Der Vampir von Havena

| 9. April 2016 | 1 Comment

Der Vampir von Havena von Sebastian Thurau ist das erste Solo-Abenteuer für die 5. Edition des Rollenspielsystems Das Schwarze Auge von Ulisses Spiele. Man braucht keine Vorkenntnisse um dieses Abenteuer spielen zu können, ein spielbereiter Charakter, der halbelfische Streuner Carolan Calavanti ist dem Heft enthalten um in der Hafenstadt Havena ein gefährliches Abenteuer zu erleben.

Abenteuer Cover - Der Vampir von Havena, Rechte bei Ulisses Spiele

Der Vampir von Havena, Rechte bei Ulisses Spiele

Der Vampir von Havena ist durchaus für Neueinsteiger geeignet, es wird alles sehr schön und übersichtlich erklärt was man fürs Abenteuer benötigt. Zu einem kleinen Teil ist es auch für Spieler interessant welche zwar bereits Das Schwarze Auge gespielt haben, aber die neue Regeledition noch nicht kennen. Der Charakterbogen ist zwar vollständig abgebildet und könnte sofort auch für Gruppenabenteuer verwendet werden, aber viele der Werte kommen im Soloabenteuer selbst nicht vor. Daher kann man weniger einen Eindruck vom neuen Regelwerk als vom neuen Layout, dem Aufbau, der Struktur und der wirklich hochwertigen Verarbeitung erhalten. Es gibt einen schön bedruckten Umschlag mit Spezialapplikation, sodass gewisse Elemente hervorgehoben werden, das Heft ist komplett in Farbe, hat eine gute Papierstärke, etc. Das Abenteuer selbst ist mit leichter Feder geschrieben, bietet eine große Bandbreite an Ereignissen, liest sich gut, ist aber auch recht geradlinig gehalten.

Ein Soloabenteuer ist wie ein Roman welcher in viele kleine durchnummertierte Abschnitte unterteilt ist. Der Leser wird dabei vor verschiedene Entscheidungen gestellt bei dem er unterschiedliche Abschnitte wählen kann, oder das Ergebnis unterschiedlicher Würfelproben führt den Spieler zu bestimmten Abschnitten. Man hat somit Einfluss auf das Abenteuer und kann es auch ganz alleine führen.

Der Autor hat in diesem Abenteuer zahlreiche kleine Anspielungen auf verschiedene DSA Abenteuer versteckt, das reicht vom Fluch des Mantikors bishin zu seinem eigenen Abenteuer Esche & Kork. In den meisten Fällen bleibt es eine kleine Bemerkung, ein Hinweis auf einen Schlangenkult, auf einen ehemaligen Händler, etc. Ein kleiner Widerspruch steckt hingegen in der Geschichte des Charakters für den Spieler, denn er ist der Streuner Carolan Calavanti welcher aus Vinsalt stammt aber laut dem Abenteuer, wie mehrmals erwähnt wird, Havena noch nie verlassen hat. Dieser Widerspruch ist jedoch nicht dem Autor passiert, sondern in der Redaktion, schmälert den Spielspaß selbst jedoch nicht.

Verwirrender ist dabei dass ein Handlungselement, der Held ist auf dem Weg zur Konfrontation mit dem Bösewicht, nicht erklärt wird. Warum der Held oder einer seiner Helfen wissen wo der Bösewicht sich verbirgt, das wird leider nicht erklärt. Und auch der Ansatz dass die Figur eben mystisch sei, greift bei dem blinden Fischer mit dem die sumpfige Unterstadt spricht, wohl zu kurz.

Der Vampir von Havena beginnt inmitten einer Verfolgungsjagd, welche ungefähr der Mitte der Geschichte entspricht, danach springt man zurück zum zeitlichen Beginn des Abenteuers um dann nach rund 1 – 2 Stunden Spielzeit zum Beginn eben jeder Verfolgungsjagd zu kommen, um anschließend das Rätsel des Abenteuers aufzulösen. Das ist ein wenig verwirrend und wer einige der Textpassage nicht genau liest, kommt dabei ein wenig ins schleudern, aber die Idee ist auch interessant.

Auch weil der Autor scheinbar versucht vieles in seinem Abenteuer unterzubringen, Anspielungen auf alte DSA Abenteuer, überraschende Wendungen, mehrere Zeitebenen, ein wenig Kampf, einen Einbruch, ein großes Finale,… hat er für vieles nur beschränkten Platz. Viele Entscheidungen, die man im Abenteuer trifft haben dann leider keine größere Auswirkung, ob man jetzt auf einer Mauer balanciert oder hinunterfällt, ob man sich bei der Gabelung nach recht oder links entscheidet, es fehlen mir dabei zum Teil schlimmere Auswirkungen als dass man 2 Trefferpunkte verliert.

Was mich aber noch mehr wurmt ist dass man bei vielen Entscheidungen, vor allem wenn es darum geht, wo man z.B. entlang geht, keine Anhaltspunkte für eine Entscheidung hat. Besser gelöst ist das beim Einbruch, wo ich in vielen Fällen mehr Informationen erhalte, sei es die Möglichkeit durch ein Schlüsselloch zu sehen, sei es dass ich Stimmen höre, oder es hinter der Tür scheinbar ruhig und finster ist. Auch dass man beim Einbruch Lärm verursachen kann und ab einer bestimmten Anzahl dieser Lärmpunkte geht es bei einem bestimmten Abschnitt weiter und unser Held sitzt dann ein wenig in der Bredouille, ist nett umgesetzt. Gut ist weiters dass man, wenn man bestimmte Abschnitte wiederholt, andere Ereignisse vorfindet, dazu kann man beim jeweiligen Abschnitt Markierungen setzen.

Abgerundet wird das Abenteuer mit einer recht guten Zusammenfassung über das aktuelle Havena. So wird insbesondere auf das dort herrschende Magieverbot eingegangen. Außerdem gibt es den ausgefüllten Charakterbogen, den man auch sofort in einem Gruppenabenteuer verwenden könnte.

Der Vampir von Havena ist ein Abenteuer für das Rollenspielsystem Das schwarze Auge von Ulisses Spiele und ab 07. Okober 2015 als pdf und als Softcover erhältlich.
72% von 100%
Weltenraum WertungWertung
Positives
unterhaltsames Abenteuer mit gewisser Ironie geschrieben
Anspielungen auf vergangene DSA Abenteuer in Havena
Spielercharakter ist sofort für Gruppenabenteuer verwendbar
die paar Regeln der neuen Edition sind gut erklärt
Negatives
manche Entscheidungen sind für den Verlauf recht irrelevant
keine befriedigende Erklärung wie Carolan den Bösewicht findet
das Abenteuer ist recht geradlinig geschrieben

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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