Die Tote vom Naschmarkt

| 17. September 2013 | 0 Comments

Die Tote vom Naschmarkt: Ein Wien-Krimi. Der zweite Krimi der gebürtigen Münchnerin Beate Maxian um die Wiener Journalistin Sarah Pauli startet mit einer Leiche am Naschmarkt und führt in die höchsten Kreise der Wiener Society.

Ansicht Stephansdom, Riesenrad

Die Tote vom Nachmarkt, Rechte bei Goldmann Verlag

Der Roman spricht Leser auf zwei Ebenen an: einerseits gibt es einen Fall zu lösen, andererseits spielt der Fall vor der Kulisse der Stadt Wien. Zweiteres wird für Wiener spannender sein als für andere Leser, also fange ich am besten mit dem Krimi an.

Die Journalistin Sarah Pauli schreibt eine Kolumne über Aberglauben für den Wiener Boten, eine imaginäre Wiener Tageszeitung, die ihre Büros in der Gegend des tatsächlich existierenden Kurier hat. Seit ihrem letzten Fall hat sie den Verdacht, dass aus ihr eine Enthüllungsjournalistin werden sollte. Gleichzeitig hat ihr dasselbe Ereignis eine sehr reale Angst vor solchen Abenteuern eingejagt.

Und da ist sie, als ihr drei abgetrennte Finger der Leiche zugeschickt werden, die kürzlich am Naschmarkt gefunden worden war. Die Tote hatte kurz zuvor bei einem Gerichtsverfahren ausgesagt, bei dem ein Söhnchen aus gutem Hause freigesprochen wurde.

Gleichzeitig ermittelt die Polizei im selben Fall, der Anwalt des Angeklagten aus eben jenem Gerichtsfall gerät ins straucheln, und die beste Freundin des Opfers vom Naschmarkt macht sich ebenfalls daran, die zusammenlaufenden Fäden zu entwirren.

Maxian wechselt von einer Erzählperspektive zur anderen, meistens ohne sich zu verzetteln. Wer poetische Sprache erwartet, wird enttäuscht sein, jedoch passt der spröde journalistische Stil gut zur Textform. Die Protagonisten sind meistens nicht blöd oder sinnlos abenteuerlich, haben auch nicht unerklärliche Glücksfälle, die ihnen die Richtung zur Lösung des Falls weisen. Einzig die Notwendigkeit, Sarah Pauli als wiederkehrenden Charakter mit Profil führen zu müssen führt zu einigen nervtötenden Momenten, in denen ihre unterdrückten Gefühle für ihren Chef erwähnt werden.

Die Stadt als Kulisse wird durch präzise Nennung von Straßennamen und öffentlicher Verkehrsmitteln eingeführt. Außer der Moment, wo die Heldin vom Naschmarkt mit der U3 zurück ins Büro bei der Neubaugasse fährt (nope, U4 und 13A sind hier gefragt). Beschreibungen von Gebäuden fallen zum Glück weg, was eine barocke Schleife im trockenen Erzählstil verursacht hätte. Fragt sich allerdings, was daran nicht auch woanders hätte stattfinden können?

Diese Frage beantwortet sich teilweise durch das gelungene Gesellschaftsporträt, das Maxian hier für ihre Leser zeichnet: soziale Aufsteiger, allmächtige Ex-Politiker, mit allen und jedem verbandelte Journalisten und das alles auf Wiens kleinem Parkett, wo man kaum umhin kann, jeden zu kennen und Spekulationen anzustellen. Lustigerweise liest sich der Roman als who-is-who der Wiener Society, was für Kenner eine weitere Dimension bedeuten könnte, die dieses Buch noch unterhaltsamer macht. Leider gehöre ich nicht zu den Eingeweihten.

Als Fazit bleibt ein intelligenter Krimi, ein vergnüglicher Lesenachmittag, mit einem sehr wienerischen Abschluss, der dennoch befriedigend ist. Leseempfehlung!

„Die Tote vom Naschmarkt“ erscheint in deutscher Sprache am 19. Dezember 2011 im Goldmann Verlag.

Bewertung

PositivesNegatives

  • gelungene Wechsel der Erzählperspektive
  • typisch Wienerisch
  • Trockener Erzählstil passt gut zum Krimi

  • Peinliche “gefühlvolle“ Absätze um Hauptcharakter näher einzuführen
  • kleinere Fehler in der Stadtbeschreibung

Rating
85%

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Category: Bücher, TopPost

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Lektorin & Sprachwissenschafterin. Außerdem: Büchervertilgerin & passionierte Kinogängerin. Nintendo-Nerd. Pen-&-Paper-Prinzessin.

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