Der Illusionist

| 5. Februar 2013 | 1 Comment

Rund 30 Jahre nach dem Tod von Jacques Tati wurde eines seiner Drehbücher als Animationsfilm verfilmt. Ist es eine zeitlose Geschichte oder wirkt sie zu verloren in unserer heutigen Zeit? Schauen Sie sich das an und lesen Sie weiter.

Der Illusionist

Der Illusionist, Rechte beim Verleih

Der Illusionist ist eine ganz wundervoll, wenn zugleich auch sehr traurige Geschichte, die von Sylvain Chomet behutsam erzählt wird. Auch wird das Frankreich und England der 50er Jahre, die Zeit von Tatis großem Erfolg, gut inszeniert. Ganz in der Tradition eines Jaques Tati bewegen sich die Figuren des Films bedächtig und beinahe unaufgeregt über die Leinwand. Es gibt kein springen, hüpfen, rennen, jaulen, schreien oder schnattern, sondern eine verträumte Ästhetik. Als Hommage an Jaques Tati trägt der Protagonist des Films nicht nur seinen Namen, sondern gleicht ihm auch äußerlich, wenn auch ein wenig gealtert. Die wenigen Worte, Alice spricht zumeist auf Gälisch, wirken dabei wie ein Anachronismus der Kommunikation der Figuren mit ihrer Mimik, Gestik und ihren Geräuschen. Es ist ein Film, der auch bei mehrmaligem Anschauen einen immer noch berührt, der einen feinen Humor besitzt und der in seiner Bildersprache so subtil wie gewaltig ist, dass es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gilt.

In Der Illusionist (L’Illusionniste) erschafft der französische Regisseur Sylvain Chomet nach dem Drehbuch von Jacques Tati, welcher die Geschichte als Realfilm mit seiner eigenen Tochter verfilmte, ein feines, zärtliches Drama.

Der Film erzählt die Geschichte des älteren Illusionisten Tatischeff, der nur mäßig erfolgreich von einem Auftritt zum nächsten reist und schließlich in einem kleinen Dorf in Schottland landet. Dort trifft er auf eine junge Frau, für die er eine zauberhafte Gestalt aus der großen fremden Welt ist. Sie beschließt bei seiner Abreise mit ihm zu reisen und, wenn gleich zögerlich, willigt Tatischeff ein – eine Entscheidung, die das Leben der beiden für immer verändern wird ….

Regisseur Sylvain Chomet hatte bereits mit dem oscarnominierten Animationsfilm Das große Rennen von Belleville einen großen Erfolg gelandet.

Die DVD verfügt über Ton in Französisch (Dolby Digital 5.1) und über deutsche Untertitel. Da aber im Film kaum gesprochen wird, fehlt der deutsche Ton nicht. Der Film ist mit FSK 6 versehen und hat eine Länge von 76 Minuten.

Der Illusionist von Studio Canal ist ab 18. Oktober 2012 auf DVD und blu-ray erhältlich.

Bewertung

PositivesNegatives

  • anspruchsvolle Handlung
  • liebevoll erzählt
  • Erzählung funktioniert mit wenigen Worten
  • gelungenes Drehbuch

  • nur deutsche Untertitel, keine deutsche Sprachausgabe
  • man muß der Handlung aufmerksam folgen

Rating
82%

Tags: , , , , , ,

Category: Filme, TopPost

avatar

About the Author ()

Ich liebe Theater und Kinofilme schon seit ich ein kleiner Junge war. Ich hatte das Glück, selbst einmal reinschnuppern zu können und kenne daher auch den Blick hinter die Kulissen. Zu meinen Lieblingsfilmen gehören Klassiker wie Der Pate I + II, Casablanca, Western wie Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod, österreichische Filme wie Der Bockerer, Extrablatt, aber auch Zeichentrickflime wie Das letzte Einhorn, Mary & Max, Literaturverfilmungen wie Die Verurteilten, Komödien wie Sein oder Nichtsein, Don Camillo und Peppone, Serial Mom und viele mehr.... Ich bin also regelmäßiger Besucher in Kinos und werde euch über diese Besuche auf weltenraum.at erzählen.

Comments (1)

Trackback URL | Comments RSS Feed

  1. avatar Anatol Lugendorf-Fischhof sagt:

    Zuerst dachte ich mir was hat denn bloß der liebenswerte Monsieur Hulot in einem Zeichentrickfilm zu suchen?

    Dieser Film ist mehr eine Hommage an Tati, es ist Tati und Chomet beschert dem Zuschauer einen letzten magischen Moment mit diesem großen Künstler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.