I am Zombie

| 7. Oktober 2017 | 2 Comments

I am Zombie ist das neue Horror-Rollenspiel von Mark Rein-Hagen, dem Mastermind hinter Vampire: The Masquerade, welches bei Ulisses Spiele im Zuge einer Crowdfunding Kampagne erschienen ist. Das Rollenspiel spielt im Angesicht einer drohenden Zombie-Apokalypse und die Spieler, welche zunächst noch Menschen sind, werde im Laufe der Abenteuers selbst zu Zombies.

I am Zombie, Rechte bei Ulisses Spiele

I am Zombie, Rechte bei Ulisses Spiele

I am Zombie ist definitiv kein Mainstream Rollenspiel, dazu sind die verschiedenen Regeln und Hintergründe zu skizziert und das Setting selbst eher ungewöhnlich. Das Rollenspiel war für alle Beteiligten aber sehr unterhaltsam und auf jeden Fall mal etwas Neues. Vor allem für One Shots ist die sehr schnelle Charaktererschaffung wunderbar. Dabei zieht man ein paar Karten und im großen und ganzen hat man seinen Charakter damit fertig.

Schwieriger und ein wenig widersprüchlich war dafür der Umstand, wie man von Bluter zum Skag und zum Zombie wird. Wobei ein Skag ein unintelligenter, man könnte fast sagen klassischer Zombie ist. Aber unter welchen Umständen gelangt man in welches Stadium? Außerdem gibt es ein Serum, welches die Wahrscheinlichkeit erhöht gleich zum Zombie zu werden, aber wie hoch ist diese Wahrscheinlichkeit mit oder ohne diesem Serum? Diese Infos waren für uns leider nicht auffindbar.

Trotzdem ließ es sich eigentlich ganz gut spielen und für eine Mini Kampagne oder ein Einzelabenteuer ist I am Zombie sicher eine gute Wahl. Auch wir werden sicher noch öfters Abenteuer spielen, aber eher keine langen Kampagnen, denn dabei müsste man tiefer ins System eintauchen, als es möglich ist. Außerdem müssten einige Entscheidungen vom Spielleiter getroffen werden, da sie in den Regeln nicht abgebildet sind, was wiederum regelmäßig zu Diskussionen führt. Da spielt man dann doch lieber etwas, wo das meiste klipp und klar geregelt ist. Generell wirkt es so, als würde dem System von I am Zombie ein wenig der Feinschliff fehlen.

I am Zombie Feldhandbuch

I am Zombie Feldhandbuch, Rechte bei Ulisses Spiele

I am Zombie Feldhandbuch, Rechte bei Ulisses Spiele

Im I am Zombie Feldhandbuch wird der Hintergrund beschrieben, vor allem aus der Perspektive der Zombies selbst. Das bedeutet aber, dass man sich nicht ganz sicher sein kann, dass das, was man liest, auch einer objektiven Wahrheit zugrunde liegt. Man findet aber heraus, dass es eine gelungene Mischung aus bevorstehender Zombieapokalypse, welche von der Regierung verheimlicht wird und Jahrhunderte altem Geheimkrieg zwischen Zombies und den Geheimgesellschaften, welche die Zombies verfolgen, ist. Klischeehafterweise wenden sich die katholische Inquisition und ein internationaler Multikonzern gegen die Untoten.

Wirklich gelungen ist das Artwork. Die einzelnen Seiten sind optisch sehr ansprechend gestalten und es macht Freude durch die Bücher zu blättern und sie zu lesen. Außerdem ist der Text selbst spannend geschrieben. In dem Fall finde ich die gedruckten Werke wirklich toll, auch wenn pdfs sehr praktisch sind. Auch die Spielkarten und die Plättchen, die zum Spiel gehören sind schön designt. Es passt alles schön zusammen.

Das sicher Ungewöhnliche, aber auch hilfreiche an diesem Setting ist, dass die Zombies nicht die typischen Untoten sind, die einfach stupide vor sich hin schlurfen, sondern es handelt sich um intelligente und sich selbst ihrer Existenz bewusste Wesen. Manche von ihnen leben seit vielen Jahrhunderten, wobei sie im Geheimen und im Dunklen agieren. Sie verkriechen sich in sogenannten Hospizen, die von einer Höhle bis zu einem alten riesigen UdSSR Bunker alles mögliche sein können. Es werden auch die 8 Hauptstämme der Geißel vorgestellt und in welcher Form sie die Menschen infizieren. Außerdem gibt es Hinweise, wie über das Füttern, Versorgen und Trainieren von Skags. Aber abgesehen von den Vektoren, wie die verschiedenen Kräfte der Zombies genannten werden, gibt es keine Regelerklärungen für all diese vorgestellten Informationen.

Was mir nicht so gut gefällt ist, dass die Zombies keine spontane Erscheinung sind. Der Ausbruch passiert im Prinzip nicht überraschend über die Menschheit, sondern sie bilden, wie auch die Vampire eine Art Zweitgesellschaft. Eine gute Idee finde ich aber ist es, dass die Spieler selbst als Menschen beginnen und erst im Laufe des Abenteuers zu Zombies werden. Wobei ich überrascht war, wie langsam das von sich geht. Eigentlich hätte ich mir vor Beginn des Abenteuers gedacht, dass alle Spieler zumindest bis zum Ende des Abends zu Untoten geworden sind, doch da hat es gerade mal die Hälfte der Gruppe erwischt.

Bei unserem Abenteuer hatten die Spieler nicht viel Hintergrundinformationen, sondern ich habe sie nach und nach mit den Geheimnissen der Welt von I am Zombie, die oberflächlich betrachtet unserer Welt gleicht, konfrontiert. Die Spieler bzw. ihre Charaktere haben recht unterschiedlich darauf reagiert. Vor allem beim Verwandeln in einen Zombie musste ich ein wenig aufpassen, dass sie sich nicht, wie man es von The Walking Dead oder anderen populärkulturellen Zombie-Phänomänen her kennt, sich selbst verstümmeln und gleich gar in den Kopf schießen. Auch wenn ich mich natürlich bemüht habe in meinem Abenteuer eine Übersicht über I am Zombie zu bieten, habe ich teilweise nur an der Oberfläche kratzen können und das Feldhandbuch bietet Material für viele weitere Spielabende.

I am Zombie Spieler-Set

I am Zombie Spieler-Set, Rechte bei Ulisses Spiele

I am Zombie Spieler-Set, Rechte bei Ulisses Spiele

Das I am Zombie Spieler-Set beinhaltet alles, was man zum Spielen braucht, wobei wir die pdf Version hatten und uns bis auf die Würfel alles ausgedruckt haben. Die Würfel selbst sind im Prinzip sechsseitige Würfel, wobei die 5 für das Hunger-Symbol steht und die 6 für das Hirn-Symbol.

Ein Ansatz, der mir sehr gut gefallen hat ist der, dass die Spieler gewisse Rollen übernehmen. So sucht einer bei Unklarheiten im Regelwerk nach Antworten, ein anderer führt das Tagebuch für die Spielgruppe, also eine Art Chronik und ein weiterer Spieler – mein Favorit – sorgt dafür, dass man nicht abschweift und am Ball bleibt, dass also konzentriert weitergespielt wird. Das bezieht alle Spieler mit ein und der Spielleiter kann seine Story weiterführen.

Doch wie funktioniert das mit den Würfelproben? Das Axiom-System ist ein recht flottes System, bei dem man einen Würfelpool nach Anzahl der Karten entsprechend der Eigenschaft zusammenstellt, würfelt und mit der Summe einen Schwierigkeitsgrad erreichen muss. Boni werden dabei Schübe genannt und helfen, dass der Erfolg noch besser wird. Dabei kann man, wenn man die richtige Fertigkeit besitzt, auch einen, mehrere oder alle Würfel neu werfen. Bei gewürfeltem Hirn erhält man Marker, die man einsetzen kann und die am Ende einer Spielsitzung verfallen, bei gewürfeltem Hunger bekommt man ebenfalls einen entsprechenden Marker, wenn man diesen nicht mit Hirn neutralisiert. Hungermarker möchte man eher nicht haben, denn sie erhöhen den Gefahrenwert und jeder Würfel, der den Gefahrenwert oder ein niedrigeres Ergebnis anzeigt und nicht durch Hirn neutralisiert wird, steht für einen eintretenden Nachteil.

Zum I am Zombie Rollenspiel gehört:

  • Das 32-seitige Axiom-Buch mit Regeln zu Charaktererschaffung, Würfelwürfen, Schergen und Bossen und allem anderen, was du zum Spielen brauchst (am Tisch und als LARP).
  • Eine vollständige Sammlung von acht „Hirnwürfeln“.
  • Zwei Decks (108 Karten) vollfarbiger, doppelseitiger ID-Karten, mit denen du deinen Charakter erschaffen kannst.
  • Ein geprägtes Hardcover-Charakterjournal mit hunderten von Eintragsmöglichkeiten für Details zu Charakteren und Chronik, und vielen Seiten Referenzmaterial.
  • 48 Anstoß-Chips in Pokerchipgröße, um das Rollenspiel um eine Dimension zu ergänzen.

Interessant ist auch die Idee, dass man das Spiel im Prinzip tutorialmäßig beginnt. Es gibt in Summe knapp mehr als 20 Regeln, die man nach und nach ins Spiel einbringt, eben die sogenannten Axiome. Die Erklärung dazu geht in manchen Bereichen, wie bei den Anstoß-Chips durchaus in die Tiefe, bei einigen anderen Dingen, wie z.B. bei der Erklärung wie man zu einem Zombie wird, bleibt es leider an der Oberfläche. Dafür ist es aber ein schnelles, einfaches Spiel mit einem durchaus gelungenem System, das leicht erklärt ist und wo man schnell zu spielen beginnen kann.

I am Zombie Feldhandbuch und I am Zombie Spieler-Set sind im August 2017 bei Ulisses Spiele erschienen.
I am Zombie Spieler-Set
80 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
das Axiom System ist eine sehr schnelles System
die Idee einer Charaktererstellung mit Karten hat überzeugt
das Spielen geht leicht von der Hand
Negatives
als pdf Version muss man viel ausdrucken
einige Regelunklarheiten, die immer wieder Fragen aufwerfen
die Verwandlung in einen Zombie ist sehr widersprüchlich
I am Zombie Feldhandbuch
85 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
das Feldhandbuch bietet ein echt tolles Artwork
es stecken viele Ideen und Anregungen im Feldhandbuch
ein durchaus innovatives Indie-Setting
viele Möglichkeiten um das Setting in die gewünschte Richtung auszulegen
Negatives
die Information sind oft gewollt vage
jahrhundertealte Zombieverschwörung erinnert zu sehr an Vampire

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Category: Rollenspiele, Spiele, TopPost

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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