Ich wär so gerne Ethnologin …

| 8. November 2013 | 0 Comments

Carlsen bringt einen unterhaltsamen Episodencomic der erfolgreichen Web-Comic-Autorin Margaux Motin. Die „Ethnologin“ verfolgt Markenschuhe und Markentaschen, Alltagspannen und Sexgeschichten sowie Frauenfreundschaften mit ihrer Feder und kitzelt damit erfolgreich die Lachnerven der Leserschaft.

Ich wär so gerne Ethnologin----

Rechte bei Carlsen Comics

Margaux Motin ist Autorin eines sehr erfolgreichen Webcomics und wurde in Print verlegt, was daraufhin zur deutschsprachigen Übersetzung geführt hat. Die 1978 geborene Absolventin des Studiengangs Visuelle Kommunikation an der Hochschule für angewandte Kunst in Paris veröffentlichte ihre ersten Werke beim Jugendmagazin Muteen. Neben ihrem Blog, der sie 2008 bekannt machte, arbeitet sie als freie Illustratorin und Journalistin und lebt in Paris.

Ihr Blog, sowie der vorliegende Comic, beschäftigen sich mit dem Alltagsleben einer Mittdreißigerin und beleuchten es auf unterhaltsame Weise. Die Protagonistin ist Schuhfetischistin, Markensau, Mutter und Autorin, sowie Tochter und Freundin, Ehefrau und Partnerin. Mit Feminismus hat das alles wenig zu tun, und manchmal fallende Vergleiche mit Claire Bretécher sind fehl am Platz, denn diese hatte kein Bedürfnis, ihre Figuren konventionell hübsch zu zeichnen, noch war es ihr ein Anliegen, ob sie Designertaschen oder Designerschuhe zum Geburtstag geschenkt kriegen.

Nichtsdestotrotz, die kurzen Episoden im Band sind wirklich lustig, und viele Frauen mit Kindern werden darin vielleicht eine überzeichnet-glamuröse Version von sich erkennen. Das Ganze geht sehr in Richtung Sex and the City – es ist bunte, belanglose Unterhaltung. Motins Comic ist jedoch wesentlich besser, netter und lebensnaher als SATC und hat rührende Momente, in denen die Autorin versucht, so zu tun als ob ihre Charaktere in irgendeiner Weise „bodenständig“ oder „alltäglich“ wären – der Moment in dem sie auf der Schüssel sitzt und mit ihrem Vater telefoniert, der dasselbe tut, die Panels in denen erklärt wird, wie anstrengend es ist, die Körperbehaarung unter Kontrolle zu halten und der befreiende Moment, in dem sie sich „erlaubt“, während ihrer Periode behaart zu bleiben, der Anruf der Bank wegen unbezahlter Rechnungen, der „spontan“ auf die Mailbox umgeleitet wird. Möglicherweise ist bloß der vorliegende Band aufgrund der Thematik und der Auswahl etwas oberflächlich, konfliktfrei und konventionell geblieben, es kann sein dass Motins Blog manchmal auch piekst statt bloß zu streicheln.

Carlsen ist mit Motin ein guter Wurf gelungen, ein sehr hübsch gezeichneter Comic mit Unterhaltungswert – Gags mit gutem Timing und zeichnerisch sensibel umgesetzt. Ich wär so gerne Ethnologin … ist harmlos und eine gute Unterhaltung für zwischendurch, die man nicht mit großem Ernst oder Anspruch angehen sollte. Es gibt jedoch in der „Special Edition for Ladies“ von Carlsen bessere Comics, z. B. den auf Weltenraum bereits besprochenen Wie ein leeres Blatt von Boulet und Penelope Bagieu.

Ich wär so gerne Ethnologin … ist bei Carlsen erschienen.

Bewertung

PositivesNegatives

  • wirklich lustig
  • wunderschöne Zeichnungen

  • oberflächlich und seicht
  • wenig mit Feminismus zu tun
  • liest sich wie Sex and the City
  • wofür ist das Gummiband am Einband gut

Rating
55%

Tags: , , ,

Category: Comics, TopPost

avatar

About the Author ()

Lektorin & Sprachwissenschafterin. Außerdem: Büchervertilgerin & passionierte Kinogängerin. Nintendo-Nerd. Pen-&-Paper-Prinzessin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.