Gormenghast

| 24. Januar 2015 | 0 Comments

Die Gormenghast-Trilogie um die Adelsfamilie Groan und ihr bröckelndes Ungetüm von einem Schloss, die Intrigen darin und die Verrücktheiten der einzelnen Schlossbewohner entspringen dem Literaturklassiker von Mervyn Peake. BBC hat eine Verfilmung gewagt.

Gormenghast. Alle Rechte bei Polyband

Gormenghast. Alle Rechte bei Polyband

Missionarskind Peake lehnte seine Buchserie an seine Erfahrungen in China und die Eindrücke des Zweiten Weltkriegs an. Die Bücher selbst beinhalten weder Magie, noch alternative Rassen wie Elfen und Orks, die wir seit Herr der Ringe fast erwarten würden – dennoch gehört die Gormenghast-Trilogie zu den Klassikern des Fantasy-Genres – jedoch mit Beimischung von Gothic-Elementen, aber auch Komödie und Thriller. Die Trilogie galt lange Zeit als unverfilmbar. Die Handlung der Bücher versinkt zuweilen in inneren Konflikten der Charaktere und deren Wahnsinn, sowie ihren skurrilen Einfällen. Dennoch wagte sich BBC daran, eine filmische Umsetzung zu machen, was die uns vorliegende Serie aus dem Jahr 2000 zum Resultat hatte.

Soweit zur Handlung: als oben im Schloss Lady Groan einen heiß ersehnten Sohn zur Welt bringt, verkutzt sich ob dieser Nachricht sein gräflicher Vater, was erst einmal niemandem auffällt. Während alle sich freuen dass es endlich einen Sohn und Erben gibt, ärgert sich das gräfliche Töchterchen Lady Fuchsia darüber – dies wird jedoch ebenfalls ignoriert. So erblickt Titus Groan das Licht der Welt. Gleichzeitig widersetzt sich unten, tief in den Eingeweiden von Gormenghast der Küchenjunge Steerpike (Jonathan Rhys Meyers) der absoluten Herrschaft des Kochs, und flüchtet nach oben.

Steerpike wird Gehilfe des Schlossartzes und steigt so in der Schlosshierarchie kometenhaft auf. Es reicht ihm jedoch nicht und er macht sich geschickt die Verrücktheiten der Schlossbewohner und der adeligen Familie zu Nutze, um weiter aufzusteigen – vielleicht sogar zum Schlossherren? Dabei nimmt er einiges in Kauf: zum Beispiel die Bibliothek anzuzünden, in der sich hinter verrammelten Türen die gesamte Familie befindet. Der einzige, der ihm etwas entgegenzusetzen hat, ist Titus Groan. So entspinnt sich das Duell zwischen dem Mastermind Steerpike und dem (etwas später, sobald er sprechen kann) 77. Earl of Groan. Doch Gormenghast selbst treibt seine Bewohner in den Wahnsinn und nimmt ihnen letztendlich mehr, als es gibt.

Die Serie hat vier Folgen, in denen zwei der drei jeweils 400 Seiten starken Romane der Gormenghast-Trilogie verfilmt wurden. Da kann man annehmen, dass dabei ein paar Erzählstränge der Kürze zum Opfer gefallen sind. Die Serie dreht sich dabei hauptsächlich um Steerpikes Ambition. Das andere große Thema, übergreifend in der ganzen Serie, ist Titus Verhältnis zu Gormenghast und seiner Familie – Titus möchte am liebsten fortgehen, kann aber nicht, da ihn seine Pflicht immer wieder einholt.

Ghormengast - Auf den Dächern

Ghormengast – Auf den Dächern, Rechte bei Polyband/WVG

BBC stehen zum Glück ein üppiges Budget und Spitzenschauspieler zur Verfügung: Christopher Lee ist bei einer Fantasy-Verfilmung praktisch vorprogrammiert und spielt Flay, den Kammerdiener des 76. Lord Groan. Stephen Fry macht ebenfalls seine Aufwartung als Professor Belgrove, eine inspirierte Celia Imrie spielt Lady Gertrude (Titus Mutter) und der spätere Star der Showtime-Hitserie „The Tudors“, Jonathan Rhys Meyers spielt den Antihelden Steerpike. Amüsanterweise zog die Serie unter anderem deshalb Kritik auf sich, weil Rhys Meyers für die Rolle des Steerpike als „zu gutaussehend“ befunden wurde. Er schlägt sich dennoch gut.

Die Kulisse und die Kostüme zeigen eine Mischung aus phantasievoller Umsetzung und adäquatem Budget – vor allem die Szene, in der Gormenghast unter Wasser gesetzt wird, ist großartig gelungen und definiert die ganze Serie. Die Kameraarbeit und die Optik erinnert insgesamt ein wenig an Jim Henson’s The Storyteller, was durchaus als Kompliment gemeint ist. Man sieht dennoch, dass die Greenscreen-Effekte inzwischen etwas altbacken aussehen, die Serie ist aber für ihre immerhin fast 15 Jahre eigentlich gut gealtert, und der Fokus von Gormenghast ist und sollte immer darauf liegen, wie sehr alle darin dem Wahnsinn verfallen sind. Insgesamt ist es eine gute Serie, es ist natürlich schade um die Teile der Bücher die nicht Eingang in die Serie gefunden haben – zum Teil bestimmt auch deshalb weil sie unverfilmbar waren. Dennoch macht man nichts falsch wenn man sich die Serie anschaut: erstens kann man sich danach Peakes doch recht schwere Prosa getrost erspraren, und neben dem restlichen, guten Cast, werden sich alle Tudors-Fans über ein Wiedersehen mit einen jüngeren Jonathan Rhys Meyers freuen.

Den Ton gibt es auf Deutsch und Englisch jeweils in Dolby Digital 2.0. Die Lauftzeit der 2 DVDs beträgt insgesmat etwa 240 Minuten.

Gormenghast von BBC ist am 25.10.2013 mit FSK 12 als DVD bei Polyband erschienen.

Bewertung

PositivesNegatives

  • guter Cast
  • gelungene Verfilmung trotz angenommener Unverfilmbarkeit
  • überzeugender Wahnsinn

  • veraltete CGI-Optik
  • gestrichene Storylines

Rating
82%

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Category: Filme, TV Serien

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Lektorin & Sprachwissenschafterin. Außerdem: Büchervertilgerin & passionierte Kinogängerin. Nintendo-Nerd. Pen-&-Paper-Prinzessin.

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