Das verlorene Labyrinth

| 15. August 2013 | 0 Comments

Die Archäologin Shelagh hat ihre Freundin Alice zu Grabungen in Südfrankreich eingeladen, um sie von einer Trennung abzulenken. Nach einem Erdstoß fühlt sich Alice zu einer Höhle gezogen, wo sie einen mysteriösen Ring entdeckt, den alle ihr abzunehmen versuchen. Danach ist nichts mehr wie es war…

Der zweiteilige Fernsehfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman der britischen Autorin Kate Mosse, die den Roman auch selbst für das Drehbuch adaptiert hat. Der Film wurde von Tandem Communications, Scott Free und sat1 produziert und wurde im Jänner diesen Jahres erstmals im Fernsehen gezeigt.

Die Romanvorlage wurde in über 23 Ländern zum Bestseller und war in einigen Ländern sechs Monate auf Platz 1 der Listen (als Hardcover und Taschenbuch). Das Buch ist Teil einer Trilogie, die in der südfranzösischen Region Languedoc spielt.

Das verlorene Labyrinth Cover

Das verlorene Labyrinth auf DVD, Rechte bei Koch Media

Neben John Hurt (2fach Oscar nominiert und Golden Globe Preisträger) wurde auch Tom Felton (der Darsteller des Draco Malfoy in Harry Potter, der hier kaum wiederzuerkennen ist) als einer der Darsteller gewonnen. Die anderen Schauspieler sind bisher eher unbekannte, junge Talente beziehungsweise teilweise aus Serien bekannt.

Alice Tanner erbt von ihrer verstorbenen Tante ein Haus in Carcassonne. Zuvor besucht sie ihre Freundin Shelagh, die bei einer Ausgrabung in der Nähe arbeitet. Nach einem Erdbeben fühlt sie sich magisch zu einer nahegelegenen Höhle gezogen, in der sie einen Ring und zwei Skelette findet. Dann entfalten sich die Ereignisse, alle sind auf der Suche nach dem Ring, den Alice erwähnte. Dieser zeigt ein mysteriöses Ornament in Form eines Labyrinthes. Es kommt zu Todesfällen und Alice hat Visionen aus der Vergangenheit, von Alaïs, die vor 800 Jahren in Carcassonne lebte. Alaïs wird von ihrem Vater das Geheimnis des Grals anvertraut, ihre Schwester Oriane brennt vor Eifersucht und versucht alles, um ihr dieses zu entreißen. Liebe und Intrige, Missgunst und Neid prägen die Beziehungen der Personen zueinander. Schließlich kommt das Heer der Kreuzritter vor den  Toren der Stadt an…

Kurz zum geschichtlichen Hintergrund: Im Jahre 1209 wurde Carcassonne, das ein Rückzugsgebiet für die von den Kreuzrittern verfolgten Katharer war, nach zwei Wochen Belagerung erobert. Den Teilnehmern des Kreuzzuges wurden seitens des Papstes die Vergebung ihrer Sünden und Land versprochen. Bis 1321 wurden die Katharer von der neugeschaffenen Inquisition gejagt und schließlich vernichtet.

Die Stadt und die Landschaft sind stimmungsvoll in Szene gesetzt, wobei ich nicht weiß, ob da nicht manchmal bearbeitend nachgeholfen wurde, mit den Bergketten im Hintergrund und der Landschaft davor, es wirkt fast zu perfekt. Auch die Kampf- und Massenszenen sind sehr mitreißend.

Eine Frau erbt von einer unbekannten Verwandten ein Haus, schreckliche Dinge passieren. Sie geht nach einem leichten Erdbeben in eine Höhle, was ein wenig leichtsinnig und gefährlich erscheint. Dann geschieht etwas (zu viel sei hier nicht verraten). Sie beantwortet nach dem Vorfall in der Höhle nicht nur die Fragen des Polizisten, sondern auch eines merkwürdigerweise beigezogenen Priesters, den sie einfach so als Autorität ansieht,  und lässt auch noch zu, dass er ihre Handtasche durchsucht. Es ist ein leider abgedroschener Einstieg, und sehr unlogische Verhaltensweisen…dass sie magisch zu dieser Höhle gezogen wird, wird nicht gut genug vermittelt, es wirkt so, als ob sie einfach aus Neugier hineinginge.

Außerdem wird leider nicht deutlich, was „der heilige Gral“ wirklich ist. Er besteht aus drei Büchern, die Wissen enthalten. Geht es aber nicht um die Liebe oder um die Freiheit des Denkens? Das ist mir nicht ganz klar geworden. Es gibt doch einige handelnde Personen. Die zwei, drei Hauptpersonen kann man sich ja noch leicht merken, aber da sind da noch die nordfranzösischen Angreifer, deren Namen einfach so reingeworfen werden, man erfährt nur kurz, dass es ihnen nicht um den Glauben geht, sondern um Land und dass sie böse sind. Ein Teil der Figuren wird also leider nicht lebendig.

Die Zeitsprünge und Deja Vues von Alice werden manchmal unübersichtlich, nur kurz wird über die Art der Verbindung zwischen den beiden Frauen gesprochen. Alices Verwirrrung wird dadurch zumindestens gut vermittelt. Über die Glaubensinhalte der Katharer erfährt man wenig. Im Film werden sie als gute, fromme Menschen dargestellt, ihre Priester tragen blaue Kutten. Das ist leider alles, was man erfährt, was schade ist, denn das Thema und das Setting sind sehr interessant.

Mittelalter-Enthusiasten, die ein Faible für das mysteriöse, spirituelle haben oder Leute, die Dan Brown Fans sind, werden wahrscheinlich über die Schwächen des Zweiteilers hinwegsehen können und ihre Freude damit haben. Mich hat die Verfilmung von Kate Mosses Roman leider nicht so in seinen Bann ziehen können, wie ich es mir erwartet hätte.

Das verlorene Labyrinth (FSK 16) ist seit 16.01. 2013 auf DVD und BluRay erhältlich.

Bewertung

PositivesNegatives

  • teilweise an Originalschauplätzen gedreht, schöne Landschaften
  • stimmungsvolle Musik

  • Unlogische Verhaltensweisen der Figuren
  • Handelnde Personen werden ungenügend vorgestellt
  • versucht im Fahrwasser von Dan Browns Romanen und deren Verfilmungen zu schwimmen

Rating
56%

 

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Category: Filme, TopPost

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Kulturell interessiert an Film, Theaterbesuchen und ähnlichem.
Sollte ein Stummfilm mit Musikbegleitung aufgeführt werden, bin ich wahrscheinlich dort!
Ansonsten halte ich mich mit Lesen, Brettspielen und Pen&Paper Rollenspielen bei Laune. Freu mich schon in einigen Rubriken hier etwas beizusteuern und auf die Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser!

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