Helden der Adelshöfe

| 25. März 2017 | 0 Comments

Helden der Adelshöfe von Ulisses Spiele ist ein Quellenbuch für das Fantasy Rollenspielsystem Pathfinder von Paizo. In diesem Quellenbuch geht es um adelige Spielercharakter mit zahlreichen Archetypen, Talenten und vielen weiteren Regeloptionen von Alternativen Volksmerkmalen bishin zu Zaubern.

Helden der Adelshöfe, Rechte bei Ulisses Spiele

Helden der Adelshöfe, Rechte bei Ulisses Spiele

Helden der Adelshöfe ist ein recht spezielles und interessantes Handbuch, kann aber von allen links liegengelassen werden, bei denen der Adel nur eine marginale Rolle spielt. Für jeden Spieler jedoch, der einen adeligen Charakter spielen möchte, aber auch für Spielleiter, welche Abenteuer leiten möchten, die an einem Adelshof spielen werden, ist dieses Handbuch einen Blick wert. Generell gilt dass viele Aspekte aus dem Handbuch: Helden der Adelshöfe sich weniger für Dungeon-Crawling-Abenteuer eigenen, sondern vor allem für das erzählerische Rollenspiel und Abenteuer mit gesellschaftlichen und intriganten Hintergründen, was aber keinesfalls bedeutet, dass es sich um reine Flufffähigkeiten handelt. Es finden sich gute Ideen für Abenteuer à la Alexandre Dumas als David Morrell.

Ein Aspekt den ich jedoch vermisse ist, dass adelige Charakter auch das Gruppengefüge durcheinander bringen können, sofern nicht alle Charakter aus dem Adel stammen. Es gibt in der Regel dann Adelige und Bedienstete und somit unterschiedliche soziale Ränge, welchd man in diesem Buch zumindestens thematisieren hätte können. Es gibt zwar einen kleinen Infokasten mit der Macht der Adeligen, aber dem Inhalt, dass Adelige unter größerer Beobachtung stehen und aufpassen sollten keinen Bauernaufstand auszulösen, kann ich mich nicht anschließen.

Bereits bei der Vorstellung eines halben Dutzend verschiedener Adelshöfe von Golarion mit Wesenszügen zeigt sich dass man mittlerweile bei Pathfinder auch als Spielleiter, selbst wenn man nur recht lockere, spontante Sandbox Abenteuer leitet, sich Gedanken machen sollte wo der Fokus der Abenteuer liegen wird. So gibt es zwar sehr allgemeine Wesenszüge wie beim Imperialen Palast von Egorian, wo man +2 auf Willenswürfe gegen Furchteffekten erhält, aber eben auch sehr spezifische wie beim Kaiserpalast von Oppara, bei dem man einen Bonus erhält wenn man sich gegen die Abhängigkeit durch Drogen wehrt. Ein Wesenszug der zum reinen Fluff verkommt, wenn Drogen keine gesteigerte Rolle in den Abenteuern spielen.

Sehr gelungen sind die verschiedenen Talente speziell für adelige Charaktere. Hier ist mir besonders das Talent Dotation aufgefallen, bei dem man wöchentlich 100 GM erhält, welche man aber nur für Dienstleistungen und nichtmaterielle Güter ausgeben kann. Wobei da auch Spieler wieder rumjammern Geld bleibt Geld und warum kann ich mir nicht auch Ausrüstung kaufen. Und ja, für Powergamer ist dieses Talent auch kaum nützlich, aber es ist durchaus stimmungsvoll.

Stimmungsvoll ist auch dass die Archetypen nicht nur für diverse Adelige Charaktere verfügbar sind, wie den ehrenvollen Ritter für Ritter, der erwählte Herrscher für Mönche oder der Thronhüter für Schützen, sondern es gibt auch den Hofdichter, den Hofnarren, den Königlichen Alchemisten oder den Königsgardisten aus dem Umfeld adeliger Charaktere. Manche Archetypen weisen leider nur einen sehr geringen Bezug zum Adel auf, wie die Schutzhexe oder die Schmetterlingsklinge, die meiner Meinung nach etwas weit hergeholt sind.

Sehr nett finde ich hingegen die Gunstbeweise, welche sich an der Minne orientieren und die aus vielen Ritterfilmen und -geschichten bekannt sind. So wissen wir, dass der tapfere Ritter einen Gunstbeweis von seiner verehrten Dame erhielt, der sich im vorliegenden Fall so äußert, dass der tapfere Held als seinen Gunstbeweis einen schwachen magischen Bonus für eine bestimmte Zeit erhält. Das ist durchaus stimmungsvoll und bietet für die Spieler auch einen Nutzen.

Interessanterweise bietet das Handbuch auch einen Blick auf Höfe des Ostens, genannt wird Jalmeray, Katheer, aber auch die Höfe der Drachenreiche Minkai, Po Li, Tianjing und Xa Hoi. Eher als Lückenfüller betrachte ich die Chadao-Teezeremonie, ein okkultes Ritual, welches nur entfernt mit dem klassischen Adel zu tun hat. Gut finde ich wiederum dass man Theokratien nicht vergessen hat und es speziell auch Talente für adelige Charakter aus Nationen in denen der Glaube eine wichtige Rolle spielt, bekommen kann. Solche Nationen wäre z.B. Cheliax, Mendev, oder auch Nidal.

Was die Feinde der Krone betrifft wurden hier einfach ein Vigilanten- und ein Attentäter-Archetyp vorgestellt, mit ein wenig erklärendem Text. Um ihn wirklich einbinden zu können ist der Abschnitt zu klein geraten, man hätte ihn gerne auch ganz weglassen können, oder ihn zu einem generellen und ausführlichen Text über Feinde von Adeligen machen können. In der selben Gruppe wird man kaum Adelige und ihre Feinde spielen und für zwei Archetypen und 3 Zauber, um Feinde von Adeligen zu spielen, kauft man sich nicht ein Handbuch über Adelige.

Es gibt auch ein paar Ergänzungen für verschiedene Aspekte wie Wortgefechte aus den Ausbauregeln VIII: Intrigen und Ausrüstungen und Werkzeuge für Adelige. Vor allem die vorgestellten Throne sind durchaus nett, wenngleich sie vor allem einen Heldenmut Effekt verleihen.

Das Pathfinder Handbuch: Helden der Adelshöfe von Paizo erscheint bei Ulisses Spiele in deutscher Übersetzung im Februar 2017 und ist als Softcover und pdf erhältlich.
80 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
gelungenes Handbuch für adelige Charakter
gut für gesellschaftliche, intrigante Abenteuer
Adelshöfe verschiedener Völker, inkl. exotischer Adelshöfe beschrieben
teilweise recht witzige Archetypen wie der Hofnarr
Negatives
Feinde der Krone hätte man besser nutzen können
manche Regeloptionen nur sinnvoll, wenn Aspkete im Abenteuer vorkommen
für den klassischen Abenteuerpfad nur wenig Optionen

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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