sich plötzlich um sie kümmern müssen, in ihrem Herrenclub wo keine weiblichen Wesen erlaubt sind, wohnen, führt das natürlich zu Verwicklungen.

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