Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch

| 16. August 2014 | 1 Comment

Einsamer Wolf ist eine der bekanntesten Reihen der, vor allem in den 1980ern beliebten Spielbücher. Die Spielbücher zeichnen sich dadurch aus, dass der Leser direkt Entscheidungen treffen kann, welche Auswirkungen auf die Entwicklung der Geschichte haben. Die von dem britischen Fantasyautor und Spieleentwickler Joe Dever erfundene Serie wurde beim Mantikore Verlag neu aufgelegt.

Buchcover

Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch, Rechte beim Mantikore Velag

Das Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch ist in seiner Schlichtheit eher etwas für Fans der Spielbuch-Serie, aber diese Aufgabe erfüllt das Regelwerk mit Bravour. Jede Seite atmet die Atmosphäre der Buchspielserie und man fühlt sich regelrecht in seine Jugend zurückversetzt. Es macht großen Spaß als Kai Lords mit seinen Mitspielern gegen das Böse zu kämpfen. Aber auch für Einsteiger, die mit Rollenspiel beginnen ist es sehr gelungen. Nicht nur das Regelwerk, sondern auch das Abenteuer erklärt sehr vieles und führt den Spielleiter sehr gut durch das Abenteuererlebnis mit seinen Freunden. Doch selbst mit der Erklärung bleiben einige Regelfragen offen, und erfahrene Rollenspieler dürften womöglich die eine oder anderen Tiefe des Regelwerkes vermissen. Auch die fehlende Charakterentwicklung steht einer längeren Kampagne ein wenig im Wege.

Das Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch stellt die zweite Version eines Rollenspiels in der Welt von Magnamund dar. Die erste Version war das The Lone Wolf RPG, welches 2004 bei Mongoose Publishing erschien und auf dem d20-System basiert. Passenderweise hat Joe Dever seine Fantasy Spielwelt Magnamund für einen ADnD Contest entworfen. Die vom Mantikore Verlag übersetzte Version basiert auf dem Lone Wolf Multiplayer Gamebook, welches bei Mongoose/Cubicle 7 im Jahr 2010 veröffentlicht wurde und auf dem selben Prinzip wie die Spielbücher basiert. Das Rollenspiel wurde von Joe Dever und Matthew Sprange, einem der Gründe von Mongoose geschrieben und wurde von Moritz Mehlem ins Deutsche übersetzt.

Das Einsamer Wolf Mehrspielerbuch ist das Grundregelwerk einer Fantasy-Rollenspielreihe, das auf dem einfachen Regelsystem der Einsamer Wolf Spielbücher basiert. Sehr übersichtlich wird einem das Regelwerk dargelegt, beginnend mit der Einleitung, welche nicht nur Rollenspiel an sich, sondern auch die Welt Magnamund im speziellen, erklärt. Die Spieler sind als Kai Lords Mitglieder eines Ordens religiöser Mönche, die kämpferische Fähigkeiten mit Wildniskenntnissen und psionischen Talenten kombinieren. Dennoch entstehen dabei recht unterschiedliche Charakter, sofern die Gruppe nicht zu groß wird.

Die Charaktererschaffung wird als nächstes aufgezeigt und nach 10 Seiten, die ausführlich genug sind, ist der erste Charakter schon erschaffen, inkl. Würfeltabelle für seinen Kai Lord Namen. Zwei Werte sind dabei vor allem wichtig, die Ausdauerpunkte die eine Art Lebensenergie darstellen und die Kampfstärke, welche angibt wie gut der Charakter kämpfen kann. Danach wählt man fünf von zehn Fertigkeiten (den sogenannten Kai-Disziplinen), erhält Ausrüstung und schon ist der Charakter spielbereit. Statt Erfahrungspunkten erhält man weitere Kai-Disziplinen, sodass die Charakterentwicklung sehr überschaubar bleibt.

In der mittelalterlichen Fantasywelt Magnamund treffen die Mächte von Gut und Böse in einem epischen Krieg aufeinander und wollen den allesentscheidenten Sieg erringen. Das gute Königreich Sommerlund steht den finsteren Ländern der Schwarzen Lords von Helgedad, den dunklen Dienern des dunklen Gottes Naar dabei gegenüber. Eines der Merkmale der Welt ist der mystische Orden von Kriegermönchen, den Kai-Lords. Und auch die Spieler sind solche Kai-Lords wie der Einsame Wolf.

Das Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch ist der erste Band einer ganzen Serie von kleinen Büchern, welche nach und nach das Rollenspielsystem erweitern.

Die Regeln für die veschiedenen Situationen, wie man Feinde besiegt, klassische Abenteuerelemente wie Klettern, Springen oder Stürze, werden kurz aber prägnant erklärt. Klar, das kleine Buch mit seinen 154 Seiten und dem bewusst schlanken Regelwerk ist vor allem für Fans der Spielbuch-Serie geeignet. Und bei vielen Situationen muss der Spielleiter auch eine schnelle Entscheidung treffen, da er bei den Grundreglen dafür keine Hinweise erhält.

Gut gelungen ist das Kapitel für den Spielleiter, auch wenn es wiederum sehr kurz ist, verliert es sich doch nicht in allgemeinen Floskeln, sondern hilft wirklich die Welt von Magnamund gut umzusetzen, um die Atmosphäre dieser speziellen Welt einzufangen. Generell kann man sagen dass die Regeln sehr gut helfen die Welt Magnamund wiederzugeben.

Überraschend ausführlich ist die Geschichte von Magnamund dargestellt, sehr nett ist die färbige Karte der freien Königreiche des nordöstlichen Magnamund. Die Karte selbst wird auch in einem eigenen Kapitel sehr gut beschrieben. Im letzten Drittel des Buches gibt es das Abenteuer „Der Auftrag des Händlers“, welches viele Hinweise und Informationen zur Leitung bietet, wie einige Spezialregeln und viele atmosphärische Texte zum Vorlesen.

Einsamer Wolf – Mehrspielerbuch ist bereits beim Mantikore Verlag erschienen und im gut sortierten Fachhandel oder im Verlagswebshop erhältlich.

Bewertung

PositivesNegatives

  • übersichtliches Regelwerk
  • sehr gelungen für Anfänger
  • bietet den Charme der Soloabenteuer/Spielbücher
  • Fans der Einsamer Wolf Reihe werden begeistert sein

  • sehr geringe Regeltiefe, wo unweigerlich Regelfragen auftauchen
  • für längere Kampagnen nicht so geeignet
  • oft zu sehr an die Spielbücher zugeschnitten

Rating
77%

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe.
Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein „Lieblingssystem“ für alle Gegebenheiten zu schnitzen.

Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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