Korsaren der Karibik

| 22. Januar 2017 | 0 Comments

Korsaren der Karibik von Christian Marcussen und Kasper Aagaard erscheint beim Asmodee Spieleverlag und thematisiert das goldene Zeitalter der Piraterie. Es geht darum Ruhmpunkte zu erlangen und dabei stehen einem die Möglichkeiten als Kauffahrer oder als Pirat offen, oder eine Mischung aus beidem.

Brettspiel Cover - Korsaren der Karibik, Rechte bei Asmodee

Korsaren der Karibik, Rechte bei Asmodee

Korsaren der Karibik zeichnet sich durch eine geschickte Spielmechanik aus, welche den Handel mit dem Nervenkitzel des Piratendaseins verknüpft. Besonders gut gelungen fand ich die Mechanik des Kopfgelds. Einerseits winkt einem als Pirat wesentlich größere Beute, andererseits sollte man nicht zu früh Pirat werden, um auch ein gutes Schiff zu haben, da die Marine schon recht lästig werden kann.

Auch die Möglichkeit dass man seine Beute in Sicherheit bringen kann ist gut gemacht. Es kostet zwar Zeit, aber man kann sonst nicht nur viel verlieren, sondern andere Spieler können sich an dem bereichern was man selbst mühsam zusammengeplündert hat. Den beiden Entwicklern ist es gelungen die Piratenatmosphäre mit entsprechender Regelmechanik umzusetzen und zu verstärken. Einzig dass man teilweise stark vom Würfelglück abhängig ist und dass man das Spiel ein, zwei Mal Probespielen muss um alle Möglichkeiten ausprobiert zu haben und somit richtig zu verstehen, trübt ein wenig die Freude. Die gesamten Facetten der Spielmechanik sind zwar gut erklärt, sindaber nichtsdestotrotz sehr umfangreich und bleiben somit nicht leicht hängen. So richtig spannend wird das Brettspiel aber erst ab 3 bis 4 Spielern.

Aber wer sich als Pirat fühlen möchte, der auf Beutefahrt geht, der wird seine große Freude an dem Brettspiel haben. Oder man spielt eben einen Kauffahrer, der versucht sein Vermögen in der Karibik zu machen, was auch seinen Reiz hat.

Zu Beginn jeder Runde wird eine Ereigniskarte gezogen, dabei können Ereignisse sofort eintreten, längerfristig andauern oder andere Schiffe können bewegt werden und machen dabei Jagd auf Spieler, bevorzugt solche, die sich als Piraten ihr Brot verdienen. Danach hat jeder Spieler 3 Aktionen zur Verfügung, dabei können Aktionen mehrfach gewählt werden. Auf dem Meer hat man die Aktion Bewegung, um sein Schiff in angrenzende Meereszonen zu bewegen, in einen Hafen einzulaufen oder aus einem Hafen auszulaufen. Die anderen Aktion ist Suchen, um in einer Meereszone andere Schiffe aufzuspüren, die nicht in einem Hafen liegen. Ist man dabei erfolgreich kommt es zur Seeschlacht um das feindliche Schiff zu versenken, oder besser zu plündern.

Korsaren der Karibik, Rechte bei Asmodee

Korsaren der Karibik, Rechte bei Asmodee

Liegt man im Hafen vor Anker oder ist man in den Hafen eingelaufen hat man wesentlich mehr Aktionen zur Auswahl. Dennoch hat man pro Runde nur insgesamt 3 Aktionen, wobei eine Seeschlacht keine eigenständige Aktion ist.

  • Waren verkaufen (das muss die erste Hafenaktivität des Spieler sein sein), in jedem Hafen gibt es veränderliche nachgefragte Waren, welche man zum doppelten Preis verkaufen kann und sollte man gleich 3 davon verkaufen erhält man 1 Ruhmpunkt sowie eine Ruhmkarte.
  • Waren kaufen indem man 6 Frachtkarten zieht, der Preis fällt dabei, wenn du eine Frachte öfters gezogen hast
  • Schiff zur Werft bringen um es zu reparieren, zu modifzieren oder ein neues Schiff zu kaufen
  • Seeleute anheuern, welche eine Art Lebensenergie des Schiffes darstellen
  • Gerüchte aufschnappen; wenn man erfolgreich ist erhält man ein Gerücht, welches den Spieler in eine bestimmte Meereszone führt um mittels Eigenschaftwurf zumeist Ruhm zu erlangen
  • einen Auftrag annehmen; jeder Spieler kann immer nur gleichzeitig einen Auftrag verfolgen und man muss eine bestimmte Anzahl verschiedener Aufgaben und/oder Vorraussetzungen erfüllen um eine Belohnung wie Ruhm bzw. Ruhmkarten zu erhalten
  • Gold aus deiner Schatztruhe nehmen oder hineinlegen, das geht nur in deinem Heimathafen und man bringt dadurch sein Gold in Sicherheit, um es vor dem Zugriff durch andere Spieler zu schützen, die es ansonsten während einer Schlacht erbeuten könnten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Brettspiels sind die verschiedenen Seeschlachten gegen Kauffahrer und  Piraten, oder wenn man als Pirat von Marineschiffen gejagt wird. Jede Schlacht besteht aus 3 Etappen, die so oft wiederholt werden, bis ein Sieger feststeht oder einem die Flucht gelungen ist. Die Seeschlachten werden durch die Fähigkeiten der einzelnen Seefahrer mit ihren Ruhmkartenfähigkeiten, aber auch durch ihre Schiffe mit ihren Modifikationen beeinflusst.

Jeder Spieler wählt eine der drei Kampfaktionen Schießen, auch mit Spezialwaffen wenn man zuvor sein Schiff damit modifiziert hat, Entern oder Flucht. Wobei in der 1. Runde einer Seeschlacht nur Schießen möglich ist, um das gegnerische Schiff mit seinen Kanonen zu treffen. Nach der Wahl wird zunächst mit einem Wurf auf Seemannskunst festgestellt wer zuerst seine gewählte Aktion durchführen kann. Entern leitet übrigens den Mannschaftskampf ein, bei dem man sich mit Führungskraft vergleicht. Jeder erfolgreiche Wurf verringert die Mannschaftstärke des Gegners, ist sie bei 0 angelangt hat diese Seite die Schlacht verloren und der Sieger kann das Schiff plündern.

Während des Spiels hat man immer wieder die Möglichkeiten Ruhmkarten zu erringen welche einem nicht nur Ruhmpunkte bringen, sondern einem auch spezielle Fähigkeiten verleihen. Wenn man als Pirat unterwegs ist werden die vier Nationen (Frankreich, England, Niederlande und Spanien) ein Kopfgeld auf den Spieler aussetzen. Dadurch kann man in keinen Hafen dieser Nation mehr einlaufen, bis einem nur mehr das verrufene Piratennest Port Royal bleibt und Marineschiffe werden Jagd auf dich machen. Glücklicherweise wirst du dafür nicht mehr von Piraten gejagt, die nur Schiffe von Spielern überfallen, auf die kein Kopfgeld ausgesetzt ist. Der Spielablauf wird hier vereinfacht und gekürzt dargestellt.

Korsaren der Karibik, welches ursprünglich bei Z-man Games erschienen ist, wurde von Christian Marcussen und Kasper Aagaard entwickelt. Für den Dänen Christian Marcussen, mit seiner Vorliebe für komplexe Spielmechanismen ist es sein zweites großes Brettspiel, nebenbei komponiert er Musik und arbeitet für ein IT Unternehmen. Für den ebenfalls aus Dänemark stammenden Kasper Aagaard war es sein erstes Brettspiel in dieser Form.

Bei unserem Test haben wir festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Spieler als Piraten unterwegs sind vor allem beim Spiel mit 4 Spielern steigt. Da ist es auch am lukrativsten und lustigsten. Spielen nur 2 Spieler, ist es teilweise angenehmer Kaufleute zu spielen und mehr nebeneinander zu versuchen ein möglichst großes Imperium aufzubauen. Egal wie viele Leute spielen und wofür man sich entscheidet, es gilt auf jeden Fall immer sich mehrere Optionen offen zu halten, ein paar Schritte vorauszudenken und sich eine Strategie zurechtzulegen. Diese ist sehr wichtig, da davon auch die Wahl des Schiffes und seiner Ausbauten abhängt. Dann braucht man noch ein wenig Würfelglück und man kann zum Korsaren der Karibik werden.

Korsaren der Karibik erscheint im Juli 2016 beim Spieleverlag Asmodee und ist für 2 bis 4 Spieler. Wir haben bei unserem Test mit 3 Spielern für unsere Partien ungefähr 2 bis 3 Stunden benötigt, exkl. Aufbau und Regeln durchgehen.
90 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
sehr gelungene Regelmechanik, Komplexität gut eingefangen
es kommt richtiges Piraten-/Karibikfeeling auf und große Spiellaune
das Spielmaterial ist sehr liebevoll und detailliert gestaltet
die komplexe Spielanleitung ist gut und genau geschrieben
Negatives
bei den Seeschlachten nur 2 Spieler beschäftigt
längere Wartezeit für die anderen Spieler
manche der kleineren Schiffe fallen leicht um

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Category: Brettspiele, Spiele, TopPost

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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