Die Toten der Villa Triste

| 14. Juni 2013

Ein ehemaliger Partisan wurde erschossen, nachdem man ihn offenbar gezwungen hatte, ein Pfund Salz zu essen. Das ist die Ausgangslage des Kriminalromans „Die Toten der Villa Triste“ von Lucretia Grindle. Hat es mit der Vergangenheit zu tun, oder ist es mehr ein Fall für die Gegenwart?

Cover des Kriminalromans

Die Toten der Villa Triste von Lucretia Grindle, Rechte bei Goldmann

Geschickt versteht es Lucretia Grindle Inspektor Pallioti während der Wartezeit zwischen Verhören oder der Reise zu den einzelnen Verdächtigen in dem alten Tagebuch von Caterina blättern zu lassen und die bedrückende Zeit der Jahre 1943 und 1944 so auch für den Leser greifbar zu machen. Lucretia Grindle hat einen intelligenten Krimi geschrieben, welcher die gefährlichste Zeit von Florenz heraufbeschwört. Gefallen hat mir, dass man merkt dass Lucretia Grindle Florenz sehr gut kennt. Ihre oft so nebensächlich wirkende Beschreibung hat Florenz regelrecht vor meinen Augen erblühen lassen. Der Krimi weiß zu fesseln, ist spannend geschrieben. Trotz seiner gemächlichen Gangart lernt man auch Inspektor Pallioti gut kennen, er ist keiner dieser auswechselbaren Detektive, er ist sehr menschlich, mit Fehlern aber auch mit einer großen Gabe. Dieser Umstand entschuldigt auch dass man bereits vieles sehr früh erahnen kann und der Fall nicht sonderlich überraschend gelöst wird. Jedoch ist es eine Freude den Fall mitzuverfolgen und man kann das Buch nur schwer aus der Hand legen, weil es einen so fesselt.

Die Toten der Villa Triste beginnt mit einem Mordfall in desem Zuge Inspektor Alessandro Pallioti in der Wohnung des Opfers das alte Tagebuch von Caterina, einer Krankenschwester findet, die während der deutschen Besatzung in den Konflikt zwischen Faschisten und dem Widerstand hineingezogen wurde. In ihrer Heimatstadt Florenz war die Villa Triste eine der Terrorzentralen der Nazis und wer sie einmal betratt, verließ sie nicht wieder.

Lucretia Grindle ist aufgewachsen in Sherborn, Massachusetts und studierte am Dartmouth College. Die Toten der Villa Triste ist ihr dritter Roman, von denen alle ihre Vorliebe zu Florenz gemein haben. Gemeinsam mit ihrem Ehemann lebt sie abwechselnd im englischen Devon und in ihrem Heimatstaat Massachusetts.

Die Erzählung wechselt immer zwischen dem Florenz der Gegenwart, während Inspektor Alessandro Pallioti seinen Kriminalfall untersucht, und dem Florenz zur Zeit des zweiten Weltkriegs, als die Stadt von Deutschland besetzt war. Erstaunlicherweise kommen die Deutschen, bis auf wenige Ausnahmen kaum als Protagonisten im Roman vor, sondern nur als gefährlicher Fakt. Weiters wird Florenz in der deutschen Besatzungszeit beschrieben, wo Caterina ihre Ängste um ihren Verlobten und ihrer Familie, die Angst vor den Bomben der Allierten, die Angst vor den italienischen Faschisten, den deutschen Besatzern, vor der Verzweiflung, ihrem Tagebuch anvertraut und ihren Weg in den Widerstand findet.

Die Toten der Villa Triste erscheint mit 672 Seiten in deutscher Sprache bei Goldmann am 18. Februar 2013.

Bewertung

PositivesNegatives

  • Die Erzählung entfaltet sich ruhig
  • Ein lebendiges und authentisches Florenz
  • Geschickter Wechsel zwischen der Gegenwart und Vergangenheit
  • kein austauschbarer Ermittler

  • Entwicklung zum Teil früh erkennbar
  • womöglich eine Spur zu unspektakulär

Rating
86%

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Category: Bücher, TopPost

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Als Bücherwurm geboren, liebe ich fast jede Gattung der Literatur und verschlinge Bücher zu jeder Tages- und Nachtzeit. F Ich freue mich bereits für Weltenraum mein Talent einsetzen zu können und unseren Lesern viele gute Bücher empfehlen zu können.

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