Bottled Life

| 24. Oktober 2013 | 0 Comments

Wasser ist Leben…aber wem gehört das Wasser? Ist es ein Menschenrecht, oder ein Lebensmittel, das auf dem freien Markt verkauft werden darf? In diesem Dokumentarfilm zeigt uns Urs Schnell am Beispiel Nestlé, dem weltgrößten Lebensmittelkonzern, wie weit Firmen für den Profit gehen.

Bottled Life. Das Geschäft mit dem Wasser Filmplakat. Alle Rechte bei Doklab und Thimfilm

Bottled Life. Das Geschäft mit dem Wasser. Alle Rechte bei Doklab und Thimfilm

Die Zuseher begleiten den Schweizer Journalisten Res Gehringer auf seiner Reise auf den Spuren des Flaschenwassers. Er recherchiert in den USA, Nigeria und Pakistan, spricht mit Experten und Betroffenen. Nur einer wollte nicht mit ihm sprechen: Nestlé, beziehungsweise deren Mitarbeiter. Wir sehen daher aus der Perspektive des Konzerns zusammengetragene Aufnahmen von leitenden Mitarbeitern, vor allem vom Präsidenten des Verwaltungsrats, Peter Brabeck (übrigens Österreicher), der Wasser zu einem Schwerpunkt von Nestlé machte. Sonst steht Gehringer bei der Recherche vor verschlossenen Toren. Aber das liegt nicht am mangelnden Bemühen des Teams, sondern an den Verantwortlichen bei Nestlé, denen die ganze Sache sicher sehr unbequem ist. O-Ton: „Der falsche Film zur falschen Zeit“. Es können keine Bilder auf Firmengelände gedreht werden, Mitarbeitern ist es verboten mit dem Journalisten zu sprechen.

Urs Schnell führte Regie. Seit 1999 dreht er größere Dokumentarfilme, die Recherche führt der Journalist Res Gehringer durch, der freiberuflich und auch für das Schweizer Fernsehen arbeitet. Gerade als Schweizer interessiert sie die Thematik, da Nestlé doch in der Schweiz allgegenwärtig ist und auch im Ausland für die Schweizer Wirtschaft steht.

In den USA versucht sich Nestlé unter der Marke Poland Spring (die meistgekaufte Wasser Marke in den USA) immer mehr Quellen zu sichern und auch in Naturschutzgebiete vorzudringen. Laut dem Recht in den meisten US-Bundesstaaten darf man auf seinem Land so viel Wasser abpumpen, wie man möchte, auf Nachbarn braucht man keine Rücksicht nehmen. Lokale Aktivisten machen gegen Nestlé, teils mit Erfolg, mobil. Manche Gemeinden freuen sich aber über die Investitionen und Spenden für die Gemeinde oder Vereine.

Die weiteren Orte der Recherche sind Lahore, Pakistan und Lagos, Nigeria. In beiden Länder ist die öffentliche Versorgung mit Trinkwasser unzureichend.

80% der Wasserreserven der Erde sind in staatlicher Hand. Wasser ist, auch laut UNO ein Grundbedürfnis. Weltweit ist die Todesursache Nummer eins für Kinder verschmutztes bzw kontaminiertes Wasser, durch die schlechte Versorgung mit dem „kostbaren Nass“ sterben mehr als an Krieg, Unfällen und Krankheiten wie HIV/AIDS und Malaria zusammen.

Nestlé, ein multinationaler Lebensmittelkonzern, mit Hauptsitz in Vevey am Genfer See hat vielfältige Markenprodukte im Portfolio, die so mancher gar nicht mit Nestlé in Verbindung bringt. Ein Schwerpunkt im Programm ist Wasser, weil führende Nestlé Verantwortliche, allen voran Peter Brabeck, erkannt haben, dass Wasser immer gebraucht wird, und auch als Rohstoff für die eigene Produktion verfügbar sein muss. 8% des Umsatzes der Firma entfallen auf den Wassersektor. Das sind knapp 6,5 Milliarden Euro. (Daten von 2011)

Die Nestlé-Marke Pure Life gibt es seit 1998, es ist das Konzept von Nestlé für Entwicklungs- und Schwellenländer und ihre erfolgreichste Marke. In Ländern mit unzureichender oder niedrig qualitativer öffentlicher Wasserversorgung kauft Nestlé Brunnen oder Grundstücke plus Wasserrechte, pumpt das Grundwasser ab, reinigt es und fügt einen Mineralien-Mix nach Nestlé Rezept hinzu.

Der Film regt zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten an, zeigt schöne Bilder von der Schweiz und anderswo. Man sieht bestürzende Bilder aus Slums in Nigeria und schüttelt den Kopf über Aussagen der Verantwortlichen von Nestlé. Das Thema ist mitreißend und gut aufbereitet. Vor allem die Aktivisten in Maine, die gegen Poland Spring mobil machen, inspirieren.

Sämtliche Gesprächspartner überzeugen und warten teils mit zitierreifem Redefluss auf, hier merkt man stark, dass es den Machern beim Schnitt wichtig war, nur „fast druckreife“ Aussagen stehen zu lassen. Das passt nicht immer, weil auch Spontaneität verloren geht, aber hier steht das Sachthema im Vordergrund, somit sehe ich es positiv.Vor allem Maude Barlow, kanadische Aktivistin, Preisträgerin des alternativen Nobelpreises und zeitweise Beraterin der UNO in Wasserfragen sticht unter den befragten Personen hervor.

Wirkliche Schwächen des Films sind nicht auszumachen, er ist aber auch nicht spektakulär. Über die Industrie des Wassers in Plastikflaschen im allgemeinen gab es schon die US-amerikanische Doku „Tapped“. Aber er ist einfach eine gut recherchierte, gut gemachte Dokumentation, die einen umfassend ins Bild über die Wasseraktivitäten von Nestlé setzt.

Bottled Life kommt am 25. Oktober 2013 im Verleih von Thimfilm in die österreichischen Kinos.

Bewertung

PositivesNegatives

  • Thema an sich interessant
  • gut aufbereitet und recherchiert
  • Gesprächspartner sorgfältig und gut gewählt

  • das 'gewisse Etwas' fehlt noch ein wenig

Rating
74%

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Category: Filme, TopPost

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Kulturell interessiert an Film, Theaterbesuchen und ähnlichem. Sollte ein Stummfilm mit Musikbegleitung aufgeführt werden, bin ich wahrscheinlich dort! Ansonsten halte ich mich mit Lesen, Brettspielen und Pen&Paper Rollenspielen bei Laune. Freu mich schon in einigen Rubriken hier etwas beizusteuern und auf die Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser!

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