Ganz weit hinten

| 14. November 2013 | 0 Comments

Es ist eine klassische „coming-of-age“ beziehungsweise Erwachsen-werd-Geschichte, das aber mit genialem Humor, tollen Charakteren und Sommer-Feeling. Der in sich gekehrte Duncan muss mit seiner Mutter, deren neuen Freund und dessen Tochter ins Ferienhaus auf Urlaub fahren. Er wird auf den Rücksitz verfrachtet und die ganze Zeit von Trent, der sich als sein „neuer Dad“ aufspielen will, runtergemacht…

Ganz weit hinten Filplakat. Rechte bei Thimfilm

Ganz weit hinten Filmplakat. Rechte bei Thimfilm

Eine ganz klassische Geschichte wird hier neu erzählt. Der Held Duncan macht eine großartige Entwicklung durch vom merkwürdigen, nur herumsitzenden und musikhörenden Teenie zu einem verantwortungsbewussten, tatkräftigen fast schon jungen Erwachsenen, der Spaß am Leben hat und sich auch mal etwas traut.

Er findet in dem ansonsten langweiligen Ferienort, in dem die Erwachsenen derweil mit Alkohol und Co allabendlich die Sau raus lassen, mit merkwürdigen Nachbarn das einzig spannende, den nahegelegenen, schon etwas in die Jahre gekommenen Wassererlebnispark Water Wizz . Geleitet wird dieser von Owen, der Duncan eine Chance gibt sich zu beweisen. Nun fährt Duncan tagtäglich mit dem abgelegten Mädchen-Fahrrad zum Park und arbeitet dort. Owen entwickelt sich zu seinem väterlichen Freund, zu dem er aufsieht und der ihm zeigt, seinen eigenen Weg zu gehen. Niemand darf jedoch etwas vom Ferienjob wissen, und so bemüht er sich zu Hause weiterhin sich recht unäuffällig zu benehmen. Doch das Nachbarmädchen interessiert sich für ihn und kommt ihm auf die Spur.

Die Geschichte dieses unvergesslichen Sommers stammt von den Oscar Preisträgern Nat Faxon und Jim Rash (The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten), die ebenfalls Regie führten. Auch eigene Erinnerung an die Jugend sind in das Drehbuch, an dem sie schon zehn Jahre gearbeitet haben, eingeflossen.

Duncans Mutter Toni Collette spielt diesen Zwiespalt in dem sie steckt sehr gut aus, sie ist hin und her gerissen zwischen ihrer Sorge um Duncan und dem ihm eine gute Mutter sein wollen, gleichzeitig mit den Gefühlen für ihren neuen Freund Trent, an dem sie aber nach und nach zu zweifeln beginnt. Finanzielle Zwänge spielen ebenfalls eine große Rolle für sie. Steve Carell kann man in seiner Rolle als Trent so richtig hassen. Um seine eigene Unsicherheit und Probleme zu kaschieren, setzt er alles daran, Duncan fertig zu machen, klein zu halten. Alles unter dem Deckmantel, ihm ja nur helfen, ihn aufrütteln zu wollen. Die beiden haben in Little Miss Sunshine bereits zusammengearbeitet. Der junge Schauspieler Liam James hat beim Casting auf Anhieb überzeugt und spielt Duncan großartig. Vor allem die Entwicklung vom schüchternen linkischen Jungen, der wie ein nicht allzu helles Kind behandelt wird, bekommt er sehr gut hin.

Die Angestellten in Water Wizz sind teilweise skurril, gut gezeichnet und alle zusammen sind sie eine Familie. Den zynischen Humor der Erwachsenenwelt lernt Duncan durch Owen nach und nach kennen (und wir haben viel Spaß dabei). Der Soundtrack tut sein übriges für einen spaßigen Kinoabend mit durchaus auch tragischen, sehr menschlichen Untertönen. Die Charaktere wachsen ans Herz und ich kann mich sehr gut in Duncan hineinversetzen, auch wenn die Zeit schon etwas her ist, dass ich in diesem Alter war. Der Film hat auch irgendwie etwas altbackenes, dieses Sommerfrische-Flair mit Ferienhaus und einem Monat Erholung, aber ich denke in den USA gibt es diese Art Urlaub sicher auch noch. Der Soundtrack ist, wie bereits erwähnt grandios und Musik ist auch Thema im Film selbst. Die Zeile „Kyrie eleison“ im Song von Mr. Mister aus den 80er Jahren wird nämlich als „Carry a Laser“ interpretiert und sich ordentlich darüber lustig gemacht. Das ist eine der vielen tollen Szenen. Auch die Dialoge und unter anderem die coolen Sprüche von Owen sind es, die überzeugen. Es ist also ein sehr empfehlenswerter Film, nicht nur für all diejenigen, die ihre Erinnerungen an die eigene (garantiert traumatische) Pubertät wiederaufleben lassen wollen.

Ganz weit hinten kommt am 15. November 2013 im Verleih von Thimfilm in die österreichischen Kinos.

Bewertung

PositivesNegatives

  • cooler Humor und Sommer-Feeling
  • Cast überzeugt
  • gut gezeichnete Figuren
  • Soundtrack

  • typische Geschichte

Rating
83%

 

 

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Category: Filme, TopPost

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Kulturell interessiert an Film, Theaterbesuchen und ähnlichem.
Sollte ein Stummfilm mit Musikbegleitung aufgeführt werden, bin ich wahrscheinlich dort!
Ansonsten halte ich mich mit Lesen, Brettspielen und Pen&Paper Rollenspielen bei Laune. Freu mich schon in einigen Rubriken hier etwas beizusteuern und auf die Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser!

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