Aventurisches Kompendium

| 12. November 2016 | 2 Comments

Aventurisches Kompendium von Ulisses Spiele ist ein Regelwerk für das Fantasy Rollenspielsystem Das Schwarze Auge – 5. Edition. Im Zentrum stehen nicht nur verschiedene Kampfoptionen, sondern auch neue Möglichkeiten zum Einsatz von Talenten und Themen wie die Jagd, das Sammeln von Pflanzen, die Recherche in Bibliotheken oder die Herstellung von Waffen und Rüstungen.

Cover der Hardcover Ausgabe - Aventurisches Kompendium, Rechte bei Ulisses Spiele

Aventurisches Kompendium, Rechte bei Ulisses Spiele

Das Aventurische Kompendium bietet eine Vielzahl an verschiedenen Regelergänzungen und -vertiefungen. Ich würde sagen für jede Gruppe ist das eine oder andere dabei, was ihr gefällt und was ihr weniger gefällt. Die Redaktion verspricht in den Abenteuern keine Fokusregeln Stufe I oder Stufe II zu verwenden, sondern nur die Grundregeln. Grundsätzlich halte ich aber die Entscheidung dass es sozusagen Basisregeln und Ausbauregeln gibt, theoretisch nett aber fragwürdig in der Umsetzung.

Den Ansatz dass jede Gruppe welche Fokusregeln Stufe I oder Stufe II verwendet, diese dann in den Abenteuern adaptiert finde ich mühsam. Da wäre mir lieber es gibt Abenteuer welche auch die Fokusregeln Stufe I oder Stufe II verwenden, und dass man dann, wenn man in der Gruppe die eine oder andere Regel nicht verwendet, diese eben adaptiert oder dann das Abenteuer anpasst. Etwas wegzulassen oder zu minimieren ist in der Regel wesentlich leichter als etwas zu adaptieren oder zu erweitern.

Schon einmal gab es bei DSA Abenteuer mit Basisregeln und den sogenannten Ausbauregeln, wobei nach einer kurzer Phase dieser Dualität man sich nur mehr auf die Ausbauregeln konzentiert hat. Ich kann mir gut vorstellen dass man auch in ein, zwei Jahren wieder Abenteuer schreibt welche grundsätzlich alle Regeln verwenden werden.

Bei den Talenten werden zum Teil bekannte Anwendungsgebiete näher beschrieben und weitere Modifikatoren von Handlungen angeführt. Recht gelungen sind die Regeln zu Verfolgungsjagden. Sie sind zwar etwas kompliziert, aber nicht unverständlich und sicher besser und geschmeidiger als sie es in DSA4 waren, wobei sie in dieser Form nicht vorhanden waren. Auch die sozialen Konflikte wurden hier besser erklärt als noch im Grundregelwerk und verschiedene Handlungen wie Den Pöbel begeistern oder jemanden aufhetzen sind mit ihren Tabellen und Qualitätsstufen gut gelungen.

Das Aventurische Kompendium bietet also vor allem kleine gelungene Details, wie die Erleichterung durch unterstützende Proben von 1 auf die nachfolgende Talentprobe, oder bespielehafte Handlungen mit einer Übersicht welche Qualitätsstufe zu welchem möglichen Ergebnis führen könnte. Auch die Recherche-Möglichkeit gefällt mir ausgesprochen gut, damit ist regeltechnisch festgelegt wie die Spieler in dem örtlichen Umfeld oder z.B. einer Bibliothek zu einem Thema recherchieren können.

Weniger gelungen finde ich die Beispiele der Talentproben, denn die beschriebenen Boni und Mali haben teilweise wenig mit den Tabellen zu tun. Es gibt z.B. Boni oder Mali je nach Bekanntheit der Tänze, in der dazugehörigen Tabelle findet man aber nur guten oder schlechter Untergrund, der den Wurf modifiziert. Außerdem finden sich auch Beispiele, die ohne Bonus bzw. Malus auskommen und daher wenig hilfreich sind.

Auch dem Thema Soziale Konflikte wird ein breites Feld eingeräumt. Einerseits ist es immer problematisch wenn durch einen Würfelwurf ein NSC einen Spielercharakter zu etwas überredet, aber es gibt auch das alte Problem ob man soziale Konflikte ausspielt oder auswürfelt. Wenn man sie ausspielt, haben die redegewandten, lautstarken Spieler einen Vorteil gegenüber ruhiger, zurückhaltenden Spielern, allerdings spielen wir ja Charaktere und haben deswegen auch bestimmte Werte, damit wir eben Fähigkeiten benutzen können, die wir in Realität nicht besitzen. So können Spieler mit geringen medizinischen Kenntnissen überzeugend einen Medicus darstellen, aber ein Spieler mit geringen Talentwerten in Überreden oder Bekehren & Überzeugen kann durch seine Eloquenz teilweise den Spielerleiter und dadurch NSC trotzdem überzeugen. Würfeln oder Reden – das entscheidet auch das Aventurische Kompendium leider nicht. Ich für meinen Teil lasse meine Spieler solche Konflikte ausspielen und gebe anschließend der überzeugenderen Seite einen Bonus, aber schlußendlich wird dann gewürfelt.

Auch die zahlreichen Sonderfertigkeiten, welche im Aventurischen Kompendium zu finden sind, verleihen dem Charakter mehr Tiefe, aber sie erinnern mich auch stark an die Talente aus dem Pathfinder Regelsystem, einem Fantasy Rollenspiel welches ebenfalls von Ulisses Spiele herausgebracht wird und im Original bei Paizo erscheint. Die Schicksalspunkte-Sonderfertigkeiten sind schwer einzuordnen, sie kosten zwar Schicksalspunkte und können daher eher seltener zum Einsatz gebracht werden, andererseits sind einige recht mächtig und können dem Meister gehörig die Suppe versalzen.

Gut finde ich auch dass die Lernzeiten für Sprachen definiert wurden. Die Turnierregeln hingegen finde ich fast schon ein wenig zu detalliert. Die wären wohl besser in einem Abenteuer bzw. in einem anderen Band aufgehoben gewesen. Die erweiterten Kampfregeln lassen so machem Spieler das Herz vor Freude aufgehen, aber man sollte sich die Regeln um Kronleuchter fallen zu lassen, am Geländer runterzurutschen, Fässer rollen zu lassen, am Teppich zu ziehen oder am Seil zu schwingen vorher gut anschauen. Es sind zwar witzige Möglichkeiten, doch heftiges Herumgeblätter im Kompendium und ein zusammenlesen der Regeln während dem Spielen ist ziemlich ermüdent. Die Trefferzonen-Regel finde ich sehr charmant und sie gibt dem Kampf ein gewisses Etwas, aber sie ist kaum intuitiv anwendbar und dass es 10 verschiedene Trefferzonentabellen für die unterschiedlichen Kreaturen gibt, ist eher verwirrend.

Aventurisches Kompendium ist ein Regelwerk für das Rollenspielsystem Das schwarze Auge von Ulisses Spiele und ist ab Juni 2016 als pdf, Taschenversion und Hardcover erhältlich.
80 von 100%
Weltenraum WertungWertung
Positives
zahlreiche Regelvariationen und Vertiefungen
bisher die besten DSA Regeln für Verfolgungsjagden
gelungenes Layout, Regelwerk ist gut zu lesen
viele Erklärungen zur Anwendungen der Talente
Negatives
Anwendungsbeispiele der Talente nicht mit Boni-/Mali Tabelle konform
Trefferzonen sind ein guter Ansatz, aber zu kompliziert umgesetzt
starker Fokus auf kriegerische Professionen

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Category: Rollenspiele, Spiele

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About the Author ()

Ich bin in der RPG Community unter dem Namen Kanzler von Moosbach bekannt und bin der Spielleiter ein kleinen, aber feinen Wiener Rollenspielgruppe. Ich spiele schon seit mehr als zwei Jahrzehnten verschiedene Rollenspielsysteme, einige wie Cthulhu schon seit Anfang an, andere wie Schattenjäger erst seit kurzer Zeit. Ich spiele dabei selbstgeschriebene Abenteuer, sowie auch Kaufabenteuer, halte mich in manchen Kampagnen sehr eng an den Kanon, bei anderen ändere ich die Systemwelt sehr stark nach meinem Geschmack und den Gruppenbedürfnissen ab. Ich habe kein spezielles Lieblingssystem, weil viele Systeme ihre Stärken und Schwächen haben und ich lieber diese für meine Abenteuer und Kampagnen nutzen möchte, als daraus ein "Lieblingssystem" für alle Gegebenheiten zu schnitzen. Seit einiger Zeit habe ich die Ehre auch für Weltenraum, dem österreichischen Magazin für Spiele, Film und Lesestoff, als Redakteur für Rollenspiele schreiben zu dürfen.

Comments (2)

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  1. Kai Krameter Kai Krameter sagt:

    Dacht ich mir in etwa auch

  2. avatar Oliver sagt:

    Das finde ich mal eine gute Rezension: Augenscheinlich braucht man ja auch erst mal etwas Zeit um die Regelvorschläge in der Praxis zu testen. Rezensionen, die sechs Stunden nach Erscheinen eines Produktes erscheinen sind mir mittlerweile suspekt. Mir hat das AKO sehr gut gefallen und ich konnte die bisherigen Verrisse nicht nachvollziehen.

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