Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit

| 3. Dezember 2016 | 0 Comments

Das lange Warten hat sich gelohnt: endlich kommt Dragon Quest VII auch in Europa auf den Markt. Im handlichen DS-Format prügelt man sich als der schweigsame Fischerssohn durch hundert Stunden Japan-RPG-Remake und holt eine ganze Welt aus der Versenkung

Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix.

Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix.

Dragon Quest VII kam bereits im Jahr 2000 auf den japanischen Markt, kurze Zeit danach auch in den USA für die PlayStation. Das DS-Remake gibt es in Japan schon seit 2013, und endlich haben sich Square Enix und Nintendo der europäischen SpielerInnen erbarmt und eine Europa-Version herausgebracht.

Das Spiel folgt dem Prinzip aller anderen Dragon Quest Teile: Ein Junge zieht los auf Abenteuer, trifft dabei Freunde und bekämpft Monster, um sich aufzuleveln und Bosse zu besiegen. Dabei geht es um den großen Kampf gegen das Böse.

Im 7. Teil der Reihe zieht der Held mit seinen Freunden los, um in gewohnter Akira-Toriyama-Optik (auch bekannt aus Dragon Ball) im Meer versunkene Inseln wieder auftauchen zu lassen. Dies geschieht, indem man Mosaikscherben sammelt und diese verwendet, um sich in die Vergangenheit versetzen zu lassen. Dort kann man durch bewährte Methoden wie leveln, kleine Rätsel lösen, oder den Boss zu besiegen, das durch das Große Böse hervorgerufene Unrecht halbwegs wieder gerade biegen, um die Inseln wieder aus dem Meer auftauchen zu lassen.

Die Spielfiguren können wieder einer Auswahl an Berufungen folgen, die strategisch gewählt und eingesetzt werden, um besser mit Bossen fertig zu werden. Wenn man merkt, dass der Boss mit der Party bestehend aus Tänzer, Heiler, Priester und Matrose den Boden aufwischt, kann man sich ein, zwei Stunden damit vertreiben eine rabiatere Berufung zu ergreifen und zu leveln, schon ist der Boss nichts weiter als ein Ärgernis am Wegesrand. Es gilt, wie für frühere Teile: Leute, die Geduld haben, die Charaktere immer leicht überlevelt halten, haben weniger Probleme mit Bossen und daher mehr Spaß am Spiel. Das muss man natürlich gegen die Grind-Zeiten abwägen. Alternativ kann man auch taktisch spielen, aber in diese Verlegenheit bin ich bei Dragon Quest noch nicht gekommen.

Gleich gibt's Ärger. Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix

Gleich gibt’s Ärger.
Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix

Negativ anmerken kann man dass der Blickwinkel des Spiels ein bisschen zu nah am Geschehen ist. Das könnte bei manchen SpielerInnen, vor allem solchen die Probleme mit 3D bekommen, für leichte Desorientierung sorgen. Manchmal ist die Kamera gezwungen so nahe zu gehen, dass man die Charaktere nicht mehr sieht, und auch nicht wohin man unterwegs ist. Meine andere Beschwerde hat mit der Länge des Spiels zu tun. SpielerInnen, die sich auf Dragon Quest einlassen wissen, dass ihnen ein langes Abenteuer bevorsteht. Angesichts dessen stört es vielleicht nicht, wenn man anfangs nur Vasen und Töpfe als wehrlose Gegner bekommt und erst einmal zwei Stunden lang auf der ersten Insel hockt und nichts Relevantes passiert. Neulinge des Games werden sich hier doch etwas wundern. Doch schon bald entwickelt sich das Spiel und es wird zum Teil so umfangreich, dass man froh ist, dass es zum größten Teil relativ linear verläuft. Zudem gibt es „Stimmen aus dem Himmel“, die helfen, den verlorenen Faden wieder aufzunehmen. Bei einem Spiel von dieser Länge und Umfang ist das auch dringend nötig.

Was das Spiel manchmal künstlich verlängert sind Aufgaben von Nichtspielercharakteren, die man zwingend übernehmen muss und die daraus bestehen, dass man zwischen zwei Punkten hin und her läuft, um einen Satz Information zu bekommen, den man anschließend wieder zurück bringt.

Kleine Rätsel, um weiterzukommen. Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix

Kleine Rätsel, um weiterzukommen.
Alle Rechte bei Nintendo | Square Enix

Obwohl man sich als SpielerIn von der alten Routine einlullen lassen kann, gibt das Spiel ein bisschen mehr her. Zum Beispiel ist da die Geschichte, die einen trotz aller Abgebrühtheit mitnimmt und teilweise traurig zurücklässt. Nicht alles was im Storyverlauf geschieht, lässt sich gutmachen und manchmal verschwinden Charaktere, die man lieb gewonnen hat, im Strudel der Zeit. Als ein Charakter, den ich mochte, die Gruppe verlassen hat, war ich so traurig, dass ich das Spiel für einige Tage liegen lassen musste. Danach habe ich seine gesamte Ausrüstung in meinem Beutel unberührt gelassen in der Hoffnung, dass er zurückkommt. Ob er zurückkommt? Keine Spoiler! Aber traurige und lustige Geschichten, die nun mal passieren, weil Menschen manchmal dumm oder edel oder verliebt sind, und weil die Zeit vergeht, heben die Story in Dragon Quest VII über den Durchschnitt.

Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit bietet eine Menge Spielspaß fürs Geld, für effiziente SpielerInnen um die 100 Spielstunden, für mich waren es ein bisschen mehr. Dazu gibt es eine wirklich gute Geschichte, die sich aus scheinbar hunderten Fäden zu einem großen Ganzen zusammensetzt, berührende Kapitel über menschliche Stärke und Schwäche, den Glauben an das Gute und den Kampf gegen das Böse. Dazu gibt es ein gut handelbares System an Berufungen und viele verschiedene Zauber und Fertigkeiten. Diese werden erfahrenen Dragon Quest SpielerInnen bekannt vorkommen, ebenso wie die Mini-Medaillen, das Kasino und die Monsterinsel, das Schiff und der fliegende Teppich.

Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit von Square Enix erscheint bei Nintendo am 16. September 2016 für 3DS. Wir haben das Spiel auf einem Nintendo 3DS XL getestet.
95 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
super Story
Toriyama-Design
sehr umfangreich
gutes altes Dragon Quest
Negatives
Kameraeinstellungen
zum Teil nervige fetch quests
gemächlicher Anfang

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Category: 3DS / 2DS, Games

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Lektorin & Sprachwissenschafterin. Außerdem: Büchervertilgerin & passionierte Kinogängerin. Nintendo-Nerd. Pen-&-Paper-Prinzessin.

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