Dieser Volkszähler

| 24. September 2017 | 0 Comments

Dieser Volkszähler von China Miéville ist ein Buch über einen Mord, den niemand beweisen will, über einen Zeugen, den niemand schützen kann und über eine Stadt, in der es statt Maschinen geheimnisvollen Kräfte gibt. Es offenbart die düsteren Abgründe unserer Zeit.

Dieser Volkszähler, Rechte bei Liebeskind

Dieser Volkszähler, Rechte bei Liebeskind

Dieser Volkszähler ist ein recht sperriges Werk von China Miéville. Die Erzählung des Jungen wechselt immer wieder von der ersten in die dritte Person, die Sätze wirken zum Teil recht abgehackt. Vieles, fast schon zu vieles, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Dafür verschwendet China Miéville in seinem recht kurzen Roman auch keine Sätze. Knapp, prägnant und verkürzt erzählt er die Geschichte des Jungen. China Miéville zeigt dem Leser, dass Kinder auch in einer postapokalyptischen Umgebung noch träumen können.

Dieser Volkszähler handelt von einem Jungen, der mit seinen Eltern auf einem Berg oberhalb des Brückendorfes, in einem abgelegenen Haus lebt. Der Vater ist Schlüsselmacher und wird weithin für seine Kunst gerühmt. Oft steigen die Leute den Berg hinauf und tragen ihr Anliegen vor und von den Schlüsseln erzählt man sich, dass sie magische Kräfte haben. Doch dann wird der Junge Zeuge einer grausamen Tat und flieht hinunter ins Dorf. Außer Atem, mit blutigen Händen und zitternd vor Angst erzählt der Junge, seine Mutter habe seinen Vater erstochen. Sicher ist er sich aber nicht. Vielleicht war es auch der Vater, der die Mutter getötet hat.

Kriege, Artefakte, Besucher und selbst der titelgebende Volkszähler tauchen oft nur am Rande auf, werden nur schemenhaft erwähnt und verschwinden wieder im Nebel der Erzählung. Die Handlung wird aus der Sicht des Jungen erzählt, allerdings als eine Geschichte, die vor vielen Jahren geschehen ist, denn jetzt ist er ein alter Mann. Seine Erinnerungen werden teilweise mit Gedanken aus einer späteren Zeit gemischt und auch wenn die Erzählung schwer zugänglich ist, ist es durchaus eine schöne Erzählung.

Der Brite China Miéville, welcher seine Geschichte gern dem Genre „Weird Fiction“ zuordnet, hat mit Dial H – Bei Anruf Held seine erste größere Comicserie erzählt, davor ist er aber mit zahlreichen Romanen sehr bekannt geworden und mit seinen unorthodoxen Ideen. Für seine Romane erhielt er unter anderem den Arthur C. Clarke Award, den British Fantasy Award, den Hugo Award und den World Fantasy Award. China Miéville kandidierte 2001 für die Internationale Sozialistische Allianz bei den britischen Unterhauswahlen, bis 2013 war er aktives Mitglied der Socialist Workers Party.

Die Verlagsbuchhandlung Liebeskind wird im Januar 2000 als Verlag für zeitgenössische Literatur von Hans Liebeskind und Jürgen Christian Kill gegründet. Der Verlag für junge Literatur verlegt acht bis zehn Titel im Jahr, darunter viele Neuentdeckungen.

Dieser Volkszähler von China Miéville, in der Übersetzung von Peter Torberg, ist seit Januar 2017 bei Liebeskind als gebundene Ausgabe und ebook erhältlich.
72 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
die Geschichte weiß durchaus zu fesseln
man überlegt mit dem Jungen mit was passiert sein könnte
durchaus mal etwas anderes
klare Sprache, gut zu lesen
Negatives
Springen zwischen 1. und 3. Person irritiert
man wird bei zu viel im Dunklen gelassen
kein richtiges Ende, alles bleibt sehr offen

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Category: Bücher

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Als Bücherwurm geboren, liebe ich fast jede Gattung der Literatur und verschlinge Bücher zu jeder Tages- und Nachtzeit. F Ich freue mich bereits für Weltenraum mein Talent einsetzen zu können und unseren Lesern viele gute Bücher empfehlen zu können.

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