Game of Thrones in Wort und Bild

| 22. Mai 2013 | 0 Comments

Immer wieder werden Stoffe in Buch oder Comic Form für TV und Kino umgesetzt, manchmal gut, manchmal weniger gut. Die mehrfach preisgekrönte Serie von HBO „Game of Thrones“ bringt eine filmreife packende Welt ins Wohnzimmer. Die der Serie vorausgehenden Bücher von George R. R. Martin werden wohl von weniger gelesen, finden aber trotzdem reißenden Absatz (15 Millionen verkaufte Bände weltweit). Möglichst „spoilerfrei“ versuche ich die Diskrepanzen und Übereinstimmungen von Serie und Buchreihe für potentielle Seher und Leser darzustellen. Dabei nehme ich an, dass zumindest in die Welt in irgendeiner Form hineingeschnuppert wurde.

Poster Game of Thrones HBO

Die Serie Game of Thrones von HBO

Anschaulicher

Schon die Einstiegssequenz der Serie vermittelt viel besser als das Buch die Geographie und die Gegebenheiten in Westeros und der Umgebung. Das Leben und die Vorgänge in den Städten und Festungen werden durch Zahnräder, die die Form der Ansiedlungen nachbilden (jedes auch noch so kleine Rädchen trägt seinen Teil zur Gesellschaft, zur Geschichte bei) dargestellt. Diese Animationen mit unterlegter Musik kann ein Buch mit Kartenmaterial einfach nicht leisten. Im Buch muss man sich diesen Überblick erst langsam erlesen und immer wieder zu den Karten zurückblättern. Im Verlauf der Handlung werden auch weitere Orte in den Vorspann hinzugefügt, sodass man weiß, welche Schauplätze in Zukunft wichtig sein werden.

Größer und bildgewaltiger

Die grobe Rahmenhandlung wird von der Serie nie verletzt und vor allem in der ersten Staffel hält man sich recht treu ans Buch. Es werden jedoch Handlungselemente für das Medium Fernsehen vereinfacht oder nicht übertrieben, aber etwas prägnanter umgeschrieben. Zum großen Teil ist das sehr nachvollziehbar, weil es für das Fernsehen die Spannung einfach noch einmal höher schraubt.

Beide Handlungen stehen gleichwertig für sich, im Buch wird auf diese nochmal „epischere“ Umsetzung keinen Wert gelegt. Auch so packt einen die Handlung.

Die Umsetzung des Walls im Norden bzw alles Landschaftliche ist grafisch wundervoll in der Serie umgesetzt, es gibt vieles zu sehen. Mit Phantasie und Vorstellungskraft komme ich nicht annähernd an den gewaltigen Wall heran, im Buch ist er für mich einfach eine hohe Mauer. Alles erscheint mir größer in der Serie.

Buchcover A Song of Fire and Ice Bundle

Die Romane. Rechte beim Verlag.

Viele kleine Details, tieferes Verstehen

Was die Extras auf den DVDs oder die Begleitbücher die bereits erschienen sind, schafft die Buchreihe für sich. Handlungsverläufe erscheinen meist schlüssiger, man bekommt mehr Hintergrundinformationen, liest alte Geschichten, die Götterwelt wird anschaulicher. Auch die X-Ray Funktion bei der Kindle Version des ebooks ist praktisch: Personennamen auf der jeweiligen Seite, im ganzen Kapitel oder im Buch werden angezeigt und alle vorkommenden Stellen können wieder angesprungen werden, bis zum ersten Auftauchen. Vor allem bei nicht so wichtigen Personen, die aber wiederkehren und in Vergessenheit geraten sind, ist das hilfreich. Die Extras auf den DVDs erzählen etwa mit der Stimme Brans alte Mythen von Westeros nach und bieten weitere Einblicke.

Empfehlung: Beides! Und: nach Möglichkeit im Original

Nachdem ich die ersten beiden Staffeln gesehen habe und mich der Vollendung des zweiten Bandes nähere, kann ich nur eine Empfehlung aussprechen: Beides. Eigentlich in beliebiger Reihenfolge oder parallel. Am besten im Original! Übersetzungen sind natürlich immer von Verlusten gekennzeichnet, ob von Humor oder Atmosphäre. Allein bei den geographischen Namen sind Fantasy Romane immer schlimm dran. Wer erlaubt Übersetzern aus „Hobbiton“ „Hobbingen“ zu machen oder aus dem „Shire“ das noch viel niedlichere, träumerische Auenland? Als ob englisch klingende Namen die deutschsprachigen Leser (denen natürlich bewusst ist, dass das Original aus der Feder eines englischsprachigen Autors/Autorin stammt) in heillose Verwirrung stürzen würden. Auch in Game of Thrones muss King’s Landing natürlich „Königsmund“ heißen…Die Familie Greyjoy heißt Graufreund. Damit kann ich mich nicht anfreunden. Lady Catelyn darf Lady Catelyn bleiben, das nächste wäre noch dass man sie Käthe nennen muss. Aber genug damit.

Wer übrigens zögert, weil er oder sie mit Intrigen und Mord und Totschlag (natürlich im Fantasy Setting eingebettet) nicht so viel anfangen kann, sei entwarnt. Die Welt ist zwar teilweise düster und brutal, aber es werden nicht nur Schlachten geschlagen und Ideale verraten, es geht vor allem um lebendige Figuren und ihre Schicksale. Und lebendig werden sie und ans Herz wachsen sie sowohl im Buch als auch in der Serie. Und dann gibt es noch die, die man hasst …

Neben der Buchvorlage und der Serie gibt es noch weitere vielfältige Umsetzungen, über zwei davon hat Weltenraum bereits berichtet.

Die Comic Umsetzungen der Vorgeschichte und der Bücher selbst (erster Band bereits erschienen, zweiter Band in Vorbereitung) sind ebenfalls zu empfehlen. Auch Spiele sind erschienen, zum Beispiel das epische Brettspiel „Die Schlachten von Westeros“, in dem man die Häuser von Westeros zu Sieg oder Niederlage führen kann.

Die Weltenraum Renzension zum Comicband Der Heckenritter und zum Brettspiel Die Schlachten von Westeros)

Genug, um vollständig in der Welt vom Lied von Eis und Feuer einzutauchen. Viel Spaß!

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About the Author ()

Kulturell interessiert an Film, Theaterbesuchen und ähnlichem. Sollte ein Stummfilm mit Musikbegleitung aufgeführt werden, bin ich wahrscheinlich dort! Ansonsten halte ich mich mit Lesen, Brettspielen und Pen&Paper Rollenspielen bei Laune. Freu mich schon in einigen Rubriken hier etwas beizusteuern und auf die Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser!

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