DSA5: Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast

| 9. Juli 2016 | 0 Comments

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast von Ulisses Spiele ist der erste Regionalband für die aktuelle 5. Edition des Fantasy Rollenspielsystems Das Schwarze Auge. Obgleich Nostria und Andergast bereits Schauplatz im zweiten DSA Abenteuer Der Wald ohne Wiederkehr aus dem Jahr 1984 waren, bekommen sie erst jetzt einen eigenen Regionalband. Es ist ein Band der mit einigen Vorurteilen aufräumt, aber andere Vorurteile durchaus bestätigt.

Regionalband Cover - DSA5: Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast, Rechte bei Ulisses Spiele

DSA5: Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast, Rechte bei Ulisses Spiele

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast bietet eine echte Fülle an Informationen zu den beiden Königreichen, wenngleich mir persönlich fast schon der Unterschied der Bewohner fehlt, fast sind sie mir in ihrem Habitus und ihrer Kultur zu ähnlich geraten. Wer Abenteuer dort plant oder aber auch seinen Charakter aus Andergast oder Nostria kommen lassen möchte, wird um dieses Buch kaum herumkommen. Auch merkt man dem Regionalband an vielen kleinen Details, wie der Meistermaske, den Schachfiguren bei Nichtspielercharakter, den informativen Kartenmaterial etc. an dass man hier nicht nur einfach die alte Reihe der Regionalbände fortführt, sondern dass man sich wirklich Gedanken über die Struktur und den Aufbau gemacht hat.

Die Bewohner von Nostria und Andergast haben zum Glück durchaus vieles von ihrer früheren Tölpelhaftigkeit und Operettenhaftigkeit verloren, aber auch von ihrer Armut und teilweise Armseligkeit. Das klassische Ritterturm wird mehrfach im Regionalband betont, so oft und sehr dass ich mich Frage ob dieses Rittertum in Weiden oder Garetien ausgedient haben mag? Die beiden Königreiche sind stärker eine kleineres Ausgabe des Mittelreiches und zukünftige Regionalbände werde die Unterschiede zwischen den Bewohner von Andergast und Nostria und den Bewohnern von Tobrien, Kosch und Weiden herausstreichen müssen.

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast waren vor allem zur Zeit der 4. Edition die Einsteigerregion schlechthin, als eine Art ärmliche Version des Mittelreichs. Die wichtigste Quelle und sozusagen die Vorläuferpublikation der hier nun besprochenen Themen war dabei der Regionalband G2 – Unter dem Westwind aus dem Jahr 2004. Vom Umfang her war der Band gleich groß, aber es fanden sich nur in rund einem Viertel des Bandes Informationen zu Nostria und Andergast. Daher gibt es auch viele neue Details für alle, welche den alten Regionalband haben. Zur Zeit der 3. Edition waren die beiden Fürstentümer, welche sich im Jahre 999 BF zu Königreichen erhoben haben, vor allem für skurrile bis obskure Abenteuer wie Ein Stab aus Ulmenholz, Straßenballade oder Liebliche Prinzessin Yasmina bekannt.

Auch ich habe im Laufe der Jahre an die zwei Dutzend Abenteuer in dieser Region gespielt und für mich waren diese beide Reiche immer der Urbegriff des Operettenstaats. Reiche, die von langen Fehden und Kleinkriegen ausgeblutet sind und sich hinter großem Pomp, bunten Uniformen und zahlreichen Titeln verstecken und damit verbergen dass weite Teile der Bevölkerung in tiefster Armut leben und die Herrschenden zunehmend an Einfluss und Macht verlieren.

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast folgt im Aufbau dem Aventurischen Almanach und man findet zu jedem Thema, das die beiden Königreiche betrifft, Informationen. Schade fand ich dass man zwar ständig von wechselnden Kriegserfolgen zwischen Nostria und Andergast hört, dass Dörfer in den letzten Jahrzehnten oft mehrmals ihren Besitzer gewechselt haben, dass Grenzen nicht exakt zu bestimmen sind, aber dies spiegelt sich in der Grenzregion nicht wieder, da scheint es sehr starre Grenzen zu geben. Sehr angenehm finde ich die Tabelle mit den Entfernungen einzelner Wegstrecken. Oft tauchen solche Fragen auf und da kann man schnell nachschlagen.

Interessant finde ich dass man in den Regionalbänden wieder, wie zu Zeiten von Das Schwarze Auge 3. Edition bzw. 2. Edition, wesentlich stärker auf Regelergänzungen zu Charakteren aus der Region setzt. Gab es in den Regionalbänden der 4. Edition keinerlei Regelinformationen, so gibt es zahlreiche Ergänzungen zu speziellen Professionen wie dem Deichbauer oder Holzfäller, wobei ich mich frage ob er einen großen Unterschied zu Holzfällern im Bornland oder in Weiden aufweisen würde. Aber auch die Möglichkeit Graumagier des Kampfseminars Andergast, Eulenhexe oder Sumudiener zu spielen, wird geboten.

Dazu kommen Motivationen, Waffen, Wesenszüge, Sonderfertigen, Dolchrituale und vielerlei mehr, was eine regionale Auswirkung besitzt. Man kann sich in DSA 5 auf jeden Fall wesentlich stärker regional geprägte Charakter erschaffen, wobei vieles davon eher Fluffregeln sind, da es für das Spiel im Allgemeinen recht unerheblich ist ob man als Spieler einen besonderen regionalen Bonus erhält oder nicht. Die Gefahr ist eher dass Spieler sich bei der Charaktererschaffung ihre Optionen aus den verschiedenen Regionalbänden zusammensuchen und mit dem Argument „Das würde aber schon auch gut zu meiner Heimatregion passen“  verwenden wollen.

Da wäre es durchaus nützlich wenn sich Ulisses Spiele die Mühe machen würde bei neuen Regionalbänden als pdf-Ergänzung aufzulisten welche der, in bereits erschienen Regionalbänden für diese Region verwendbare Charakteroptionen wo zu finden sind. Weil besagter Holzfäller würde sich auch sehr stimmungsvoll im Bornland als Professionspaket machen. Während die Hintergründe wie Motivationen sehr gut und zum Teil auch recht ausführlich beschrieben werden, sind die Professionen überraschend kurz gehalten. Was wir bei der Charaktererschaffung diskutiert haben, aber wo wir nicht unbedingt zu einem Ergebnis kamen war die Frage inwieweit zukünftige Regelwerke zum Beispiel zum Thema Magie die Möglichkeiten der Regionalbände ausschöpfen. Und ob einem später wichtige Optionen fehlen werden, da neue Regelwerke ja auch immer neue Möglichkeiten bieten.

Interessant fand ich die Ahnenzeichen, so eine Art magische Symbole, welche aber eine recht kurze Wirkungsdauer haben. Da wäre es durchaus spannend gewesen die Ahnenzeichen mehr für Abenteuer zu verwenden. Die Helden betreten eine Ruine und finden so ein seit Generationen noch aktives Ahnenzeichen. So sind sie mehr Symbole, welche man für seine Ausrüstung verwendet kann und die nach einem Tag erneuert werden müssten. Praktisch ist auch dass vor dem Kapitel Mysteria & Arcana, welches ausschließlich Meisterinformationen enthält, welche auf den vorhergehenden Seiten mit dem Meistermaskensymbole gekennzeichnet wurden, nach dem Index folgt. Es finden sich auch so manche Meisterpersonen auf diesen Seiten wieder, fast schon mehr Nichtspielercharakter als Geheimnisse. So können Spieler ohne Angst vor Aufdeckung eines Meistergeheimnisses den Index verwenden. Das ist ein weiteres kleines Detail, welches zeigt wie durchdacht und erprobt diese Regionalbände sind.

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast bringt ein ganzes Bündel an kostenpflichtigen Begleitwerken mit. Darunter findet sich neben dem Abenteuerband Neue Bande & Uralter Zwist mit der Rüstkammer der Streitenden Königreiche auch ein eigener Ausrüstungsband. Weiters gibt es das Spielkartenset mit regeltechnischen Informationen aus der Regionalbeschreibung, den Abenteuerband, den Soundtrack, das Landkartenset zur Region und auch das Heldenbrevier der Streitenden Königreiche mit Ingame-Texte zur Region. Einerseits ist das natürlich ein Vorteil, man braucht zum Beispiel nicht unbedingt die Karten doppelt wenn man bereits welche hat und muss diese nicht mitbezahlen. Auch kann man sich entscheiden ob man die für einige Spielgruppen sicher sehr nützlichen Spielkartensets benötigt oder nicht. Dafür sind die notwendigen Informationen auch etwas aufgesplittet.

Das Heldenbrevier der Streitenden Königreiche bietet ähnliche wie Auf Avespfaden als Begleitband zum Aventurischen Almanach, Informationen über Land und Leute aus der Sicht zweier Reisender durch die Region. Wenngleich man sich diesmal eindeutig mehr Mühe gab über das Leben und die Kultur der Bewohner zu erzählen, ist auch dieses Heldenbrevier zu sehr ein Roman. Es wäre eine Art Reiseführer nützlicher, mit einer Liste der bekanntesten Getränke, gefürchtensten Tieren, geachteten Druiden, dem Aberglaube etc. Ein Heldenbrevier, also ein nützliches Heldenbrevier sollte ein Füllhorn an Informationen über und von den Bewohnern sein. Man möchte als Meister dadurch den Lokalkolorit seines Abenteuers erhöhen und dazu braucht man Informationen über das Land und vor allem über ihre Bewohner.

Die Streitenden Königreiche Nostria und Andergast ist ein Regionalband für das Rollenspielsystem Das schwarze Auge von Ulisses Spiele und ist seit Mai 2016 als pdf und als Hardcover in einer regulären und einer limitierten Sonderausgabe erhältlich. Das Heldenbrevier der Streitenden Königreiche ist ebenfalls seit Mai 2016 als pdf und als Hardcover erhältlich.
78% von 100%
Weltenraum WertungWertung
Positives
gelungener Einstand der Regionalbände
neue Struktur und Aufbau sind sehr durchdacht
ausführliche Informationen zu allen Bereichen der Kultur und des Landes
Bewohner sind keine Operettenfiguren mehr
Spielercharaktere mit den Regeln stark regionalisierbar
Negatives
kulturelle Unterschied verschwimmt zunehmend
viele Professionen und Regeloptionen auch für andere Regionen verwendbar
keine regionalen Optionen für später erscheinende Regelwerke

Tags: , , , , , , , , , , ,

Category: Rollenspiele, Spiele

avatar

About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.