Elric #1: Rubinthron

| 2. Februar 2018 | 0 Comments

Elric #1: Rubinthron von Julien Blondel, mit den Zeichnungen und Farben von Robin Recht, Didier Poli, sowie Jean Bastide, ist eine Comicadaption des bekannten Romanzyklus Elric von Melniboné – Die Sage vom Ende der Zeit. Autor dieses Zyklus ist der britische Science-Fiction- und Fantasy-Schriftsteller Michael Moorcock. Im Mittelpunkt steht Elric, der Herrscher über die uralte Dracheninsel von Melniboné, der als Albino vielen als krank und schwach erscheint. Doch Elric ist stärker als gedacht und wird viel Unglück über alle bringen.

Elric #1: Rubinthron, Rechte bei Splitter

Elric #1: Rubinthron, Rechte bei Splitter

Elric #1: Rubinthron ist der Auftakt einer mehrteiligen Reihe, welche die Geschichte des tragischen Anti-Helden Elric neu und frisch erzählen. Man hält sich dabei im Comic nicht sklavisch an die Worte von Michael Moorcock, aber die Änderungen und Ergänzungen, welche Julien Blondel gemacht hat, wurden von ihm selbst abgesegnet. Interessant fand ich, dass dieses Comic nicht nur auf den Büchern von Michael Moorcock basiert, sondern dass der Autor seine Inspiration auch aus dem Rollenspiel Sturmbringer zieht, welches im deutschsprachigen Raum beim Laurin Verlag erschien ist und ebenfalls auf dem Romanzyklus basiert.

Die Bücher der Zyklus erschienen zwischen 1972 und 1980 und sind im deutschsprachigen Raum u.a. als leider bereits vergriffener Sammelband „Elric von Melniboné. Die Sage vom Ende der Zeit“ bei Heyne im Jahr 1984 erschienen. Das Rollenspiel von Ken St. Andre und Lynn Willis basiert von der Story her auf den Büchern, vom Regelsystem her auf einem vereinfachten Runequest Regelwerk, wobei das Magiesystem sehr gut an die Welt der jungen Königreiche angepasst wurde. Das Rollenspiel erschien 1989 bei Laurin, basierend auf der 3. Edition von Chaosium.

Elric #1: Rubinthron stellt natürlich den schwächlichen Albino, König Elric, in den Mittelpunkt. Auf den ersten Seiten erfährt man von der Geschichte von Melniboné, sowie von der Geburt von Elrics. Sehr berührend ist dabei der Blick von Elric als Baby, wie er sich nach Liebe sehnt. Dann springt das Comic in die Gegenwart, wo man den Schlagabtausch zwischen Elric und seinem Cousin Prinz Yyrkoon zu sehen bekommt, wobei Elric dabei eher gelangweilt wirkt, was sehr schön im unteren Panel auf Seite 9 zu sehen ist. Der Streit der beiden zieht sich durch die gesamte Story und endet in der Beschwörung des Chaosgottes Arioch, die keiner Elric zugetraut hätte. Doch etwas fehlt noch, Elrics berühmtes Runenschwert „Sturmbringer“ und dessen Schwester „Trauerklinge“. Noch weiß er anscheinend nichts von diesem Artefakt, das im Buch und im Rollenspiel so typisch für ihn ist. Was mir außerdem im Comic ein wenig gefehlt hat, ist die Belesenheit Elrics, dabei waren ihm Bücher immer wichtiger als der Krieg.

Beim ersten Lesen war ich erstaunt wie wenig elfenähnlich die Bewohner von Melniboné zeichnerisch gestaltet sind, wenngleich man auch sagen muss, dass das genaue Aussehen der Melnibonéer im Roman nicht explizit erwähnt wird. Aber beim Lesen der Romane erschienen sie mir immer sehr elfenähnlich, wobei dazu sicher auch die Illustrationen des Rollenspiels beigetragen haben, insbesondere die Bilder Elrics, gezeichnet von Peter Jones. Die verschiedenen Kostüme der im Palast auftretenden Figuren wirken wie durch Opern, oder die Zenobiten aus den Hellraiser-Filmen inspiriert. Sehr herausragend fand ich die Darstellung von Dr. Jest und von Arioch, dem Gott des Chaos. Dieser ist nicht nur als Kind, wie auch öfters in den Romanen erwähnt, dargestellt, sondern wirkt wie der Inbegriff des scheinbar unschuldigen Kindes, mit wachen, fröhlichen Augen und einem freundlichen Lächeln.

Generell lebt die Comicversion davon, dass die Worte, Beschreibungen, sowie die Erklärungen der Welt von Elric mit einem Mal lebendig werden. Noch nie wurde die Dekadenz des Volkes, welches Elric einerseits anwidert, ihn andererseits aber genauso nährt und akzeptiert, so abscheulich, opulent und voluminös dargestellt. Die Zeichnungen, insbesondere die von Imrryr, der träumenden Stadt, wirken wie einer barocken Version der Oper „Die Zauberflöte“ entsprungen, angereichert mit Düsternis und Verdammnis.

Ein zum Teil krasser Gegensatz, welcher die Macht und Dominanz der Melnibonéer gegenüber den anderen Völkern der jungen Königreiche darstellt, ist im zweiten Drittel des Comics in der Seeschlacht zu sehen, bei der die Schiffe der Dracheninsel wie riesige Schlachtschiffe aus dem Ersten Weltkrieg mit dschunkenartigen Segeln erscheinen, wie man schön auf Seite 32 sehen kann, während die menschlichen Angriffe eher von kleinen Drachenbooten stammen, wie sie die Wikinger benutzten.

Elric #1: Rubinthron endet nicht nur damit, dass Elric seine Feinde unterschätzt hat, sondern auch mit einem ziemlichen Cliffhanger, welcher erst im nächsten Band aufgelöst werden wird. Man kann sehr gespannt sein wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird, auch wenn man die Romane bereits kennt.

Elric #1: Rubinthron, ursprünglich bei Éditions Glénat erschienen, ist seit Dezember 2013 bei Splitter als Hardcover erhältlich.
90 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
eine eindrucksvolle zeichnische Darstellung von Melniboné
die Umsetzung der Romanvorlage ist sehr gelungen
Elrics Charakter ist gut eingefangen
die Zeichnungen sind voller Details und sehr atmosphärisch
Negatives
ein wenig fehlt Elrics Liebe zu den Büchern
die Zeichnungen unterscheiden sich von früheren Darstellungen

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Category: Comics

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Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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