Ein Hochzeitsball mit Zombies

| 30. April 2017 | 0 Comments

Ein Hochzeitsball mit Zombies von Richard Wolfrik Galland besteht aus dem Basisspiel Jane Austens Hochzeitsball, einem schonungslos romantischem Kartenspiel und der Zombieerweitung gemäß der Verfilmung Stolz und Vorurteil & Zombies, nach dem gleichnamigen Roman. Das durchaus witzige Kartenspiel erscheint beim Spieleverlag Corax Games und ist für 3 bis 6 Spieler.

Ein Hochzeitsball mit Zombies, Rechte bei Corax Games

Ein Hochzeitsball mit Zombies, Rechte bei Corax Games

Ein Hochzeitsball mit Zombies ist ein witziges, schnelles Spiel mit den Figuren aus den Romanen von Jane Austen, ohne jetzt dabei in die Tiefe zu gehen oder die Romane gar kennen zu müssen. Auch ohne Zombievariante macht das Spiel, welches schnell erklärt ist, durchaus Spaß. Die Zombievariante bringt mehr Chaos ins Spiel. Gelungen ist, dass man zwar seine wertvollen Damen nicht gegen wenige oder gar 0 Punkte hergeben möchte, aber gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man am Ende des Spiels viele Minuspunkte dafür kassiert, da jede nicht verheiratete Dame in der Gesellschaft gegen die Punkte aus dem Heiratsstapel zählt. Außerdem finde ich es gut, dass man unter Umständen auch durch eine Ablehnung, und somit durch Karten vom Nachziehstapel, profitieren kann.

Das Zombiespiel bringt durchaus Würze in den Ablauf, wobei zwar der Status Verflucht unter den Spielern wandern kann, aber es sehr glücksabhängig ist wer wann und wie lange verflucht wird. Man hat in der Regel, außer durch wenige Gegenstände, keine Möglichkeit dem Verflucht-Status zu entgehen, sondern kann nur darauf hoffen, dass man ihn möglichst bald wieder loswird. Dennoch ist ein unterhaltsames Kartenspiel, selbst für nicht bekennende Jane Austen Fans.

Der Spielablauf wird vereinfach dargestellt. Es wird reihum gespielt bis der Nachziehstapel leer ist. Es gibt dabei Damen und Herren, wobei jede der Karten dabei Werte in Tugend, Charme, Rang und Wohlstand hat. Außerdem gibt es die „Einen Ball geben Karte“, ohne solche Werte. In jeder Runde hat jeder Spieler 1 Aktion, hat er die meisten Damen in seiner Gesellschaft, darf dieser Spieler sogar 2 Aktionen durchführen. Aus folgenden Aktionen kann dabei gewählt werden:

  • Eine Dame aus seiner Hand in seine Gesellschaft ablegen.
  • Einen Herrn aus seiner Hand spielen, um einer Dame aus der Gesellschaft eines andern Spielers einen Heiratsantrag zu machen
  • Eine Dame aus der eigenen Gesellschaft in die Gesellschaft eines anderen Spielers einbringen, sofern dieser weniger Damen hat als man selbst
  • „Einen Ball geben“ Karte spielen, um sich möglichst viele Karten vom Nachziehstapel zu holen
  • Eine Karte vom Nachziehstapel holen

Ein Heiratsantrag kann vom Spieler der Dame angenommen oder abgelehnt werden. Wenn man ablehnt, meist weil man zu wenige Punkte erhalten würde, nimmt der Spieler des Herrn seine Karte wieder auf die Hand und die Aktion endet. Wenn der Rang des Herren den Rang der Dame übertrifft, kann der Spieler der Dame Karten vom Nachziehstapel holen. Wenn man annimmt, werden die Karten getauscht und kommen auf den jeweiligen Heiratsstapel. Durch den höheren Tugendwert sind dabei die Damen meist mehr wert als die Herren. Man vergleicht noch den Wohlstandswert der Ehepartner und der Spieler der Karte mit dem höheren Wert erhält dafür noch Karten aus dem Nachziehstapel. Aus dem Regelwerk geht aber nicht ganz klar hervor, ob der Wert vor oder nach der Ehe gilt, da die Karten ja ihren Besitzer wechseln.

In beiden Fällen ist Charme wichtig, da nur Herren deren Charmewert gleich hoch ist wie der Charme der Dame, einen Heiratsantrag machen dürfen und umgekehrt Damen nur dann einen Heiratsantrag ablehnen dürfen, wenn ihr Charme gleich hoch ist, wie der des Herren. Aber man kann jeweils durch das Abwerfen seiner Handkarten den Charmewert erhöhen. Gewonnen hat der Spieler, welcher in seinem Heiratsstapel in Summe die meisten Tugendpunkte hat, abzüglich der Tugendpunkte seiner unverheirateten Damen in seiner Gesellschaft.

In der Zombievariante, der Ablauf gleicht mit den folgenden Ausnahmen dem Basisspiel, ist zu Beginn des Spiels einer der Spieler verflucht. Für ihn zählt jetzt nicht mehr der Heiratsstapel für den Sieg, sondern er zählt den Tugendwert aller Karten auf dem Schlachtstapel zusammen und zieht die Horrorpunkte der Zombies auf dem Verfluchtstapel ab. Dabei kann der Status Verflucht auf einen anderen Spieler übergehen und schon wird wieder die reguläre Zählweise herangezogen und für den neuen verfluchten Spieler gilt der Schlachtstapel versus Verfluchtstapel.

Eine weitere Änderung ist, dass der Verfluchtspieler immer vor seiner Aktion eine Karte vom EHMZ zieht und diese Aktion durchführt. Es gibt Zombies, welche meist eigene Damen oder Herrn auf den Ablagestapel befördern, was bedeutet dass sie nicht als Punkte gezählt werden. Dafür kann es da am einfachsten passieren dass man den Status Verflucht weiterreichen darf. Dann gibt es noch Geschenke, in den meisten Fällen Waffen, welche es einem Spieler der nicht verflucht ist ermöglichen einen Zombie vom Verfluchtstapel auf den eigenen Heiratsstapel zu legen und dessen Zombiewert am Spielende zu den Tugendwerten dazu zu addieren. Und es gibt Ereignisse, welche in der Regel dafür sorgen, dass die Spieler ihre Damen und Herren auf den Schlachtstapel legen müssen. Das ist ein Freudenfest für den Verflucht-Spieler, wobei es in all unseren Testspielen immer ein Nachteil war verflucht zu sein, denn niemals hat ein verfluchter Spieler das Spiel gewonnen. Ärgerlich ist es vor allem dann, wenn man in den letzten Runden verflucht wird.

Richard Wolfrik Galland ist Mitbegründer des britischen Spieleverlags Warm Acre, seinen Partner Gav Tyler hat er bei seinen Arbeiten für das Fantasy Tabletop Game Warhammer kennengelernt. Bevor er sich selbstständig machte, war er langjähriger Designer bei Hasbro und in seiner Freizeit spielt er leidenschaftlich gerne Rollenspiele.

Ein Hochzeitsball mit Zombies erschien im Oktober 2016 beim Spieleverlag Corax Games. Wir haben bei unserem Test mit 6 Spielern 30 bis 45 Minuten für eine Partie inkl. Aufbau und Regeln durchgehen benötigt.
83 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
selbst das Basisspiel überzeugt durch seine Spielmechanik
Glücksfaktor durch Zombievariante merklich erhöht
schnell erklärt, schnell gespielt und unterhaltsam
die Basisspiel Variante ist überraschend taktisch
Negatives
manche Punkte könnten im Regelwerk besser ausformuliert sein
Verfluchter Spieler gewinnt selten

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Category: Kartenspiele, Spiele

avatar

About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe.
Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein „Lieblingssystem“ für alle Gegebenheiten zu schnitzen.

Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.