Gendarmerieinspektor Simon Polt

| 12. Oktober 2018 | 0 Comments

Gendarmerieinspektor Simon Polt ist eine sechsteilige Filmreihe von Regisseur Julian Pölsler, welcher auch die Drehbücher verfasst hat. Die Filme basieren alle auf der Buchreihe des österreichischen Schriftstellers Alfred Komarek, über den Gendarmerieinspektor Simon Polt, welcher im fiktiven Wiesbachtal, im niederösterreichischen Weinviertel, seinen Dienst versieht. Es ist weniger eine Krimireihe als eine tiefgründige Milieustudie.

Gendarmerieinspektor Simon Polt, Rechte bei EuroVideo

Gendarmerieinspektor Simon Polt, Rechte bei EuroVideo

Über die Filmreihe und ihrer Hauptfigur Gendarmerieinspektor Simon Polt wurde gesagt, dass er die Entschleunigung in Staatsgewalt darstellt und die Idylle des Weinviertels in ihrer ganzen Tristesse eingefangen wird. Treffender kann man diese österreichische Kult-Serie und vor allem die überzeugende Darstellung von Polt, durch den österreichischen Schauspieler Erwin Steinhauer, nicht beschreiben.

Es ist die Creme de la Creme österreichischer Theaterschauspieler neben Polt in den Filmen zu sehen, darunter Simon Schwarz, Fritz Karl, Cornelius Obonya, Herbert Föttinger, Paulus Manker, Wolfram Berger, Otto Anton Eder, Ignaz Kirchner, Nikolaus Paryla, Peter Simonischek, Monica Bleibtreu und viele mehr. Aber vor allem die unterdrückt fröhliche Melancholie von Erwin Steinhauer ist in seiner umfassenden Lakonie die durch und durch tragende Säule dieser Filmreihe. Vor allem die letzten beiden Filme, zeigen aber auch, dass die Zeit selbst im Weinviertel nicht still steht und dass Polt selbst zum Relikt aus einer fernen Zeit geworden ist. Die Zeit hat ihn überholt, ihn, der zu Beginn gar nicht in diese verkrustete Landschaft von Menschen passen wollte.

Polt muss weinen

Polt verspürt deutliches Unbehagen, als eines Tages, tief unter den Presshäusern einer Kellergasse, die Leiche eines Dorfbewohners gefunden wird. Der mysteriöse Gärgas-Tod des Weinbauern Albert Hahn lässt Polt nicht zur Tagesordnung übergehen. Er weiß wie verhasst der Tote in der Gemeinde war. Es könnte Mord gewesen sein, was wie ein Unfall aussah. Viele der Weinbauern hatten Grund genug, das Scheusal umzubringen. Ausgerechnet Simon Polt muss nun den Mörder unter ihnen finden, was mörderisch ungemütlich für den Landinspektor wird.

Blumen für Polt

Es ist Frühling und die Arbeit in den Weinbergen ist in vollem Gange. Zwei tragische Todesfälle reißen Inspektor Polt aus seiner Frühlingsschwelgerei: Vor allem den Verlust seines behinderten Freundes Willi kann der Brunndorfer Gendarm nicht so einfach hinnehmen. Er ist der Einzige, der nicht an die Version eines Unfalls glaubt. Polt folgt bedächtig und unbeirrbar den wenigen Spuren, Spuren in einer ländlichen Welt, die zum Untergang verurteilt scheint, einer Idylle, um die man fürchten muss und die zum Fürchten ist.

Himmel, Polt und Hölle

Nach einem Eklat mit einem bekannten Wiener Gourmetkritiker wird die Brunndorfer Pfarrersköchin tot aufgefunden. Nicht nur der plötzlich abgereiste Journalist, sondern auch der Pfarrer, der Mesner und der Dorflehrer stehen im Mittelpunkt von Simon Polts Recherchen, in denen der Gendarmerieinspektor einmal mehr einsehen muss, dass die Frage nach der Schuld nicht nur eine Antwort zulässt. Und zunehmend kommt er über seine Tätigkeit bei der Gendarmerie ins Grübeln.

Polterabend

Simon Polt hilft bei der Eisweinlese des Weinhauers Karl Fürnkranz. Als es ans Pressen der edlen Trauben geht, machen Polt und seine Freunde jedoch eine grausige Entdeckung. Unter der Maische entdeckt Polt einen Toten, einen ortsbekannten zwielichtigen Taugenichts. Polts eigenwillige Nachforschungen führen ihn ins Rotlichtmilieu jenseits der tschechischen Grenze. Letztendlich muss er einmal mehr erkennen, dass den moralisch Schuldigen die gerechte Strafe nicht ereilt. Sein Wertesystem gerät ins Wanken.

Polt.

Für Simon Polt, Gendarmerieinspektor im frei gewählten Ruhestand, hat sich viel geändert. Zur Polizei, die nunmehr über die kleinen Dörfer im Wiesbachtal wacht, hat Polt kaum noch Kontakt, nur mit Norbert Sailer ist er befreundet, einem Ordnungshüter ganz nach seinem Geschmack. Doch die Leiche eines Fremden bringt Simon Polts ruhig gewordene Welt gründlich durcheinander. Niemand will den Toten gekannt haben, aber einige scheinen doch mehr von ihm zu wissen, als sie der Polizei gegenüber zugeben wollen.

Alt, aber Polt

Simon Polt ist alt geworden. Er genießt es, kein Gendarm mehr zu sein. In seiner Welt ist es ruhig geworden. Doch Polt mag die Menschen und die Dörfer des Weinviertels, nimmt aktiv Anteil und sein Sinn für Recht und Unrecht hat nichts von seiner Kraft verloren. Ein Fest in der Kellergasse, ein Todesfall anderntags … Die Polizei schließt Fremdverschulden aus. Doch mehr und mehr erkennt Polt: Dieser Tod betrifft viele. Er kann nicht einfach wegschauen, er will Klarheit. So wie immer!

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee ist ein österreichischer Schriftsteller, welcher zu Beginn seiner Karriere für Zeitungen schrieb und fürs Radio gearbeitet hat. Später hat er dann Drehbücher für das Fernsehen verfasst und war schon durch seine Arbeiten bekannt, bevor er 1998 mit dem Krimi Polt muss weinen seinen großen Durchbruch feiern konnte.

Gendarmerieinspektor Simon Polt, bestehend aus allen 6 Filmen, wird mit einem recht guten Bild und mit sehr natürlichen Farben, im Format 16:9 – geboten. Der saubere Ton wird u.a. auf Deutsch in Dolby Digital 2.0 präsentiert. Unter den Extras findet sich leider kein Bonusmaterial.

Gendarmerieinspektor Simon Polt von EuroVideo ist seit 05. Oktober 2018 mit FSK 12 auf DVD erhältlich. Wir haben die DVD auf der Home Cinema Anlage LG Electronics BH9530TW angesehen.
92 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
eine echte österreichische Kult-Filmreihe
Erwin Steinhauer verkörpert Polt als wäre er Polt
zahlreiche großartige Theaterschauspieler
melancholische Atmosphäre des Weinviertels
eine großartige Umsetzung der Buchvorlage
Negatives
die beiden letzten Film sind schwächer
teilweise recht entschleunigte Dialoge

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Category: Filme

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Ich liebe Theater und Kinofilme schon seit ich ein kleiner Junge war. Ich hatte das Glück, selbst einmal reinschnuppern zu können und kenne daher auch den Blick hinter die Kulissen. Zu meinen Lieblingsfilmen gehören Klassiker wie Der Pate I + II, Casablanca, Western wie Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod, österreichische Filme wie Der Bockerer, Extrablatt, aber auch Zeichentrickflime wie Das letzte Einhorn, Mary & Max, Literaturverfilmungen wie Die Verurteilten, Komödien wie Sein oder Nichtsein, Don Camillo und Peppone, Serial Mom und viele mehr.... Ich bin also regelmäßiger Besucher in Kinos und werde euch über diese Besuche auf weltenraum.at erzählen.

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