Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong

| 21. Mai 2017 | 0 Comments

Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong von Tobey Ho ist ein pfiffiges Deduktionspiel, wobei die Spieler mit Hilfe von Hinweisen einen Mörder überführen. Das durchaus witzige Spiel, welches dem Werwölfe von Düsterwald Prinzip ähnelt, erscheint beim Heidelberger Spieleverlag / Asmodee und ist für 4 bis 12 Spieler geeignet.

Brettspielschachtel - Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong, Rechte bei Heidelberger Spieleverlag / Asmodee

Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong, Rechte bei Heidelberger Spieleverlag / Asmodee

Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong ist ein witziges Game, welches ein wenig an die Werwölfe von Düsterwald erinnert, aber auch mit kleineren Gruppen spielbar ist. Was mir an Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong besser gefällt ist, dass die Diskussion aufgrund der Hinweise erfolgt, welche der Forensiker mit seinen Patronen markiert, man wird weniger von seinen Vorurteilen geleitet. Man darf aber auch nie vergessen, dass der Forensiker den Spielern helfen will, ja helfen muss um zu gewinnen. Man kann also davon ausgehen, dass er den passendsten Hinweis aus den vorgegebenen Möglichkeiten auswählen wird.

Auch als Mörder kommt man gehörig ins Schwitzen, wenn die Spieler langsam andere Tatwaffen und Indizien ausschließen und der Lösung des Rätsels immer näher kommen. Da gilt es dann subtil aber bestimmt die anderen Spieler auf eine falsche Fährte zu locken. Witzig finde ich auch, dass der Mörder trotzt seiner Entlarvung noch gewinnen kann, wenn er den Zeugen entlarvt, wobei das recht schwierig ist.

Der Spielablauf wird vereinfacht dargestellt. Jeder Spieler erhält 5 Tatwaffen und 5 Indizien, welche offen vor ihm ausgelegt werden, sowie eine Polizeimarke. Dann werden die verschiedenen Rollenkarten, wie 1x Forensiker, 1x Mörder, sowie entsprechend übrige Ermittler Rollenkarten ausgeteilt. Ab 6 Spieler gibt es noch 1x Komplize des Mörders und 1x Zeuge. Anschließend zieht jeder Spieler eine Rollenkarte, die erst bei der Auflösung aufgedeckt wird. Der Forensiker legt seine Tatwaffen- und Indizienkarten, sowie seine Polizeimarke auf die Seite, er wird das Spiel leiten.

Der Forensiker bittet alle Spieler ihre Augen schließen, dann bittet er den Mörder die Augen zu öffnen und seine Tatwaffe und das Indiz herzuzeigen. Diese beiden Karten müssen die anderen Spieler erraten. Dann erfährt der Komplize wer der Mörder ist und wen er unterstützen muss, um zu gewinnen. Anschließend bekommt noch der Zeuge Information vom Forensiker, nämlich welche zwei Leute Mörder und Komplize sind, allerdings weiß der Zeuge weder wer von den beiden welche Rolle hat, noch kennt er Tatwaffe und Indiz.

Der Forensiker und die Ermittler inkl. dem Zeugen gewinnen, wenn die Tatwaffe und das Indiz richtig erraten wird. Gelingt es den Spielern nicht, das zu erraten, gewinnt der Mörder gemeinsam mit dem Komplizen. Mörder und Komplizie können außerdem trotzt ihrer Entlarvung gewinnen, wenn sie den Zeugen richtig erraten. Dieser wird dann vor Prozessbeginn ermordet und der Prozess fällt ins Wasser.

Die Spielrunde beginnt indem der Forensiker die erste Hinweistafel aufdeckt und die besten Optionen zum Mordfall passend, mit einer Patrone markiert. Nun können die Spieler raten, analysieren, täuschen und diskutieren. Wichtig ist, dass der Forensiker auf Seiten der Spieler steht. Er darf zwar nicht verraten wer der Mörder ist und sollte sich auch aus den Diskussionen raushalten, aber er wird versuchen die beste Option auf den Hinweistafeln auszuwählen. Wenn also der Forensiker die Patrone auf den Sommer als Tatzeit legt, kann man vermutlich Gegenstände wie Eislaufschuhe als Tatwaffe ausschließen.

Hat ein Spieler einen Verdacht, kann er durch Abgeben des Polizeimarkers schließlich jederzeit eine Tatwaffe und ein Indiz eines Spielers auswählen. Der Forensiker bestätigt die Auflösung oder sagt „Nein“, wenn beide oder auch nur eine der Karten falsch ausgewählt wurden. So hat jeder Spieler einen Versuch den Mörder zu entlarven. Auch Mörder und Komplize können jemanden verdächtigen und so für Verwirrung sorgen.

Wirklich wichtig bei dem Spiel ist, dass der Forensiker nur stiller Beobachter ist und keinerlei Hinweise gibt, ansonst hat der Mörder keine Chance. Aber er sollte gut zuhören und sich überlegen durch welchen Hinweis er den Ermittlern helfen könnte. Dazu darf er im Verlauf des Spiels 2x je 1 der Hinweistafeln durch eine frisch gezogene Hinweistafel ersetzen. Es gibt auch Sondertafeln, welche einen Effekt auslösen, wenn sie gezogen werden.

Nach dem 2. Austausch einer Hinweistafel können die Spieler noch zu Ende diskutieren, dann müssen sie ihre Polizeimarken einsetzen und versuchen den Mörder zu entlarven. Gibt es keine Polizeimarken mehr im Spiel, ist es zu Ende und der unentdeckte Mörder hat gewonnen.

Bei unserem Test haben wir mehrere Runden gespielt und wir haben gleich gemerkt wie wichtig es ist, dass der Forensiker sich nicht in Diskussionen einmischt. Er weiß ja schließlich wer der Mörder ist und durch seine Hinweise wird es unmöglich, dass der Mörder gewinnt. Der einzige Hinweis, der in den ersten Spielrunden erlaubt ist, ist das Hinweisen, dass der Forensiker den Ermittlern helfen möchte und nur gewinnt, wenn die Ermittler den Mörder fassen. Mehr sollte aber wirklich nicht mitgeteilt werden. Generell fanden wir es bei unserem Test, besonders bei den ersten Runden schwierig als Mörder zu gewinnen. Allerdings kommt da auch ein bisschen Kartenglück und Auswahl der Waffen und Indizien dazu. Als Mörder macht es durchaus Sinn, wenn man sich die vorher ausgelegten Waffen und Indizien der anderen Mitspieler ansieht und nicht die einzigartigen Karten auswählt, da diese schneller erraten werden können. Liegen z.B. ein Baseballschläger und eine Hantel aus, macht es mehr Sinn ebenfalls einen stumpfen Gegenstand zu wählen als z.B. eine Pistole. Auch bei den Indizien könnte z.B. der Regenschirm besser sein als ein Spielzeug, wenn auch Stiefel und ein Regenmantel ausliegen. Aber auf diese Feinheiten kommt man erst, nachdem man ein paar Runden gespielt hat. Das Glück spielt bei den Hinweisekarten des Forensikers ein bisschen eine Rolle. Manche Hinweise helfen mehr, manche weniger.

Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong wurde vom jungen Brettspieldesigner Tobey Ho erschaffen. Sein Erstlingswerk wurde über Crowdfunding finanziert und erschien ursprünglich bei Jolly Thinkers als Crime Scene Files. Gegenüber dem Original erfuhr die Heidelberger Spiele / Asmodee Ausgabe ein deutliche grafische Aufwertung durch die Illustrationen von Tommy KC5, On Tung.

Deception/Getäuscht: Mord in Hong Kong ist bei Heidelberger Spiele / Asmodee im Oktober 2016 erschienen. Wir haben bei unserem Test mit 7 Spielern ungefähr 20 bis 25 Minuten pro Partie benötigt, exkl. Aufbau und Erklärung der Spielregeln.
92 / 100 Wertung
Weltenraum WertungWertung
Positives
ein sehr schnelles und einfach erklärtes Spiel
man diskutiert auf Basis der Hinweise des Forensikers
die Ermordung des Zeugen ist ein lustiger Kniff
ziemlich knifflig die Hinweise richtig zu deuten
beide Seiten haben eine faire Chance zu gewinnen
Optisch schön designt
Negatives
ohne Komplizen ist es für den Mörder schwerer
die Tatwaffen- und Indizienkarten könnten größer sein
Helfender Forensiker ist schnell unfair

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Category: Brettspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

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